Kartengruß gegen psychische Krankheiten: Maximilian Laufer, Tina Meffert (Mutmachleute), Maximilian Mayer (Behindertenbeauftragter), Regina Klusch (Sozialpsychiatrischer Dienst), Stefan Wenger (Steuerungsbund Psychische Gesundheit) und Sandra Pabian (v.l.) mit den Postkarten.
+
Kartengruß: Maximilian Laufer, Tina Meffert (Mutmachleute), Maximilian Mayer (Behindertenbeauftragter), Regina Klusch (Sozialpsychiatrischer Dienst), Stefan Wenger (Steuerungsbund Psychische Gesundheit) und Sandra Pabian (v.l.) mit den Postkarten.

Gegen das Belächeln ernster Krankheiten

Welttag der seelischen Gesundheit: Postkartenaktion soll für Verständnis sorgen

Zum Welttag der seelischen Gesundheit gibt es eine Postkartenaktion vom Steuerungsbund Psychische Gesundheit in Kooperation mit dem Starnberger Verein Mutmachleute. Die Karten sollen das Thema enttabuisieren.

Starnberg – „Ich schick dir Mut“, „Sei du selbst“, „Lass uns reden“. Diese und andere Slogans stehen auf bunten Postkarten zum Welttag der seelischen Gesundheit am kommenden Samstag, 10. Oktober. Der Steuerungsbund Psychische Gesundheit in Kooperation mit dem Starnberger Verein Mutmachleute hat dazu eine Postkartenaktion ins Leben gerufen – Adressaten sind alle Bürger im Landkreis Starnberg, ob betroffen oder nicht.

Psychische Krankheiten gehören zum Alltag, jeder Dritte ist rechnerisch einmal im Leben betroffen. Der Vorsitzende des Steuerungsverbundes, Stefan Wenger, betont: ,,Wir möchten Betroffenen Mut machen und bei Nicht-Betroffenen für Verständnis sorgen.“ Regina Klusch vom Sozialpsychiatrischen Dienst Starnberg fügt hinzu: „Je besser die Leute informiert sind, desto bewusster können sie mit psychischen Krankheiten umgehen.“ Oft würden psychische Probleme belächelt, Betroffene ausgegrenzt – und auch Kündigungen kämen vor.

Depression und Angststörungen am weitesten verbreitet

Der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Max Mayer, berichtete bei der Vorstellung der Aktion, dass es im Landkreis 14 000 Menschen mit Behinderung gebe – davon leiden 18 Prozent an seelischen Erkrankungen, mithin also mehr als 2500. Die häufigsten psychischen Krankheiten seien Depressionen und Angststörungen. „Körperliche Beschwerden führen in vielen Fällen auch zu psychischem Leid und andersherum. Es ist ein Kreislauf“, erklärte Mayer.

Themen haben sich wegen Corona geändert

Die Corona-Krise verschärft die Lage noch, es gab mehr Bedarf an Beratung, und die Telefongespräche wurden länger und intensiver. Regina Klusch: ,,Die Thematiken der Klienten haben sich geändert, denn sie waren irritiert, wenn sie nicht mehr an ihrer Gruppensitzung teilnehmen konnten. Nach dem Lockdown konnte man eine klare Erleichterung spüren, weil wieder mehr Struktur herrscht.“

Postkarten gegen Isolation und als Gesprächsanlass

Die Postkartenaktion soll gegen Isolation helfen, denn es sei wichtig, über psychische Probleme zu sprechen. Die Initiative bietet die Gelegenheit, jemandem zu schreiben, um Kontakt zu halten und anzubieten. Die Karten werden in Rathäusern und anderen Einrichtungen ausgelegt. Ferner kann man die bunten Karten auf der Homepage des Vereins Mutmachleute (www.mutmachleute.de) herunterladen. „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben keine angemessene Lobby“, betont die stellvertretende Vorsitzende Tina Meffert. Auf der Webseite des Vereins hätten Betroffene deshalb die Möglichkeit, über ihre Erkrankungen zu berichten. Banner am Landratsamt und andernorts machen auf die Aktion aufmerksam.

Die Mutmachleute haben die Karten gestaltet, der Druck wird vom Bezirk Oberbayern finanziert. Der Verein hat zudem einen Kampagnenfilm produziert, in dem Betroffene sowie Angehörige in allen möglichen Altersgruppen Gesicht zeigen und zu ihrer Krankheit stehen. Tina Meffert: ,,Ich bekam bei jedem Einzelnen Gänsehaut.“ Der Film ist ab Samstag bei den Mutmachleuten online zu sehen.

Telefonische Hilfe

Unter z 0180/6 55 30 00 erhalten Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene und Angehörige qualifizierte Beratung und Unterstützung durch den Krisendienst Psychiatrie.

Steffi Pfleger

Auch interessant

Kommentare