Paula Thieme
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Paula Thieme mit der 121 Jahre alten Geige.

Jugend musiziert

Geige zehnmal so alt wie die Musikerin

Paula Thieme und Josephine Kohlpaintner erhalten hochwertige Instrumente von der „Deutschen Stiftung Musikleben“.

Starnberg/Berg – Ein bisschen Geburtstag und Weihnachten auf einmal, das hat sich für Josephine Kohlpaintner realisiert. Nicht nur, dass die Berger Schülerin tatsächlich kurz vor Jahresende zwölf Jahre alt wurde, sie durfte ihren Festtag auch mit einem besonderen Objekt verbringen: Mit einer echten historischen Geige, die viel besser klingt als eine gewöhnliche. Genauso perfekt war die Freude für Paula Thieme, die im Januar 13 wird. Auch die Starnbergerin kann sich über eine mehr als einhundert Jahre alte Meistergeige freuen. Das Privileg einer Instrumentenvergabe erzielte sie im gleichen Vorspiel wie Josephine Kohlpaintner.

Beide Jung-Geigerinnen spielten beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ im Februar 2020 so überzeugend, dass sie neben einer Bestnote auch die Teilnahmeberechtigung am Landeswettbewerb bekamen – welcher allerdings dem ersten Lockdown zum Opfer fiel. Diese Wertung – quasi „Note eins mit Stern“ – ermöglichte den beiden trotzdem die Instrumentenvergabe. Diese koordiniert seit 1994 die „Deutsche Stiftung Musikleben“ in Hamburg. So wurden beide Jung-Violinistinnen im Herbst an die Elbe eingeladen, wo sie einige besondere Violinen der Stiftung „live“ ausprobieren konnten.

Paula Thieme machte sich die Wahl nicht leicht. „Ich hab’ bestimmt drei Stunden lang die Instrumente probiert“, sagt sie. Schließlich erkor sie für sich ein 121 Jahre altes Meisterstück des Hofgeigenbauers Philipp Hammig, das seit 1939 von Helmut Zacharias gespielt wurde. „Die Geige ist wunderschön und auch etwas lauter als eine gewöhnliche,“ sagt die Starnbergerin, die als Komponisten vor allem Johann Sebastian Bach schätzt.

Josephine Kohlpaintner entschied sich für ein Instrument des Pariser Geigenbaumeisters Claude-Augustin Miremont aus dem Jahre 1869. „Ich hab’ sechs Geigen ausprobiert und mich für die Miremont entschieden, weil sie einfach einen viel besseren Klang hat“, so die Bergerin. „Man hat viel Spaß, auf ihr zu spielen.“ Ein aktuelles Stück der jungen Künstlerin ist Sonatine op. 27 von Zdenek Fibich, das sie für den nächsten Wettbewerb von „Jugend musiziert“ vorbereitet. „Ich übe auch gerade ein neues Stück: Die Meditation aus Thais von Jules Massenet.“

 Josephine Kohlpaintner mit ihrem 151 Jahre alten Instrument

Beim Üben hilft Beate Schad aus Berg, welche auch den Kontakt zur „Stiftung Musikleben“ aufgebaut hatte. Die Geigenlehrerin ist ebenfalls die Anlaufstelle von Paula Thieme. „Bei ihr haben wir uns auch kennengelernt“, sagen beide. So gut harmonieren die kommenden Virtuosinnen zusammen, dass sie sogar im Sommer auf der Nordsee-Insel Juist zu zweit Straßenmusik machten. „Wir standen am Eingang zum Strand und haben für unsere Musik auch einige Münzen und Scheine bekommen.“

Keine Frage ist es da, ob die beiden jungen Instrumentalistinnen öffentlich Auftritte vermissen – natürlich, versichern sie, möchten sie ihre Geigen gerne vor Publikum zu Gehör bringen. „Vor allem bei der von Zacharias eingespielten Hammig-Geige merkt man, dass sie locker eine große Bühne füllt“, sagt Paula Thieme. Sie spielt eigentlich im Orchester der Kindersinfoniker von Julia Fischer – gemeinsam auch mit Josephine Kohlpaintner, die zusätzlich im rockigen Orchester „Frisch gestrichen“ auftreten würde. Ein bisschen Zeit zur Terminierung von Konzerten bleibt freilich noch, denn die Instrumente werden auf zwei Jahre vergeben – und Folgeanträge bleiben eine Option.

Beide Schülerinnen finden große Freude und Ansporn darin, Musik zu machen. „In meiner Familie werden Chor und Klavier gelebt, und meine Tante spielt Geige“, sagt Paula Thieme. Ihr erstes „großes“ Instrument war zwar das Klavier. „Doch schon mit fünf Jahren merkte ich, dass mir die Geige einfach mehr Spaß macht.“

Noch spannender verlief der Weg zum Instrument bei Josephine Kohlpaintner. „Meine Eltern spielen Cello und Klavier, und meine Geschwister sind in der Big Band.“ Sie wurde zwar mit dem Tasteninstrument warm, doch bei den Saiten folgte sie ihrer eigenen Intuition.

Denn irgendwo sei immer die Geige der Oma gestanden, und jedes Mal, wenn sie Geigenmusik hörte, habe sie eine Verbindung gespürt. „Dann habe ich meine Mutter ein Jahr lang angebettelt, dass ich dieses Instrument auch lernen will.“ Innerhalb von knapp fünf Jahren hat der Weg vom ersten Bogenstrich bis zur Meistervioline geklappt. Andreas Bretting

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