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Ein Streit-Thema in Starnberg: Viele Gelbe Säcke reissen. 

Abfallentsorgung

1,3 µm - Ein Fall für den Landrat

Landkreis – 1,5 Millionen Gelbe Säcke braucht es im Landkreis. Die Dicke ist aber geringer als vereinbart, deswegen reißen die Plastiksäcke schneller.

Das Gefühl haben viele Landkreisbürger schon lange, nun ist es amtlich: Die Gelben Säcke sind derzeit dünner als geplant und reißen daher viel leichter. Landrat Karl Roth als Vorsitzender des Abfallwirtschaftsverbandes AWISTA nannte gestern Zahlen. Nun soll das Duale System (DSD) als Vertragspartner aufgefordert werden, stärkere Säcke zu liefern. Ob die Lagerbestände eingezogen werden, ist hingegen noch offen. 

Die Debatte um dünne Säcke ist nicht neu. Seit Jahren gibt es regelmäßig Beschwerden, dass die Säcke schon beim Anschauen reißen. Zuletzt im Februar gab es starke Verschmutzungen vor allem in der Stadt Starnberg, berichtet AWISTA-Geschäftsführer Peter Wiedemann, vor allem kurz vor den Abfuhrtagen – und ein stärkerer Wind war an der Misere auch beteiligt. Grund, sich einmal nach der Robustheit zu erkunden. 

Verbrauch pro Jahr im Kreis: 1,5 bis 1,7 Millionen Säcke

Roth nannte Werte, die auf den ersten Blick kaum relevant erscheinen: Nach der Vereinbarung mit dem DSD, das für die Gelbe Säcke zuständig ist, sollen die Säcke eine Dicke von 22 µm haben. Ein µm? Gesprochen wird das Mü-Meter oder nur Mü für den griechischen Buchtaben µ und entsprich dem früheren Mikrometer. Das entspricht dem Tausendstel eines Millimeters. Übrigens: Diese Zeitungsseite hat eine Dicke von etwa 70 µm, ein menschliches Haar ist zumeist ebenso dick. 

Die Prüfung ergab, dass die aktuelle Lieferung der Gelben Säcke nur 20,7 µm dick ist. Das reicht aber für eine Sauerei auf der Straße und saure Bürger, wenn der Sack schon reißt, wenn man nur einen Plastikbecher hineinwirft. „Das DSD ist unser Partner“, sagt Wiedemann, und deswegen will der AWISTA nun auf bessere Säcke drängen. Die beschafft ein Unternehmen im Auftrag des DSD. Im Kreis werden pro Jahr rund 1,5 bis 1,7 Millionen Säcke verbraucht, die immer als Jahresmenge bestellt und dann eingelagert werden. 

Tipp für Verbraucher: Säcke vorsichtig füllen und nicht ganz voll machen

Bei dieser Menge wird die wohl nur per Mikroskop sichtbare Dickendifferenz relevant: Bei 22 µm statt 20,7 µm macht der Unterschied rund 88 000 Säcke aus – der Drei-Wochen-Verbrauch des Landkreises. Ob es eine Kostenfrage ist oder die Schwindsucht der Gelben Säcke andere Gründe hat, vermag der AWISTA nicht zu beurteilen. Roth wartet nun auf eine Antwort vom DSD, will in der Sack-Frage aber nicht nachgeben. Man habe eine Dicke bestellt, und die wolle man auch haben. Eine Rückrufaktion für bereits ausgegebene Rollen schließt er aus. Schließlich sei die Frage, was man mit denen anfangen sollte. 

„Wir brauchen die stärken Säcke, damit der Bürger nicht vor dem Abfuhrtag erstmal den Wetterbericht prüfen muss“, meinte der Landrat. Dass die Säcke dieses Jahres leicht reißen, hat er bei sich zu Hause auch schon festgestellt. Der beste Tipp für Verbraucher bleibt, die Säcke vorsichtig zu füllen und nicht ganz voll zu machen. Nachschub gibt es ja kostenlos bei Gemeinden, Landratsamt, AWISTA und anderen.

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