Start ins Berufsleben: 384 neue Auszubildende in Handwerk und IHK-Berufen haben heute ihren ersten Berufstag in den Betrieben des Landkreises.
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Start ins Berufsleben: 384 neue Auszubildende in Handwerk und IHK-Berufen haben heute ihren ersten Berufstag in den Betrieben des Landkreises.

Nur Handwerk positiv gestimmt

Durch Corona erschwert Azubis gefunden: Gemischte Bilanz zum Ausbildungsstart

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Heute beginnt für hunderte Jugendliche im Landkreis ein neuer Lebensabschnitt: die Berufsausbildung. Während in manchen Bereichen trotz Corona-Krise die Zahl der Neuanfänger nahezu ungebrochen ist, verzeichnen andere einen klaren Rückgang bei den Vertragsabschlüssen.

Landkreis – Ein Handwerk zu erlernen gilt nicht erst seit Corona als krisensicherer Start in die berufliche Laufbahn. Doch die potenziellen Auszubildenden rechtzeitig vorab zu erreichen, das war heuer für Ausbildungsbetriebe weitaus schwieriger als in den Vorjahren: Wie mit einander in Kontakt treten angesichts von Kontaktbeschränkungen durch die Pandemie und den Wegfall von Infoveranstaltungen zur Berufsorientierung? Viele Betriebe und Ausbildungsplatzsuchende mussten sich umorientieren und führten beispielsweise Vorstellungsgespräche per Online-Meeting.

Auch Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder hat den letzten seiner heuer fünf Auszubildenden – ein kleiner Rekord für den Pöckinger Zimmereibetrieb – über die sozialen Netzwerke gefunden. Erst hatte Gansneder seine Frau belächelt, die die Stellenausschreibung auf Instagram veröffentlichte. Mittlerweile ist er überzeugt: „Man darf das nicht unterschätzen.“ Im Landratsamt setzt man hingegen mehr auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Manche der elf neuen Azubis in der Behörde kannten bereits jemanden, der sich dort hat ausbilden lassen.

Fast so viele Azubis im Handwerk wie im Vorjahr

Das Handwerk im Landkreis startet heuer mit 153 neuen Auszubildenden in das Lehrjahr. Zum Vergleich: 2019 registrierte die Handwerkskammer zum gleichen Zeitpunkt mit 159 neuen Ausbildungsverhältnissen fast genauso viele. Von der Krise spüre man nicht allzu viel, heißt es. Das Baugewerbe etwa verzeichne derzeit „eher mehr als weniger Aufträge“, was Gansneder unter anderem darauf zurückführt, dass die Leute mehr Zeit daheim verbringen und es sich dort schön machen wollten. „Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz im Handwerk stehen trotz Corona-Krise gut“, betont der Kreishandwerksmeister.

Rückgang bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in IHK-Berufen

Nicht ganz so rosig sieht es im Bereich von Industrie, Handel und Dienstleistungen aus. In den IHK-Berufen beginnen heute 231 junge Leute ihre Ausbildung. Laut einer ersten Zwischenbilanz der IHK für München und Oberbayern ist die Zahl der neuen Azubis in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent zurückgegangen. „Die Auswirkungen der Corona-Krise, vor allem der Stillstand in den Unternehmen während des Lockdowns, sind im Ausbildungsbereich deutlich zu spüren. Viele Vertragsabschlüsse haben sich verzögert oder kommen erst jetzt nach der Sommerpause zustande“, sagt der stellvertretende Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Starnberg, Ingo Schwarz.

Auch nachträgliche Bewerbungen noch möglich

Der beliebteste Ausbildungsberuf im Handwerk ist in diesem Jahr wieder Kraftfahrzeugmechatroniker, gefolgt von Zimmerer und Elektroniker. In den IHK-Berufen liegen Industriekaufleute, Verkäufer sowie Kaufleute im Einzelhandel vorne.

Laut Arbeitsagentur sind derzeit noch 242 Ausbildungsplätze im Landkreis unbesetzt, darunter auch Lehrstellen im Handwerk und in den freien Berufen. Diesen Stellen stehen 128 als unversorgt gemeldete Bewerber gegenüber (Stand: Juli 2020). „Zahlreiche Betriebe suchen weiterhin händeringend nach Azubis, weswegen wir noch bis Ende Oktober mit vielen Neuverträgen rechnen“, sagt Schwarz. Denn ein späterer Start in die Ausbildung ist in Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb möglich, weiß auch Kreishandwerksmeister Gansneder. „Die Zeit ist noch nicht abgelaufen.“ Der Unterrichtsstoff aus den ersten paar Wochen in der Berufsschule sei durchaus nachzuholen.

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