Die Bayernligamannschaft der SpVgg Starnberg trainierte Gerd Ritzer in der Saison 1989, ehe er am 29. April 1990 entlassen wurde. 
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Die Bayernligamannschaft der SpVgg Starnberg trainierte Gerd Ritzer in der Saison 1989, ehe er am 29. April 1990 entlassen wurde. 

Fußball

Gerd Ritzer, der Doppel-Aufsteiger der SpVgg Starnberg

Was macht eigentlich mittlerweile Gerd Ritzer, der ehemalige Trainer der SpVgg Starnberg, die er 1989 in die Bayernliga führte. Dem Fußball ist der heute 71-Jährige noch immer treu.

Starnberg – Diesem Mann ist Einmaliges gelungen: Gerd Ritzer, der gebürtige Mittelfranke aus Herrieden, ist der Einzige, der mit der ehemaligen SpVgg Starnberg erst als Spieler und später als Trainer den Aufstieg in eine Top-Amateur-Liga schaffte und damit zweimal für den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte sorgte. Am 14. Juni 1975 stieg Ritzer als Spieler in die Landesliga auf, am 3. Juni 1989 führte der Vermessungsingenieur aus Garmisch-Partenkirchen die Mannschaft um Kapitän Franz Wiesheu als Coach in die Bayernliga.

Dem Fußball ist der 71-Jährige bis heute verbunden geblieben. Er trainiert aktuell die D1-Jugend seines Heimatvereins 1. FC Garmisch-Partenkirchen. „Ich hoffe, dass wir nach den Pfingstferien wieder anfangen können. Die lange Pause war eine absolute Katastrophe. Dadurch gehen uns zwei Jahrgänge ab, die Kinder hatten keinen Schulsport, und wir wissen nicht, wer überhaupt noch zum Training kommt. Es geht wieder bei Null los“, klagt er.

Gerd Ritzer wollte Fußballprofi werden

Rückblick in die Anfänge von Ritzers Laufbahn: 1972 holte Manager Horst Manger (im Dezember 2018 verstorben), der drei Jahre später sein Trauzeuge wurde, den 22-jährigen Garmischer Goalgetter zum Bezirksligisten Starnberg. Das große Ziel: der Aufstieg in die Landesliga. „Die Infrastruktur war der Wahnsinn. Wir hatten unterirdische Trainingsmöglichkeiten auf einer landwirtschaftlichen Wiese in Hanfeld, dafür aber eine Top-Mannschaft um Spielertrainer Werner Anzill, Theo Mayer und Toni Plattner. Und echte, seriöse Funktionäre. Während Leute wie Jochen Kress, Rainer Wunderlich oder Michael Conradt später letztlich nur Selbstdarsteller waren“, erinnert sich der Mann, der schon als A-Jugendlicher für die SpVgg Ansbach in der Landesliga und danach ein Jahr bei den Amateuren des 1. FC Nürnberg spielte. „Mein großes Ziel war es, Profi zu werden. Doch da kamen mir die Bundeswehr und mein Vater dazwischen, der das nicht wollte.“

In Starnberg dauerte es drei Jahre, bis die SpVgg schließlich unter Trainer-Legende Kurt Schwarzhuber den Sprung in die Landesliga schaffte: „Wir waren immer vorne mit dabei, kamen aber aus der Bezirksliga nicht raus.“ Bis zu jenem 14. Juni 1875. Da gewann die SpVgg vor 3500 Zuschauern in Olching das Aufstiegsspiel gegen den ASV Dachau mit 1:0 – durch ein Kopfballtor von Hans Trapp nach einer Ritzer-Ecke.

Erste Trainerstation SV Reutte in Tirol

1977 dann der Wechsel zu Wacker München. Ritzer: „Ich habe zu Manger gesagt: Ich bin jetzt 27, mir läuft die Zeit davon, da ich unbedingt in der Bayernliga spielen will.“ Das tat der klassische Halbstürmer dann vier Jahre bei den „Blausternen“. Er machte die Trainer-B- und die A-Lizenz und nahm 1981 das Angebot des SV Reutte an, bei dem er als Spielertrainer in der Tiroler Landesliga auflief. „Eine sehr interessante Aufgabe. Ich habe heute noch Kontakt nach Reutte.“ Danach eine Saison Spielertrainer in Murnau und je zwei Spielzeiten Coach in Peißenberg und Penzberg.

1987 dann das Comeback in Starnberg. Da löste Co-Trainer Ritzer im Herbst Emanuel von Soden und ein Jahr später Thomas Zander als Cheftrainer ab. 1989 wurde zum erfolgreichsten Jahr in der Karriere des Garmischers – trotz nach wie vor schlechter Infrastruktur. „Wir haben in der Angerweide auf einem Hartplatz trainiert, der eigentlich ein Parkplatz war. Und ich war ganz auf mich allein gestellt, hatte weder einen Co- noch einen Torwarttrainer. Damals hätten wir einen Mann wie Rudi Hack gebraucht, der sich um alles kümmert.“

Heute lebt Gerd Ritzer mit seiner Frau Kunigunde in Garmisch, wo er die D1 des 1. FC Garmisch-Partenkirchen betreut.

Trotzdem gelang im Juni nach einem 4:1 am letzten Spieltag gegen den FSV München der Sprung in die Bayernliga, damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. Gefeiert wurde in einem Festzelt, das Präsident Kress schon mal aufbauen ließ, bevor der Aufstieg überhaupt feststand. Ritzer: „Die Mannschaft um die Achse Wiesheu, Jürgen Täuber und Peter Weiser war so gut, wir mussten einfach aufsteigen.“ Sie war so gut, dass sie am 3. Oktober in der Bayernliga sogar Tabellenführer 1860 im Grünwalder Stadion durch ein Weiser-Tor kurz vor Schluss mit 1:0 besiegte.

Letzte Starnberger Trainerstation: die B-Jugend der FT 09

Dass Verdienste von einst im Fußball nichts wert sind, erfuhr der Aufstiegsheld dann am 29. April 1990: Da wurde er nach dem 1:3 beim MTV Ingolstadt, der fünften Niederlage am Stück (vier davon auswärts), zwei Spieltage vor Saisonende von Manager Frank Fleschenberg entlassen. Die SpVgg stieg trotzdem ab. Und Ritzer heuerte nach einer kurzen Enttäuschungspause im Sommer beim Lokalrivalen an. Hack, sein früherer Mitspieler Hannes Salberg und Jugendleiter Günter Gruber holten ihn als Trainer der Bayernliga-B-Jugend zur FT. „Das habe ich zwei Jahre gemacht. Eine tolle Zeit. Danach habe ich noch Garmisch in der Landesliga trainiert und ab 1998 eine Fußball-Pause eingelegt.“

Ritzer wurde Golflehrer, engagierte sich in der Vorstandschaft des GC Garmisch, wo er immer noch in der ewigen „Hole-in-One-Liste“ zu finden ist. Doch er erkannte im Lauf der Jahre: „Ich bin Fußballer, Golf ist mir zu wenig.“ Er blieb zwar Mitglied im GC („Ich spiele aber nicht mehr“) und widmete sich wieder dem Fußball-Nachwuchs. Zwei Jahre war er Jugend-Spielleiter des Bayerischen Fußballverbands im Kreis Zugspitze, außerdem sechs Jahre Jugendleiter beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Mittlerweile ist der Starnberger Doppel-Aufsteiger, der zwischenzeitlich drei Mannschaften gleichzeitig trainiert hatte, ausschließlich D1-Trainer, zudem im achten Jahr ehrenamtlicher Jugend-Schöffe am Landgericht München II.

Ritzer ist seit drei Jahren im (Un)-Ruhestand und lebt wie schon zur SpVgg-Zeit mit seiner Frau Kunigunde, die wie er aus Franken stammt, in Garmisch. Er fährt viel Fahrrad und schwitzt im Fitnessstudio. Sein Wunsch für die Zeit nach der Pandemie: „Ich würde gerne die Jungs, mit denen ich in Starnberg zusammengespielt und die ich trainiert habe, wiedersehen.“

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