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Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

Fliegende Untertassen in Starnberg

Gastronomische Teamarbeit sieht anders aus. Vorigen Juli holte der Koch eines Starnberger Lokals zur saftigen Ohrfeige aus – die geschockte Bedienung ließ daraufhin Teller fliegen.

Vor dem Richter musste jetzt lediglich die 42-jährige Bedienung den Kopf hinhalten, denn der aggressive Koch ist aufgrund seines Umzuges nach Japan derzeit unauffindbar. Im Zuge ihres Prozesses wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung hatte die 42-jährige Starnbergerin die Sympathien des Gerichtes auf ihrer Seite. Richterin Christine Conrad wertete die Wurfaktion der geschlagenen Kellnerin als Notwehrhandlung und ebnete damit den Weg zum Freispruch.

„Er hat mich immer beschimpft“, so die Angeklagte zu den schwelenden Zwistigkeiten mit dem Koch. Mitte Juli packte den Koch die Wut und er schlug der 42-Jährigen mit voller Wucht auf Wange und Ohr. Bis heute leidet die Starnbergerin unter Hörverlust und Tinnitus. Als die entsetzte Bedienung um Hilfe schrie, drohte die Situation vollends zu eskalieren. „Er hat sich zu mir umgedreht mit dem Messer in der Hand. Ich dachte, er bringt mich um – ich hatte Angst um mein Leben.“ In nackter Panik griff die Kellnerin zu kleinen Kaffeetassen-Untertellern und warf diese in Richtung Koch.

Getroffen wurde ihr Peiniger allerdings nicht. Lediglich der Beikoch, der mit Bratpfanne in der Hand versuchte, den Wüterich fest- und von der Bedienung fernzuhalten, bekam einen Teller an den Hinterkopf.

Schützenhilfe bekam die Angeklagte im Prozess somit ausgerechnet vom geschädigten Beikoch, der auch im Gerichtssaal voll zu seiner Kollegin hielt: „Der Koch hatte immer etwas gegen die Angeklagte. Sie hat angefangen, die Teller zu werfen, weil sie Angst hatte. Auch ich bekam Angst, weil er das Messer in der Hand hatte.“ Mit Rechtsmitteln der Staatsanwaltschaft kann trotz Freispruch gerechnet werden. Zwar konnte Richterin Conrad die Gretchenfrage Notwehr nach der Zeugenbefragung durchaus bejahen. In den Augen der Staatsanwaltschaft sei die Notwehrlage indes bereits abgeschlossen gewesen, als die Teller flogen. „Da wurde der Koch schon vom Beikoch festgehalten“, so die Staatsanwältin, die eine Geldstrafe beantragt hatte.   Von Nilda Höhlein

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