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Großfeuer auf dem Wasser: Die Feuerwehren hatten im August 2012 mit einem brennenden Elektroboot zu kämpfen. Schaden: rund 200 000 Euro. Erst nach fünf Jahren steht die Ursache fest.

Gerichtsstreit um Bootsbrand

Pfusch am Schutzschalter

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Fast fünf Jahre nach einem Bootsbrand in Percha steht fest: Die Ursache war nicht technischer Natur, sondern Pfusch an einem Ladegerät.

Starnberg – Dicker Rauch stieg am 27. August 2012 über der Werft in Percha auf. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Der Grund: Ein Elektroboot brannte lichterloh, bis nur noch ein Wrack übrig war. Gott sei Dank passierte niemandem etwas. Zurück blieb aber ein Schaden von mehr als 200 000 Euro – rund 194 000 Euro für den Totalschaden am Boot, der Rest für Schäden im Hafen. Und die Frage: Wer ist schuld an dem Brand? Seither klagt die Versicherung, die den Schaden bezahlt hatte, gegen die Herstellerfirma aus Österreich. Nun wird der fast fünfjährige Rechtsstreit zu Ende gehen.

Das Boot gehörte einer Unternehmerfamilie aus Hessen, die gerne am Starnberger See urlaubt – und dann mit dem Elektroboot übers Wasser glitt. Bis zu jenem 27. August, als das Boot während des Ladevorgangs des Akkus in Brand geriet. Deshalb ging die Versicherung davon aus, dass ein Produktionsfehler vorgelegen habe. Zwei Privatgutachter wurden eingeschaltet. Einer kam zu keiner konkreten Schadensursache, ein zweiter zum Ergebnis, dass ein Lichtbogen einen Kurzschluss verursacht habe.

Beide Gutachten waren nicht aufschlussreich genug. Deshalb schaltete das Gericht einen eigenen Sachverständigen ein. Und der konnte nun tatsächlich eine Lösung des Rätsels präsentieren, die er gestern vor dem Landgericht München II vortrug.

Rainer Klotz (51), Sachverständiger für Sportboote, Kraftfahrzeuge und technische Anlagen, machte sich mehr Mühe als seine Vorgänger. Er organisierte 2014 einen Ortstermin in Starnberg. „Ich habe selbst das Boot in Augenschein genommen, inklusive der Umfeldbedingungen, wie es zu einem ordentlichen Gutachten gehört.“

Gutachter: Laienhafte Umverdrahtung

Vor Ort nahm er auch die Sicherheitsabschaltbox (FI-Box) und die elektronische Überwachung der Langstromeinspeisung unter die Lupe. Dabei bemerkte er, dass diese Boxen zwar von der Hitze des Brandes verformt, aber von keinem Ermittler geöffnet worden waren. Er brach sie auf. Mit erstaunlichem Ergebnis: Die Schutzabschaltung war gefährlich manipuliert worden. Er fand Umverdrahtungen, die den FI-Schalter komplett lahmgelegt hatten. Von den übrigen Schutzabschaltungsmechanismen war ein Teil durch Abkleben funktionslos gemacht. „Die Umverdrahtungen wurden unfachmännisch und laienhaft vorgenommen“, sagte der Gutachter. Da wurden Teile schlecht gelötet, abgezwickt, mit Tesa-Film abgeklebt. Als es beim Laden des Akkus zu Problemen kam, reagierte der Schutzschalter nicht. Es wurde unkontrolliert weiter mit starkem Strom geladen, bis der Akku überladen war und sich auf 600 bis 800 Grad erhitzte. „Es kam zum Super-GAU.“

Wer an den Schaltern herumgepfuscht hat, bleibt wohl weiter offen. Die Herstellerfirma dürfte allerdings keine Schuld treffen. Richter Benjamin Kertai wird sein Urteil am 26. Juli verkünden. 

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