Die ersten Züge im Wasser: Darauf warten viele Kinder seit Beginn der Pandemie.
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Die ersten Züge im Wasser: Darauf warten viele Kinder seit Beginn der Pandemie.

Große Sorgen vorm Untergehen

Geschlossene Hallenbäder, lange Wartelisten: Wie Corona Schwimmkurse ausbremst

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Der Sommer steht bevor – und viele Kinder können nicht schwimmen. Die Wartelisten der wenigen Anbieter in der Region sind lang. Und so lange die Hallenbäder nicht wieder öffnen, verschärft sich die Lage noch weiter.

Landkreis – Wie groß die Sorge bei Eltern ist, dass ihr Kind nicht oder nicht rechtzeitig schwimmen lernt, zeigt ein Beispiel aus Dießen. Eine Mutter meldete ihr erst 15 Monate altes Kind dort bei der privaten Schwimmschule „Schwidie“ an – weit vorausschauend für das Jahr 2024. Das erzählt Schwidie-Mitbetreiberin Anke von Butler. Und sie sagt: „Niemand hat wirklich ein Auge auf das Thema, auch die Politik nicht.“ Sie befürchtet, dass die Wasserwacht in diesem Sommer mehr Einsätze als sonst hat – wegen der vielen jungen Nicht-Schwimmer.

Eine Umfrage bei den wenigen Schwimmkurs-Anbietern im Fünfseenland zeigt: Die Wartelisten sind erschreckend lang. Viele Kinder warten seit Pandemiebeginn auf einen Platz. „Wir mussten im vergangenen Jahr 100 Kindern absagen“, berichtet Julia Volks, die die Kurse bei der Wasserwacht organisiert. Sie erinnert sich noch gut an den letzten Kurs im März 2020 – weil sie ihn nach fünf von zehn Einheiten abbrechen musste. Auch die Aktion „Schwimm Dich Stark“ des BRK, die Kindern aus einkommensschwachen Familien kostenlose Kurse bietet, steht still. Und die Nachfrage im Landkreis sei generell groß, sagt Volks: „Unsere Bücher sind seit Jahren gut gefüllt.“

Das Starnberger Seebad wurde im März 2020 coronabedingt geschlossen

Das Starnberger Seebad wurde im März 2020 coronabedingt geschlossen. Nicht nur die Wasserwacht, sondern auch die städtischen Schwimmmeister konnten dort seither nicht mehr mit Anfängern üben. Eine Warteliste führen sie nicht, dies sei „nicht zielführend“, schreibt Marie Babst von der Pressestelle auf Nachfrage. Und die ausgefallenen Kurse könnten „sowohl personell als auch zeitlich bedingt nicht nachgeholt werden“. Allerdings sei ein neues Kursprogramm geplant, das mithilfe von externen Honorarkräften breiter aufgestellt sein werde als das bisherige. Die Kurse sollen online buchbar sein.

Von einem „Riesen-Andrang“ spricht Steffen Pilz, Schwimmlehrer im Gautinger Sommerbad. Bisher sei es noch zu kalt gewesen, aber demnächst wolle er mit Sechsergruppen starten. Rund 50 Anmeldungen habe er alleine bis 11. Juni. Diese Woche gab Pilz drei Kindern einen Privatkurs. Ihm gehe es vor allem darum, Sicherheit zu vermitteln – „damit sie nicht in Schockstarre verfallen, wenn sie reingeschubst werden“.

Schwimmlehrerin: „Es fehlt ein ganzer Jahrgang. Wir müssen was tun“

Die Dießener Schwimmschule „Schwidie“ notierte bis April dieses Jahres 120 Anfragen und kam dann zum Schluss: „Es fehlt ein ganzer Jahrgang. Wir müssen was tun“, sagt Anke von Butler. Deshalb bietet sie mit ihrer Kollegin nun Einzelunterricht an, der deshalb etwas teurer ist, für den Eltern ihren Nachwuchs aber schon mal 45 Minuten ins Auto setzen. Den großen Berg an Anfragen abzuarbeiten, wird lange dauern. Damit ihre Schützlinge schnell und effizient lernen, gibt sie ihnen Hausaufgaben auf. Sie trainieren Bewegungsabläufe im Trockenen. Die Eltern seien gefordert mitzuhelfen, sagt von Butler. „So lange die Kinder nicht schwimmen können, ist baden gehen blanker Stress.“ Um die große Nachfrage zumindest etwas mehr zu stillen, hat von Butler eine Idee: „Der eine oder andere könnte seinen Privatpool zur Verfügung stellen.“

Landrat Stefan Frey hatte bei der Bayerischen Staatsregierung zuletzt unter anderem die Erlaubnis beantragt, die Hallenbäder insbesondere für den Schulsport öffnen zu dürfen (siehe „Corona-Lage“). Eine Antwort steht noch aus. Das Starnberger Seebad, neben dem Pöckinger das einzige Hallenbad im Landkreis, ist in Sachen Unterricht gefragt. Zehn Schulen und bis zu zehn Vereine nutzten die Becken vor Corona laut Stadt regelmäßig.

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