+
Wem gehört Gestüt Isarland? Ehepaar Rothenfußer hat Gebäude und 42 Hektar Flächen nun knapp vier Jahre lang bewirtschaftet, während der Fall vor Gerichten verhandelt wurde. Das OLG spricht das Gestüt nun Andreas Wunderlich zu – die Auseinandersetzung geht weiter. 

Oberlandesgericht hat entschieden

Neuer Besitzer für Gestüt Isarland

  • schließen

Das OLG hat Andreas Wunderlich Gestüt Isarland zugeschrieben. Das Ehepaar Rothenfußer möchte in dem jahrelangen Streit nicht aufgeben. Der Fall landet womöglich vor dem Bundesverfassungsgericht.

Percha – Alinde Rothenfußer aus Icking fühlt sich ein bisschen wie Michael Kohlhaas. Dem Pferdehändler werden in Heinrich von Kleists Novelle aus Willkür zwei seiner Tiere beschlagnahmt. Auf der Suche nach Gerechtigkeit geht er durch alle gerichtlichen Instanzen. „Er erinnert mich an uns“, sagt die bisherige Besitzerin von Gestüt Isarland. Gerade hat das Oberlandesgericht (OLG) München geurteilt, dass Rothenfußer das Gestüt nicht zusteht. Es folgt damit der Sichtweise von Landratsamt und Landwirtschaftsgericht (siehe Kasten). Nachdem Alinde Rothenfußer und ihr Mann Walter das Gestüt fast vier Jahre lang betrieben haben, müssen sie nun gehen – es wurde Pferdehof-Betreiber Andreas Wunderlich zugeschrieben, der ihren Platz nun einnimmt.

Vorkaufsrecht für Landwirte geltend gemacht

„Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit“, sagt Alinde Rothenfußer. „Wir hatten große Hoffnung in diese Verhandlung gelegt.“ Der ausschlaggebende Punkt: Das OLG sieht in Walter Rothenfußer keinen Landwirt, in Andreas Wunderlich dagegen schon. Letzterer bekundete ebenfalls Interesse an dem 42 Hektar großen Gestüt. Die BBV-Landsiedlung machte für ihn daher ein Vorkaufsrecht für Landwirte geltend.

Seit Jahren geht es vor Gerichten um die Frage: Wer ist Landwirt? Andreas Wunderlich betreibt bei Percha einen Pferdehof. Walter Rothenfußer sagt: „Das waren bisher die Argumente des Landratsamts und der Gerichte, damit er das Vorkaufsrecht geltend machen kann. Pferdepension ist aber keine Landwirtschaft.“ Das OLG sei einem anderen Ansatz gefolgt – demnach handelt es sich bei Wunderlich um einen Züchter. „2016 schafft er sich neun Rinder an – und plötzlich ist er Züchter“, kritisiert Walter Rothenfußer.

Halb Augenarzt - halb Landwirt

Das sieht Wunderlich anders. „Ich habe seit 2000 immer wieder Schafe und Rinder gehalten und halte auch aktuell welche.“ Seit 2012/13 habe er wieder Angus-Rinder. „Wir haben den Bestand dann erhöht, weil wir in dieser Richtung was machen wollen.“ Auf Gestüt Isarland möchte er Pensionsrinder halten.

Rothenfußer sieht sich als Landwirt, weil er den nötigen Fach-Kurs abgelegt hat – allerdings ein halbes Jahr nach dem Kauf – und seit 2012 zur Hälfte als Augenarzt und zur Hälfte als Landwirt arbeite. Seine Frau sagt: „Wunderlich ist Spekulant. So geht unsere Landwirtschaft kaputt.“ Die Künstlerin erklärt: „Wenn ein normaler Bauer gekommen wäre, der seinen Grund aufstocken muss, hätten wir gesagt: Hut ab, das ist sein gutes Recht.“ Als genau solchen Landwirt sieht sich aber Wunderlich, der betont: „Das ist höchstrichterlich bestätigt. Sie haben jetzt drei Mal vor Gericht verloren und behaupten nun alles.“

Fall für Bundesverfassungsgericht?

Für ihn sei das Gestüt „mehr als wichtig“, sagt Wunderlich. 25 bis 30 Hektar Eigenfläche habe er. Wichtige Pachtflächen seien ihm gekündigt worden. Rothenfußers vermuten hingegen, Wunderlich wolle Flächen von Gestüt Isarland mit Gewinn weiterverkaufen. Das bezeichnet Wunderlich als „Quatsch“, es gebe außerdem keine anderen Investoren außer der Bank für das Projekt.

Rothenfußers wollen die Entscheidung des OLG nicht akzeptieren und hoffen, dass der Fall für das Bundesverfassungsgericht zugelassen wird. „Die Seilschaften reichen nicht bis nach Karlsruhe“ sagt Alinde Rothenfußer. Eine weitere Auseinandersetzung vor Gericht würde vor allem weitere Unsicherheit bedeuten. „Dann wird es ewig dauern“, sagt sie. „Und Herr Wunderlich ist in derselben Situation, wie wir es waren.“ Aufgrund der unsicheren Eigentumsverhältnisse investierten Rothenfußers nur in notwendige Erhaltungsmaßnahmen. Die Künstlerin betont: „Wir wollen keine Rache, nur Gerechtigkeit.“

Wunsch: Pferde- und Rinderhaltung

Während sie ihre Pläne von einem Hof für alte Pferde „erst einmal ad acta gelegt“ haben, möchte Wunderlich nun mit Pferde- und Rinderhaltung durchstarten. „Wir werden ziemlich schnell investieren.“ Aufgrund der möglicherweise fortlaufenden gerichten Auseinandersetzung aber nur in die Gebäudepflege. Nur eines steht fest: Rothenfußers wollen das Gestüt ohne Querelen Wunderlich überlassen. Der darf es von nun an betreiben – womöglich aber in ebenso großer Unsicherheit, wie es Rothenfußers jahrelang taten.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Happy End für die Anwohner
Dass Recht und Gerechtigkeit nicht unbedingt dasselbe sein müssen, haben die Anwohner der Alten Traubinger Straße in den vergangenen Monaten erlebt. Doch nun zeichnet …
Happy End für die Anwohner
Der Dinosaurier und die Frau für alle Fälle
Bürgermeister Rainer Schnitzler ehrte gestern zwei Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, weil sie ganz besondere Dienstjubiläen feierten.
Der Dinosaurier und die Frau für alle Fälle
Eröffnung des Wasserparks verzögert sich
Der Starnberger Wasserpark wird mehrere Wochen später fertig als geplant. Vor März kommenden Jahres ist nicht mit einer Eröffnung zu rechnen. Grund sind das Dach und die …
Eröffnung des Wasserparks verzögert sich
Gesucht: Der erste Verwaltungsleiter Starnbergs
Verwaltungsleiter sollen Pfarrer entlasten - nun suchen die Pfarreiengemeinschaften Ammersee-Ost, Seefeld/Wörthsee und Weßling einen.
Gesucht: Der erste Verwaltungsleiter Starnbergs

Kommentare