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Blitzeinschlag im Starnberger See: Wasserretter empfehlen dringend, bei aufkommenden Gewittern das Wasser umgehend zu verlassen. Sturmwetterleuchten warnen im Voraus.

Gewitter im Landkreis

Unwetterwarnung: Das ist der aktuelle Stand

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Gefühlt gibt es immer mehr Gewitter im Fünfseenland – in der Realität ist das aber nicht der Fall, sagt der Deutsche Wetterdienst. Für Dienstag warnt der DWD aber vor Unwettern.

  • Der Deutsche Wetterdienst warnt im Landkreis Starnberg vor Unwetter und schwerem Gewitter
  • Die Anzahl der Gewitter nimmt laut DWD nicht zu
  • Wasserretter sind auf den Seen in Alarmbereitschaft, wenn Gewitter aufziehen

Landkreis –  Die meisten Gewitter sind am Abend am Landkreis vorbeigezogen, dafür gab es Wetterleuchten ohne Ende. Bis 1 Uhr gilt eine rote Warnung für den südwestlichen Landkreis sowie Starnberg, die Mitte  ist orange. Das heißt: Im Süden Starkregen, Sturm bis Windstärke 7 und möglicherweise Hagel; orange bedeutet: Es ist nicht ganz so heftig. In den nächsten Stunden ziehen Zellen mit starkem Niederschlag, teilweise Hagel, von Südwesten auf Herrsching zu und dann weiter über Seefeld Richtung Gilching. Hagel gab es auch am Südende des Starnberger Sees. Hinter diesen Gewittern ziehen weitere heran auf einer ähnlichen Route. Es wird also bis in die früheren Morgenstunden blitzen und donnern, die Unwetterwarnungen dürften verlängert werden. 

Es kann noch bis in den Morgen krachen, denn: Die Warnung ist auf den Zeitraum von Dienstag, 12 Uhr, bis Mittwoch, 2 Uhr, begrenzt. Der Deutsche Wetterdienst warnt in dieser Zeit im Landkreis Starnberg vor Unwetter und schwerem Gewitter. Der DWD schreibt dazu: „Am heutigen Dienstag entwickeln sich ab den Mittagsstunden zum Teil schwere Gewitter. Es besteht erhöhte Unwettergefahr vor allem durch heftigen Starkregen (bis 40 l/qm pro Stunde). Auch größerer Hagel (2 bis 4 cm), Hagelansammlungen und Böen bis Sturmstärke (Bft 9) können auftreten. Punktuell kann es durch langsam ziehende Gewitterzellen auch zu Regenmengen von 60 bis 70 l/qm oder mehr in kurzer Zeit kommen. Die Gewitter halten bis in die Nacht zum Mittwoch an, schwächen sich jedoch zunehmend ab.“

Zur Gewitter-Thematik hat der Starnberger Merkur einen Artikel veröffentlicht:

Der Surfer wollte sich von den Wasserrettern nicht überzeugen lassen, an Land zu gehen. Später ist das Gewitter direkt über dem Pilsensee, Blitze schlagen im Wasser ein. Ein Notruf geht ein, die Wasserwacht soll den Surfer an Land bringen. Der Bootsführer entscheidet aber, nicht zu fahren – aus Sicherheitsgründen. An dieses Ereignis vor einigen Jahren erinnert sich Christian Schlosser nur ungern. Der stellvertretende Vorsitzende der Kreiswasserwacht steht mit seinen Kollegen immer wieder vor solchen Gewissensentscheidungen. Bis zu 20 Einsätze pro Sommersaison gebe es wegen Gewittern, sagt Schlosser. Am heutigen Dienstag kann es laut Unwetterzentrale zwischen 12 und 4 Uhr Gewitter, Extremregen und Sturmböen geben. Und in den Tagen bis zum Wochenende auch.

Warnleuchten am Ammersee, Starnberger See und Wörthsee

„Jedes Gewitter ist eine Gefahr“, sagt Schlosser. Manche unterschätzen das Thema. Die denken, es kommt nicht so schnell. Meistens kommt es aber schnell.“ Das Problem: „Der Schwimmer oder das Boot sind dann der höchste Punkt am See – und einen Blitzableiter gibt es nicht.“ Das gelte natürlich auch für die eigenen Boote, weshalb die Rettungsmannschaft bei Gewittern jeden Einsatz abwägt. Zieht ein Gewitter auf, warnen die Retter Schwimmer und Bootsführer vor und bieten bei Bedarf an, sie mit an Land zu nehmen. „Dann kann man umsonst Motorboot fahren“, scherzt Schlosser. „Das ist uns lieber, als wenn wir 15 Minuten später ausrücken müssen.“ 

Am Ammersee, Starnberger See und Wörthsee gebe es aber auch Sturmwetterleuchten am Ufer. Bei einer Vorwarnung leuchten sie 45 Mal pro Minute, bei einer Sturmwarnung doppelt so häufig. Doch die Leuchten würden viele Bootsführer nicht wahrnehmen, sagt Schlosser. „Die meisten sind überrascht, wenn wir sie ansprechen.“ Sollte ein Bootsführer in Not geraten und nicht mehr rechtzeitig an Land kommen, rate er, den Notruf 112 zu wählen. Schwimmer sollten auf sich aufmerksam machen, so dass Menschen im Uferbereich die Rettung alarmieren können.

„Früher die Ausnahme, heute ist es Standard“

Wie man sich bei einem aufziehendem Gewitter auf dem See verhalten soll, lässt sich auf eine Grundregel reduzieren, sagt DLRG-Chef Walter Kohlenz: „Es ist angesagt, sich nicht auf, in oder neben der Wasseroberfläche aufzuhalten.“ Das Gros der Menschen sei einsichtig. „Aber die Uneinsichtigen gefährden unsere Leute. Ein Blitz ist schlicht nicht kalkulierbar. Bei Wind und Wetter können geübte Bootsführer noch auf dem See sein.“ Weil das Risiko bei Gewittern zu hoch ist, würden die Wasserretter bei Sachbergungen nicht ausrücken.

Die Gewitter werden immer stärken, sagen Schlosser und Kohlenz. „Die Frequenz und die Heftigkeit steigen offensichtlich“, sagt der DLRG-Chef. „Gewitter und heftiger Starkregen waren früher die Ausnahme, heute ist es Standard. So viele Sturzfluten wie in den vergangenen fünf Jahren habe ich noch nie erlebt.“

Prognose bis 2100: Starkniederschlagsereignisse nehmen zu

Ein Eindruck, mehr nicht. „Aus der Statistik erkennen wir keine Zunahme der Gewitter“, sagt Gudrun Mühlbacher. Sie leitet das regionale Klimabüro und die Münchner Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) – und hat eine Erklärung, warum die Anzahl der Gewitter in der Wahrnehmung vieler Menschen zunimmt: „Jeder hat ein Handy zur Hand, es wird viel mehr gefilmt als früher.“ Wirklich festzustellen, wie viele Gewitter es exakt gibt, sei schwierig. „Wir haben ein engmaschiges Messnetz, aber Gewitter sind kleinteilig.“ Das sorge auch für Ärger bei den Menschen.

Der DWD sei gesetzlich verpflichtet, vorzuwarnen. Die Warnungen sind landkreisweit. „Wenn dann nichts passiert, regen sich manche Leute auf – aber es kann sein, dass es schon 15 Kilometer weiter blitzt und donnert.“ Der DWD sendet per App auch Warnungen an Menschen, die sich auf den Seen befinden. Auch die vom Kreis unterstützte App NINA warnt vor Gewittern ab einer gewissen Stärke.Manche Regionen seien von Gewittern tendenziell häufiger betroffen. „Das Alpenvorland ist ein beliebtes Gewitterziel“, sagt Mühlbacher.

Die Prognose bis ins Jahr 2100 besagt jedoch, dass Starkniederschlagsereignisse – etwa Gewitter oder Regenschauer – häufiger werden. „Die Sommer werden trockener, das macht Starkregen wahrscheinlicher. Trockene Luft kann mehr Wasser speichern“, erklärt Gudrun Mühlbacher.

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