Mehr als 350 Grabstätten entdeckten die Archäologen bei den Grabungen an der Possenhofener Straße. Die Ergebnisse der Archäologen werden im neuen Band zur Starnberger Stadtgeschichte präsentiert, den (v.l.) Christian Fries, Dr. Christian Later, Patrick Janik und Christoph Aschermann am Dienstagabend präsentierten.
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Mehr als 350 Grabstätten entdeckten die Archäologen bei den Grabungen an der Possenhofener Straße. Die Ergebnisse der Archäologen werden im neuen Band zur Starnberger Stadtgeschichte präsentiert, den (v.l.) Christian Fries, Dr. Christian Later, Patrick Janik und Christoph Aschermann präsentierten.

Elfter Band der Stadtgeschichte Starnbergs

Gotteshaus und Totenacker

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Der elfte Band der Stadtgeschichte dokumentiert das bislang älteste Relikt der Starnberger Siedlungshistorie und bewahrt es damit für kommende Generationen. Das Buch beschreibt auf 470 Seiten die Ausgrabung der ehemaligen Pfarrkirche St. Benedikt an der heutigen Possenhofener Straße.

Starnberg – Als die Arbeiter beim Abriss der früheren Pension Eder beim Museum Starnberger See Mitte der 2000er Jahre auf Reste frühgeschichtlicher Bauten stießen, ahnte niemand von der Bedeutung dieses archäologisch wertvollen Fundes. Professor Mathias Pfeil, Chef des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, sprach am Dienstagabend in der Schlossberghalle bei der Vorstellung des elften Bandes der Starnberger Stadtgeschichte von einer „Erfolgsgeschichte für die Bodendenkmalpflege in Bayern“.

Mit der Freilegung der Überreste von wenigstens drei Kirchen und mehr als 350 Grabstätten auf dem dort angelegten Friedhof sei ein neues Kapitel der Geschichte Starnbergs aufgeschlagen worden, sagte Pfeil. Die Ursprünge der Kirche St. Benedikt ließen sich auf Grund der Grabungsergebnisse bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie setzten damit deutlich früher an als die bisher überlieferten schriftlichen Quellen zur Geschichte Starnbergs.

Pfeil würdigte ausdrücklich die lebhafte Diskussion in der Stadt, wie diese bislang älteste dokumentierte Siedlung Starnbergs erhalten werden könne. „Es ist toll, dass der Stadtrat damals in Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer einen Grundstückstausch erreicht und damit das Gelände in Besitz gebracht hat“, sagte er. „Das ist etwas Besonderes, beispielhaft in Bayern.“ Und an den damaligen Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger gerichtet lobte er: „Das ist eine feine Art im Umgang mit solchen Relikten, diese Funde im Boden für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen.“

Schleier der frühgeschichtlichen Historie ein Stück weit gelüftet

2007 hatten die archäologischen Arbeiten unter Leitung von Dr. Christian Later begonnen. Der Archäologe hatte dem Auftrag der Stadt „spontan zugesagt, nichtsahnend, dass diese Arbeit 13 Jahre seines Lebens bestimmen würde“. Es waren sogenannte Rettungsgrabungen. Dabei werden die freigelegten Relikte penibel dokumentiert und dann wieder mit Erdreich abgedeckt. Die aufgefundenen Gebeine wurden nach Untersuchungen nach modernsten wissenschaftlichen Standards im Friedhof bei der alten Pfarrkirche St. Josef am Schlossberg erneut bestattet.

Mit der Vorstellung des elften Bandes der Stadtgeschichte „endet ein ganzer Lebensabschnitt für mich, in dem ich geheiratet und promoviert habe“, sagte Later. Der Archäologe ist auch federführender Autor des Geschichtsbandes, unterstützt von mehreren weiteren Autoren. Bürgermeister Patrick Janik hatte sich in seinen Begrüßungsworten für den im Vergleich zu den vorherigen Präsentationen der Stadtgeschichtsbände „wenig feierlichen Rahmen“ entschuldigt. Das sei der Corona-Pandemie geschuldet. Er dankte den Beteiligten an den Grabungen und den Autoren des Buches, „die den Schleier der frühgeschichtlichen Historie Starnbergs ein Stück weiter gelüftet haben“.

Band elf ist noch nicht das Ende der Reihe zur Starnberger Stadtgeschichte – oder soll es noch nicht sein. Zwei weitere Folgen sind in Planung, wie die Mitarbeiter des Kulturverlages der Stadt Starnberg, Christian Fries und Christoph Ackermann, verrieten. Allerdings stecken diese Projekte noch in den Kinderschuhen. Lediglich die Themen stehen bereits auf der Agenda: Gebietsreform und Patenschaften. Darum kümmern sich die Altbürgermeister Heribert Thallmair und Ferdinand Pfaffinger.

„Gotteshaus und Totenacker“

ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. Kulturverlag Stadt Starnberg, 29,80 Euro.

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