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Opfer von Sprayern: Hans Linse musste in den vergangenen Monaten mehrfach eine Wand seines Geschäftes an der Wittelsbacherstraße streichen lassen – bis wieder Graffiti dort zu finden sind, dauert es nur Tage.

Graffiti-Unwesen in Starnberg

Alle paar Wochen ein neuer Anstrich

Kaum ist es etwas dunkler, kommen die Sprayer: Der Starnberger Einzelhändler Hans Linse wollte Nachbarn den Schlaf erleichtern und reduzierte die Helligkeit der Beleuchtung – seither hat er häufig mit Graffiti an der Wand seines Geschäftes zu kämpfen. Die Polizei ermittelt.

Starnberg – „Jeder Rote ist ein Hurensohn“ steht in großer, grüner Graffiti-Schrift an der Hauswand des Schuhgeschäfts Linse in Starnberg. Entdeckt worden war das Graffiti am Montag in der Früh (wir berichteten). Es ist das dritte Mal in einem halben Jahr, dass Graffitisprüher – auch Sprayer genannt – die Rückwand des Schuhgeschäfts an der Wittelsbacherstraße mit ihren Parolen und Symbolen beschmiert haben. Kein Wunder also, dass Geschäftsführer Hans Linse (48) sauer ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Starnberger erst vorige Woche Graffiti-Schmierereien an derselben Wand hatte entfernen lassen. Kosten: 1200 bis 1500 Euro. Vor einem halben Jahr war es dasselbe.

Wieso wurde Schuh-Linse in den vergangenen Monaten so oft das Opfer von Graffiti-Attacken? „Bis vor einem halben Jahr war die Rückwand noch heller beleuchtet“, erklärt Linse: „Da konnten die Nachbarn aber nicht so gut schlafen, deswegen benutzen wir jetzt weniger helle LED-Leuchten.“ Die relative Dunkelheit in der schmalen Durchfahrt ziehe wohl das „lichtscheue Gesindel“ an.

Jetzt hat der 48-Jährige genug: Er hat erstmals, seit die Sprüherei angefangen hat, Anzeige erstattet. Motiviert habe ihn die Festnahme eines Sprayers in Starnberg, der sowohl dort als auch in Pasing aktiv gewesen war. Linse überlegt, wie er die Spray-Attacken sonst verhindern kann. Überwachungskameras sind nicht erlaubt, wenn sie öffentlichem Grund filmen. „Vielleicht machen wir die Wand einfach einen Tag lang öffentlich bemalbar“, sagt Linse: „Die Sprayer können dann malen und wir können es kontrollieren.“

So schnell wie möglich übermalen?

Kai Motschmann von der Starnberger Polizei möchte es gerne mit einer anderen Taktik probieren. „Manche Städte kooperieren mit Malern, die das Graffiti innerhalb von 24 Stunden entfernen“, erklärt er. Die Theorie: Wenn das Graffiti schnell entfernt wird, verlieren die Sprayer schnell die Lust, weil ihr Graffiti keine so große Aufmerksamkeit mehr bekommt.

Wer auch immer die Rückwand des Schuhgeschäfts beschmiert hat, hat wohl auch anderorts gesprüht. „An der Mauer am Schlosspark und auf den Parkbänken gibt es ähnliches Graffiti. Auch in Farbe und Schriftbild“, sagt Motschmann. Wenn die Polizei einen Sprayer fasst, dessen Stil man auch an anderen Orten findet, dann folge das Geständnis für das restliche Graffiti meist schnell.

Neben dem Graffiti über die „Roten“ bei Schuh-Linse steht in kleinerer Schrift noch „Banda 1158“, und in meterhohen, blauen Lettern „TSV“ und „ML 1860!“. In der Vergangenheit gab es aber auch anderes Graffiti: „Willi liebt Susi“ etwa. Auch in der Unterführung am Nepomukweg finden sich regelmäßig neue Graffiti.

Trotz des Ärgers ist Geschäftsführer Hans Linse nicht auf eine harte Strafe aus. Man solle dem Sprayer nicht die Zukunft zerstören. „Idealerweise würde er mit einem Eimer und etwas Waschlauge die Wand sauber machen. Dann wäre auch alles vergessen“, sagt Linse. Bis dahin muss er aber erst noch gefasst werden, der lichtscheue Sprayer. Von Carlos Pohle Vazquez

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