Noch auf Lager, aber schon für Patienten reserviert: Angelika Simon und Luitgard Schmid von der Gautinger Friedens-Apotheke haben das rare Gut Grippe-Impfstoff für diese Saison.
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Noch auf Lager, aber schon für Patienten reserviert: Angelika Simon und Luitgard Schmid von der Gautinger Friedens-Apotheke haben das rare Gut Grippe-Impfstoff für diese Saison.

influenza 2020

Grippe-Impfstoff Mangelware: Nachfrage so hoch wie selten

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Mit der kalten Jahreszeit kehrt auch die Influenza zurück. Im Schatten von Corona ist die Nachfrage nach der Grippe-Impfung heuer größer als in den Vorjahren. Es kommt bereits zu Engpässen bei den Impfstoff-Lieferungen, Ärzte und Apotheken bekommen kaum Nachschub.

Landkreis – Mit dem Ansturm auf seine Praxis am vergangenen Samstag hatte Internist und Hausarzt Dr. Wolfgang Linder aus Gilching nicht gerechnet. Er hatte extra an einem Samstag geöffnet, um einen Grippe-Impftag außerhalb der Sprechstunde anzubieten. Von seiner Praxis an der Karolingerstraße standen die Leute wohl bis um die Ecke auf die Römerstraße Schlange. 370 Personen ließen sich an diesem Tag impfen. Für Linder einerseits ein Erfolg. Er plant, das kommendes Jahr wieder so zu organisieren. Doch er sieht auch einen Nachteil. „Wir haben jetzt schon all unseren Impfstoff verpulvert.“ In einem normalen Jahr ließen sich bei Linder über die komplette Grippe-Saison hinweg etwa 380 Menschen gegen das Grippe-Virus impfen, meist hat er selbst im März noch ein paar Impfdosen im Kühlschrank. Heuer ist das anders. Heuer hofft der Mediziner, dass noch Impfstoff nachkommt. Damit steht er nicht allein da.

Auch Dr. Felizitas Leitner aus Weßling sagt: „Wir haben jetzt schon verimpft, was wir sonst in einer ganzen Saison verimpfen.“ Ähnlich ist es bei Dr. Klaus Gröber, dienstältester niedergelassener Arzt im Landkreis mit zwei Praxen in Aufkirchen und Pöcking. Er hat wie Leitner angesichts der sich abzeichnenden Pandemie zur Sicherheit mehr Impfdosen bestellt als in den Vorjahren.

Vorbestellung bereits im Frühjahr

Den Impfstoff müssen die Ärzte bereits im Frühjahr, im Februar und März, über die Apotheken vorbestellen. Welche Menge sie bestellen, ergibt sich aus den Erfahrungen der Vorjahre. Die Apotheken melden den Bedarf an die Hersteller, damit punktgenau produziert wird. Weil die Apotheken in Vorleistung gehen, bleiben sie nur ungern auf Impfdosen sitzen. Da der Impfstoff gekühlt werden muss, sind auch die Lagerkapazitäten begrenzt.

Doch die Corona-Pandemie sorgt heuer für eine deutlich höhere Nachfrage nach der Grippe-Impfung als in früheren Jahren. Empfohlen wird sie für Personen ab dem 60. Lebensjahr, mit chronischen Erkrankungen oder mit Immunschwäche. Nachgefragt werde sie derzeit von allen Altersgruppen, berichtet Leitner. Die gestiegene Nachfrage macht den Apothekern zu schaffen. „Die Liefermöglichkeiten sind ziemlich ausgeschöpft“, sagt Manuela Schuster-Baumann, Inhaberin der Friedens-Apotheke in Gauting. Und die Nachproduktion eines Impfstoffes ist schwierig. „Impfstoffherstellung geht nicht von Jetzt auf Gleich“, erklärt die Apothekerin, „das dauert Monate“. Jede Charge wird einzeln überprüft und zugelassen.

Was jetzt in der Friedens-Apotheke vorhanden ist, „das ist mehr oder minder schon verimpft“ – sprich für Patienten reserviert –, sagt Schuster-Baumann. Ob sie noch Impfstoff bekommt, weiß sie nicht. Sie bleibt aber optimistisch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Nachordern als zusätzliche Herausforderung

So geht es auch Lea Basar, die die Impfstoffbestellungen für die St. Nikolaus-Apotheke und die See-Apotheke in Herrsching koordiniert. „Wir versuchen unser Bestes“, sagt sie. In den beiden Apotheken „rufen auch ganz viele Ärzte an, mit denen wir früher nicht zusammengearbeitet haben“, sagt Basar. Und sie selbst? Sie hängt abends, wenn die Apotheke zu hat, noch am Telefon und telefoniert Pharma-Hersteller ab. Ob und wann wieder Impfstoff geliefert wird, weiß sie nicht. „Man kann ja normalerweise nachordern“, sagt auch Edeltraud Priller, die die Starnberger Olympia-Apotheke betreibt. „Darauf verlässt man sich.“ Einen solchen Engpass hat sie in ihren 16 Jahren als Apothekerin vor Ort noch nie erlebt.

Apotheker raten: Immunsystem stärken

Dem Landratsamt sind diesen Herbst noch keine Grippe-Fälle bekannt geworden, die Saison beginnt jedoch gerade erst. Allen, die sich gerne hätten impfen lassen, wegen des Engpasses jedoch keine Impfung bekommen, raten die Apotheker dazu, das Immunsystem so gut wie möglich zu stärken. Raphael Stefan Felber von der Raphael-Apotheke in Starnberg empfiehlt daher, neben den auch für das Grippe-Virus relevanten AHA-Regeln, also dem Einhalten von Abstand, Hygiene und dem Tragen von Alltagsmasken, auf genug Schlaf und Stressreduktion zu achten. Zudem helfen gesunde Ernährung, frische Luft und Bewegung.

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