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An Grippe erkrankte Menschen füllen derzeit die Aufnahmestationen und Betten der Kliniken.

Grippewelle

Ansturm auf die Kliniken

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Durch die Grippewelle sind einige Kliniken voll ausgelastet. Es gibt deutlich mehr Krankheitsfälle als im Vorjahr – damit geht jedes Krankenhaus anders um.

Landkreis – Aufnahmestationen in Krankenhäusern sind keine Orte der Ruhe. Aber zurzeit geht es dort noch turbulenter zu als sonst, sagt Robert Schindlbeck. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Herrschinger Privatklinik erklärt: „Wir sind seit Wochen praktisch voll ausgelastet.“ Neue Patienten warten in der Aufnahmestation darauf, dass alte entlassen werden. Stündlich gibt es Wechsel. Es gebe wohl kaum eine Klinik, die derzeit nicht voll ist, sagt Schindlbeck.

Die Grippewelle hat einen bayernweiten Ansturm auf die Kliniken ausgelöst. Im Erdinger Krankenhaus gab es einen zeitweisen Aufnahmestopp, im Fürstenfeldbrucker Klinikum waren selbst 21 Krankenschwestern und Pfleger erkrankt.

So kann es schnell einen Engpass geben, wie Dr. Simon Machnik sagt. Der Geschäftsführer der Benedictus-Krankenhäuser Tutzing und Feldafing sagt: „Problematisch ist, dass in dieser Zeit höchster Auslastung auch der Krankenstand in der Belegschaft jahreszeitbedingt besonders hoch ist.“ Die anderen Mitarbeiter müssten daher bis an die Belastungsgrenze gehen. Unter der Woche sei das Tutzinger Krankenhaus komplett ausgelastet. „Es müssen zeitweise leider auch immer wieder Patienten abgelehnt werden“, sagt Machnik.

Die hohe Auslastung erklärt er mit Eingriffen, die in dieser Jahreszeit geplanterweise durchgeführt werden. „Zudem kommt es zu überproportional vielen Notfällen durch Stürze bei Schnee und Eis sowie durch Grippe- und auch Durchfallerkrankungen.“ Die Auslastung sei heuer höher als in den vergangenen Jahren.

Auch das Starnberger Klinikum hat auf die Grippewelle reagiert und eine eigene Infektionsstation eingerichtet. Die 15 Betten sind nach Klinikangaben dieser Tage fast immer belegt. Die Auslastung des Starnberger Klinikums liegt nach eigenen Angaben derzeit bei 95 Prozent – zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr sind es demnach um die 80 Prozent gewesen. „Das liegt zum Teil an der Grippewelle, die aber im Moment am Abflachen ist“, sagt Heiner Kelbel. Der Geschäftsführer des Klinikums betont, es gebe aber keinen Aufnahmestopp. „Das wäre denkbar, wenn wir die Patientenversorgung nicht mehr gewährleisten könnten.“ Das wäre etwa bei Personalmangel der Fall, sagt Kelbel.

Zum Ansturm hinzu kommt, dass Grippe-Patienten zeitintensiv sind. „In das Zimmer kann erst 24 Stunden später der nächste Patient rein“, sagt Schindlbeck. Ohne ausreichende Desinfektion droht Ansteckungsgefahr. Heißt: In der Zeit können die dringend benötigten Betten nicht belegt werden. In der Schindlbeck-Klinik sind in der kritischen Phase mehr Mitarbeiter für die Entlassung und Aufnahme von Patienten zugeteilt, sagt Schindlbeck. „Wir versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit wir keine Patienten abweisen müssen.“ Einen Aufnahmestopp gebe es grundsätzlich nicht. Nur in Einzelfällen würde man Patienten an andere Kliniken, etwa die in Starnberg, verweisen. „Es wird aber immer prinzipiell eine Erstversorgung durchgeführt.“ Die Grippe sei das hauptsächliche Problem, aber auch andere jahreszeitbedingte Erkrankungen spielten eine Rolle. Es gebe bei starken Temperaturschwankungen vermehrt Lungenentzündungen oder Herzinfarkte.

„Für diese Jahreszeit ist der Andrang normal“, sagt Schindlbeck aber. Nur: Richtig vorbereiten könnten sich die Kliniken nicht. „Wir wollen natürlich genügend Betten bereithalten.“ Daher werde auf Reparaturen der Betten zurzeit verzichtet, ebenso auf Renovierungen der Patienten-Zimmer. Dass die Grippewelle heuer stärker ausfällt, liege auch am Impfstoff. „Es wurde ausgerechnet der Impfstoff verordnet, der diese Art von Influenza nicht abdeckt.“ Die Grippewelle werde aber abebben. „Wenn das Wetter stabiler und wärmer wird, ist die Ansteckungsgefahr üblicherweise geringer.“

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