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Doppel-Abschied: Pfarrer Hans Martin Schroeder (vorne r.) und seine Frau Elke-Maria (vorne l.) verlassen Starnberg. Zunächst müssen Pfarrer Dr. Stefan Koch und Birgit Reichenbacher die Abgänge auffangen.

Evangelische Gemeinde

Das größte Fest zum Abschied von Pfarrer Schroeder

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Der evangelische Pfarrer Hans Martin Schroeder beendet zum Reformationsjubiläum seine Arbeit in Starnberg. Nun hat der 59-Jährige den genauen Grund für seinen Rückzug bekannt gegeben.

Starnberg – Pfarrer Hans Martin Schroeder ist im Nachhinein froh, dass er in seinen ersten drei Wochen im Starnberger Pfarrhaus keine Küche hatte. So wurden er und seine Frau Elke-Maria von Kirchenvorständen oft zum Essen eingeladen. Es gab Zeit für Gespräche. Die brauchte es bei seinem Antritt vor fünf Jahren. Der Zwist zwischen der Starnberger und der unabhängigen Berger Kirchengemeinde war da noch längst nicht ausgeräumt. „Wahrnehmen und hinhören war für mich am Anfang das Wichtigste“, sagt Schroeder. 

Auf seine Stärken muss die Starnberger Kirchengemeinde ab 1. November verzichten. Bei einem Pressegespräch gab Schroeder am Dienstag seinen vorzeitigen Ruhestand bekannt. Mittlerweile hat er die Gewissheit, an Alzheimer erkrankt zu sein. Anfang Mai hatte er die Pfarramtsleitung an Pfarrer Dr. Stefan Koch übergeben. „Ich habe gemerkt, dass mir Multi-Tasking – was man in diesem Beruf braucht – schwer fällt.“ Auch körperlich spüre er die Folgen der Krankheit.

Schroeders Zeit als Starnberger Pfarrer endet am Reformationstag

Pfarrer Koch verlas beim Pressegespräch aus einer gemeinsamen Erklärung. Demnach sei entscheidend gewesen, dass Pfarrer Schroeder seinen Ruhstand „bei möglichst guter Gesundheit verbringen kann.“ Die Entscheidung sei zum „bestmöglichen Zeitpunkt“ getroffen worden, denn: „Pfarrer Schroeder kann so früh wie möglich gehen und sich stark auf seine eigene Gesundheit konzentrieren.“

Frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres können Pfarrer aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Schroeder wird wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet – am 31. Oktober, dem Reformationstag. Auf das Luther-Jubiläum fiebert die Kirchengemeinde schon hin. „Die größere Feier ist für uns aber am 12. November“, sagt Koch. Dann gibt es in der Friedenskirche einen Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Schroeder.

Pfarrerin über Schroeder: „Große Stärke, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen“

Viele Gemeindemitglieder werden die ruhige und besonnene Art Schroeders vermissen. So haben sie ihn bei seinen zahlreichen Hausbesuchen erlebt. Gerne hätte er noch viel mehr dieser Besuche gemacht, sagt Schroeder. „Weil man weiß, dass Freude da ist, wenn man kommt.“ Schroeder schwärmt von seiner Arbeit als Pfarrer, von fröhlich machenden Taufen, von Gesprächen über Gott oder von ergreifenden Momenten bei Beerdigungen. Pfarrer sein bedeute „mitleben mit vielen anderen und in hoffentlich guter Art und Weise begleiten“. Die Art und Weise war gut, wie seine Starnberger Kollegen betonen. „Es ist eine große Stärke, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen“, sagt Pfarrerin Birgit Reichenbacher über ihn. Dann zeigt Schroeder auf die Wand im Aufenthaltsraum des Pfarrhauses. Dorthin, wo historische Größen der Starnberger Kirchengeschichte mit Porträts verewigt sind. „Ich will unbedingt da hängen“, sagt er und lacht.

Ehepaar Schroeder zieht es wohl nach Rosenheim

Als Nachfolger von Ernst Kunas, der zwölf Jahre in Starnberg tätig war, hatte er es nicht leicht. Ohnehin sei die Erwartungshaltung in der Starnberger Kirchengemeinde hoch. Schroeder setzte aber auf das Miteinander – und war damit erfolgreich. Weil sich Berger und Starnberger Kirchenmitglieder nicht verstanden, besuchte er ein Sommerfest der Nachbargemeinde. „Sie sagten, ich sei seit zehn Jahren der erste Starnberger Pfarrer, der sie besucht.“

Die Arbeit in Starnberg müssen die Pfarrer Koch und Reichenbacher ab 1. November alleine bewältigen. Mit einem neuen Pfarrer rechnen sie frühestens in einem halben Jahr. Auch Schroeders Ehefrau Elke-Maria beendet ihre Tätigkeiten für die hiesige Kirche. Das Ehepaar möchte nach Rosenheim ziehen. „Ich bleibe Pfarrer so lange es meine Kräfte zulassen, kann Vertretungen und Gottesdienste übernehmen“, sagt Hans Martin Schroeder, und fügt hinzu: „Das ist dann ein anderes Leben.“

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