Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, besteht nicht bei allen Mitarbeitern der Altenheime. Marion Kelmendi von der Hauswirtschaftleitung des Caritas-Altenheims Krailling Maria Eich hat gleich beim ersten Termin die Gelegenheit wahrgenommen, sich von Dr. Richard Aulehner impfen zu lassen.
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Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, besteht nicht bei allen Mitarbeitern der Altenheime. Marion Kelmendi von der Hauswirtschaftleitung des Caritas-Altenheims Krailling Maria Eich hat gleich beim ersten Termin die Gelegenheit wahrgenommen, sich von Dr. Richard Aulehner impfen zu lassen.

Corona-Impfung in Altenheimen

Bereitschaft teilweise bei 50:50: Große Impfskepsis beim Pflegepersonal

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  • Peter Seybold
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  • Andrea Gräpel
  • Tobias Gmach
    Tobias Gmach

Immer wieder kommt es auch in Pflegeheimen im Landkreis zu Corona-Ausbrüchen. Während manche Häuser durchgeimpft sind, warten andere noch auf die ersten Dosen. Ein Problem ist die mangelnde Impfbereitschaft beim Personal: Mancherorts verweigert sich mehr als die Hälfte der Spritze.

Landkreis – Otto Ohmer ist 100 Jahre alt – und jetzt gegen das Coronavirus geimpft. „Der Doktor ist ins Zimmer reingekommen, hat die Spitze reingehauen, und fertig war’s. Am Tag danach habe ich am geimpften Arm etwas gespürt, aber nicht schlimm. Am Tag darauf überhaupt nichts mehr“, berichtet der Bewohner des Kraillinger Caritas-Altenheims Maria Eich. 110 von 160 Bewohnern sowie 50 von 170 Mitarbeitern haben dort den ersten Pieks hinter sich. Der zweite standardmäßig nötige folgt demnächst. Seniorenheime stehen auf der Prioritätenliste ganz oben, auch Corona-Ausbrüche wie die im Söckinger Rummelsberger Stift oder im BRK-Schloss Garatshausen rechtfertigen das. Während die meisten Bewohner kein Problem mit der Impfung haben, ist die Bereitschaft beim Personal vielerorts zu gering.

Maria-Eich-Heimleiterin Diana Sturzenhecker ließ sich die Spritze geben. Sie freut sich, dass ihr Haus gleich dran kam. „Einige Mitarbeiter warten noch ab“, sagt sie. Demnächst sollen noch mindestens 30 Bewohner geimpft werden. Von den bisher Geimpften habe niemand echte Nebenwirkungen, nur vereinzelt hätten sie danach den Einstich am Arm gespürt. Im Caritas-Heim wurden seit Ende November sieben Bewohner und vier Mitarbeiter positiv getestet, eine Seniorin ist wegen Corona derzeit im Krankenhaus.

Die Impfbereitschaft bei Pflegekräften im BRK-Schloss Garatshausen und im Rotkreuzhaus Gilching schätzt Marcus Wicke auf nur 40 bis 50 Prozent. „Wir würden uns mehr wünschen“, sagt der Pflege-Bereichsleiter des BRK-Kreisverbands. Der Impfstoff sei neu, die Langzeitfolgen unbekannt: Diese Argumente gegen die Impfung höre er vom Personal am öftesten. Er und andere BRK-Verantwortliche versuchen, die Mitarbeiter zu überreden. „Wir versuchen es mit Aufklärung und Erfahrungsberichten von Geimpften.“ Es gelte, die Sorgen zu entkräften, weil dauerhafte Nebenwirkungen beim Biontech-Impfstoff bisher nicht aufgetreten seien. Wicke verweist auf längere Studien im vergangenen Jahr.

Viele Pflegekräfte wünschen sich Teilzeitarbeit

Das Rotkreuzhaus in Gilching ist im Gegensatz zu anderen Heimen durchgeimpft. In Garatshausen fehlen laut Wicke noch 30 Dosen – vor allem für Mitarbeiter. Dort hatte es um den Jahreswechsel in einem Heimbereich einen Corona-Ausbruch gegeben. Alle in der Einrichtung werden seither laut Wicke – wenn möglich – täglich getestet.

50:50 ist das Verhältnis von impfwilligem und -unwilligem Personal laut Benjamin Bernhardt, Geschäftsführer der Alternativen Altenpflege in Breitbrunn. Die 32 Bewohner seien bereits geimpft, bis auf einen. „Der hatte sich schon infiziert“, erklärt Bernhardt. Allerdings vor seinem Einzug ins Haus. Man habe noch keinen positiven Fall zu beklagen. Wenn sich nun auch noch die 32 Beschäftigten hätten impfen lassen, wäre auch ihm wohler. Aber erzwingen könne man es nicht. „Darum müssen wir leider so weitermachen – „mit Masken und Antikörpertest zweimal in der Woche“. Von seinem Personal höre Bernhardt immer häufiger den Wunsch, die Arbeitszeit zu reduzieren. „Wir haben schon jetzt viele Teilzeitkräfte.“ Er zeigt Verständnis, denn der Druck aktuell sei enorm. Für alle, „denn für die alten Leute ist die ganze Situation auch bitter“.

In vielen Heimen stehen die Impfungen noch aus

„Bei uns ist die Impfbereitschaft sehr hoch“, sagt Ulf Walliczek, Geschäftsführer des Seniorenstifts Pilsensee in Seefeld. Er könne nicht bestätigen, dass viele seiner rund 45 Mitarbeiter Vorbehalte gegen die Impfung hätten. „Wir setzen aber auch auf umfassende Information und legen sie allen ans Herz.“ Fest stehe auch, dass sich die Geschäftsleitung komplett impfen lassen würde, „da wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen“. Walliczeks größtes Problem ist eher, dass er noch keine Zusage hat, wann es endlich losgeht in Seefeld. „Ich hoffe sehr, dass wir nicht vergessen werden.“

Auch im Seniorenpark der Arbeiterwohlfahrt in Dießen steht der Impftermin für die 44 Bewohner und das Personal noch aus, die Bereitschaft bei den Mitarbeitern sei jedoch „ganz gut“. Mehr dürfe von der Leitung vor Ort nicht gesagt werden. Sabine Stiller, Pflegedienstleiterin bei der Nachbarschaftshilfe in Inning, freut sich, dass die Impfbereitschaft unter ihren 17 ambulanten Mitarbeitern sehr hoch ist. Lediglich zwei, drei würden noch überlegen. Alle anderen seien sofort bereit, sich impfen zu lassen. „Das ist ein super guter Schnitt. Wir warten aber noch auf einen Termin.“ Die Nachbarschaftshilfe Inning betreut 62 Klienten in der Woche.

Thomas Bonato, Leiter des Pichlmayr Seniorenzentrums in Gilching, hofft sehr, dass auch in seinem Haus bald die Impfungen beginnen. Beim rund 55-köpfigen Personal gingen die Meinungen auseinander. „Es ist sehr gemischt, aber das muss auch jeder selbst wissen.“ Im Großen und Ganzen schätzt er die Impfbereitschaft höher ein als in der Gesamtbevölkerung. Derzeit leben 73 Senioren in der Einrichtung. „Sie sehen das sehr entspannt, von ihnen wird sich weit mehr als die Hälfe impfen lassen“, vermutet Bonato. Er selbst scheut die Spritze nicht. „Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen.“

Als einziges Würmtaler Altenheim wartet das Kraillinger Waldsanatorium noch auf den Impfstart. 60 Prozent der Bewohner und weniger als die Hälfte der Mitarbeiter wollen sich laut Wolfgang Dausch, Sprecher des Betreibers, dem Orden der Barmherzigen Schwestern, dort impfen lassen.

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