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Großübung auf dem See: Wasserretter holten die „Opfer“ von der Plattform und aus dem Wasser, die Feuerwehr bekämpfte den „Brand“.
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Starnbergs Kommandant Markus Grasl und Oberstleutnant Claudius Fritzsche verschafften sich von der Drehleiter aus einen Überblick.
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Zwei bundeswehrtaucher spielten die „Opfer“ im Wasser.
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Die DLRG sorgte mit ihrer Drohne für Übersicht von oben, was auch Kreisbrandrat Peter Bauch interessiert verfolgte (blaue Uniform).

Retter üben

Großübung auf dem Starnberger See: Weißer Rauch und viele Boote

Weißer Rauch auf dem See, viele Boote, noch mehr Feuerwehrfahrzeuge an Land, eine Drohne in der Luft: Für Spaziergänger gab es am Mittwochabend einiges zu sehen.  

Starnberg/Percha – Oberstleutnant Claudius Fritzsche hatte einen der besseren Plätze – in luftiger Höhe im Korb der Drehleiter an der Starnberger Seepromenade. Als Chef der Pioniere in Percha hatte der Bundeswehroffizier ein besonderes Interesse an der Übung am Mittwochabend, bei der Wasserretter von Wasserwacht und DLRG, mehrere Feuerwehren und die Bundeswehr den Brandfall auf der Taucherplattform der Pioniere übten. „Auch auf der Tauchfähre kann schnell etwas passieren“, sagte er, „und wir waren 2017 ja auch Opfer.“ Damit spielte er auf den Brand eines Lkw auf dem Pioniergelände in Percha an. Deswegen hatte Fritzsche der Übungsbitte von Starnbergs Kommandant Markus Grasl auch sofort entsprochen.

Auf der Plattform – Seebesucher und -anrainer kennen sie als schwimmendes Haus – sollte es laut Übungsszenario brennen, neun Menschen waren zu retten, zwei davon aus dem Wasser. Das waren zwei Bundeswehrtaucher. Aus der Plattform drang dichter, weißer Rauch. Feuerwehren, die Wasserwacht Starnberg und die DLRG Pöcking-Starnberg mussten mit Booten anfahren, die teils im Sommer im Wasser sind, teils erst über die Slipanlage der Pioniere in den See gelassen werden mussten.

Alarm war um 19.06 Uhr, alle neun „Opfer“ waren um 19.32 Uhr an Land und versorgt. Die „Patienten“ wurden teils liegend transportiert, sagte der Einsatzleiter der Wasserwacht, Tobias Bucher. Bei einem Ernstfall hätte man noch Taucher eingesetzt, bei der Übung verzichtete man darauf. Bei einem echten Notfall, erklärte Fritzsche, könnten Retter, wenn möglich, über das Pioniergelände an den See.

Die Tauchplattform spielte sich erst einmal selbst, sagte Grasl, doch sei die Taktik dieselbe wie bei einem Feuer auf einem Dampfer. Ein solcher Notfall könne durchaus vorkommen. Die Löschtrupps setzte Grasl wieder nach dem Stoßtrupp-Prinzip ein, um Feuer und Rauch schnell zu bekämpfen und so die Menschenrettung zu ermöglichen. Es habe sich dabei gezeigt, dass das Starnberger Boot – das offiziell noch dem Landkreis gehört – an der Grenze seiner Möglichkeiten sei. Für die Brandbekämpfung in Ufernähe reiche es, für Schiffsbrände nicht, sagte Grasl. Was die Wehr tatsächlich braucht, werde der in Arbeit befindliche Bedarfsplan erweisen.

Grasl stand neben dem Oberstleutnant im Korb der Drehleiter, um die Übersicht zu behalten. Etwa, wie die Boote anfahren. Beim Brand des MYC-Bootshauses habe es Verletzte unter den Rettern durch Rauch gegeben; wichtig sei daher, sich abzusprechen. Wenn die Löschtrupps eine Tür öffnen, kann an anderer Stelle Rauch austreten und die Wasserretter gefährden. „Da reichen zwei Atemzüge, und man ist außer Gefecht“, mahnte der Kommandant. Elf Minuten nach dem Alarm begannen die Feuerwehrler mit dem Löschen – im Ernstfall wären es einige Minuten mehr, weil die Anfahrt an den See dazukommt.

Auch eine Drohne im Einsatz

Die Feuerwehr Herrsching übernahm mit ihrem Boot die Ölabwehr mit einer 100 Meter langen Sperre. Ebenfalls ein Punkt, der genau abgestimmt werden muss – liegt die Sperre erst mal, kommt keiner mehr rein oder raus. Solange die Löscharbeiten andauern, sagte Kreisbrandmeister Daniel Pleyer, müsse man daher mögliche Umweltschäden in Kauf nehmen.

Fazit: Es hat alles gut geklappt, sagten Grasl, Bucher und Pleyer. Künftig wollen die Hilfsorganisationen einmal im Jahr auf diese Weise trainieren; nächstes Jahr vielleicht mit Polizeihubschraubern, die am Mittwoch nicht kommen konnten. Insgesamt rund 90 Ehrenamtliche waren im Einsatz von den Feuerwehren Starnberg, Percha, Herrsching und Feldafing, von Wasserwacht, DLRG, BRK-Bereitschaft Starnberg. Die Bundeswehr war mit vier Mann dabei, Kreisbrandrat Peter Bauch verfolgte die Übung mit Interesse. Die Brotzeit für alle zahlte übrigens die Stadt Starnberg.

Viele Blicke zog die leise surrende Drohne der DLRG auf sich, die Pilot Sascha Hartmann und Kameramann Benjamin Otto bedienten. Die Drohne lieferte Livebilder, die Grasl in Erstaunen versetzten – so hatten die Retter einen kompletten Überblick. Die Drohne kann auch bei Dunkelheit eingesetzt werden, hat eine Wärmebildkamera und sendet die Bilder live in einen Einsatzwagen. Die Übung, sagte Projektleiter Philipp Hennen, sei ein gutes Training unter Einsatzbedingungen gewesen.

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