BLS-Gründer im Interview

„Idee nicht sehr ernst genommen“

Walter H. Jann setzt sich seit Jahrezehnten für eine ortsferne Umfahrung für Starnberg ein. Der Gründer der Bürgerliste ist mit dem neuen Tunnel-Beschluss unzufrieden - und mit einigen seiner Stadträte.

Starnberg – Walter Jann wird gern als „Vater der ortsfernen Umfahrungstrasse“ für Starnberg bezeichnet. Tatsächlich trägt diese seinen Namen – Jann-Trasse. Nicht zuletzt, weil dieser Lösungsvorschlag zur Entlastung vom Verkehr in seinem Auftrag und auf seine Kosten ausgearbeitet wurde. Seit Dezember ist Jann nicht mehr Stadtrat. Aus gesundheitlichen Gründen muss er kürzer treten. Aber er ist Chef der von ihm vor fast 28 Jahren gegründeten Bürgerliste (BLS). Deren Ziel war seit jeher: Umfahrung statt B 2-Tunnel. Der Starnberger Merkur hat mit Walter Jann über den Stadtratsbeschluss gesprochen. Der lautet „Tunnel bauen und ortsferne Umfahrung planen“.

Herr Jann, waren Sie an den Vorberatungen und der Abfassung des mit Mehrheit beschlossenen Antrags „Tunnel bauen und Umfahrung planen“ beteiligt? Unter den 19 Befürwortern waren ja auch drei Stadträte der BLS.

Nein, ich war nicht beteiligt. Ehrlich gesagt, habe ich die Idee, die Umfahrung zu bauen, nachdem der Tunnel realisiert wird, nicht sehr ernst genommen. Ich weiß nicht, wie ich sie nennen soll – ich sage mal die drei Abtrünnigen – glauben jedoch daran, dass die Verfolgung der Umfahrung parallel zum Tunnel geht.

Die BLS hat schon 2008 einmal für den Tunnel gestimmt, weil damit damals das Versprechen der Tunnelbefürworter verbunden war, die Umfahrungstrassen, also auch die Jann-Trasse, zu untersuchen. Mit 27:4 hatte sich der Stadtrat darauf verständigt. Das ist bis heute nicht zu Ende gebracht. Vielmehr heißt es bei der CSU immer noch „Keine Chance für die Umfahrung“. So hat es aktuell Ute Eiling-Hütig (MdL) bekräftigt. Glauben Sie, dass die CSU jetzt doch zu einer Genehmigung verhilft?

Im Grunde war das 2008 das Gleiche. Wir hätten die Prüfung der Umfahrung nicht bekommen, wenn wir nicht zugestimmt hätten. Ich habe mich damals auch fangen lassen. Das hat sich jetzt für die drei BLS-Stadträte wiederholt. Für mich war es schon überraschend, dass dieses neue Angebot von der CSU ausging. Es heißt ja: Mit Speck fängt man Mäuse. Aber es scheint auch, als wolle man eine sachliche Prüfung. Immerhin sind ja viele Fragen noch gar nicht beantwortet: Kann man mit einer neuen Straße durch das Wasserschutzgebiet oder ein FFH-Gebiet gehen? Für mich ist es allerdings ein höchst fragwürdiges Urteil zu glauben, dass das jetzt nach dem Beschluss pro Tunnel anders beurteilt wird.

Was tun Sie, wenn Ihre Umfahrung bereits nach wenigen neuen Prüfschritten als unrealisierbar beurteilt wird?

Walter H. Jann ist mit dem Abstimmungsverhalten seiner Kollegen im Stadtrat unzufrieden.

So weit darf es nicht kommen. Die BLS muss versuchen, die Initiative für unsere Trasse anzuführen. Die Schwäche der Umfahrungsallianz war meiner Meinung nach, dass niemand die Führung übernommen hat. Jede Gruppierung hat eher für sich dahin gewurschtelt. Wir brauchen aber ein koordiniertes Vorgehen. Die BLS-Fraktion kündigt schon mal einen Antrag an, was gemacht werden muss. Man kann aus verschiedensten Gründen gegen den Tunnel sein. Unser Hauptargument war immer die fehlende Verkehrswirksamkeit. Die Krux ist, dass niemand jemanden beauftragt, dies zu beweisen. Unser alternatives Konzept beinhaltet ja nicht nur die Verkehrsentlastung der B 2, sondern im gesamten Staatsstraßennetz. Das hat ganz andere Auswirkungen als der Tunnel. Und für die Jann-Trasse liegen bereits 16 Original-Pläne vor. Die habe ich der Stadt Starnberg geschenkt. Wir wollen nicht nochmals zehn Jahre warten bis der Tunnel eröffnet ist. Unsere Motivation ist, die Prüfung der Umfahrung jetzt schnell durchzuführen.

Die BLS hat 28 Jahre nur die ortsferne Umfahrung für sinnvoll gehalten. Verstehen Sie Wut und Enttäuschung über die drei BLS-Stadträte, die nun geholfen haben, dass der Tunnel gebaut wird?

Ja, ich verstehe die Bürger, deren Interessen diese Drei nicht wahrgenommen haben. Ich bin selbst überrascht worden.

Was sagen die BLS-Mitglieder? Hat man sie im Vorfeld des Antrags eingebunden?

Nein, sie sind nicht gefragt worden. Ich rechne, dass ein Fünftel nicht einverstanden ist, vornehmlich langjährige Mitglieder. Aber das Leckerli ist von Stefan Frey (CSU) und Patrick Janik (UWG) wohl auch erst ganz kurzfristig ausgelegt worden.

Im Sommer stehen bei der BLS Neuwahlen des Vorstands an. Wollen Sie Vorsitzender bleiben?

Ich möchte den Vorsitz der BLS selbst behalten. Ich habe ja jetzt ausreichend Zeit. Auf die Stadträte der Fraktion versuche ich meine Überzeugungen zu übertragen. Die drei Zustimmer glauben, mir einen Gefallen getan zu haben. Sie sagen, sonst kommen wir mit der Umfahrung überhaupt nicht weiter. Wäre ich am 20. Februar noch Stadtrat gewesen, hätte ich dem Antrag nicht zugestimmt. Denn die Aussage „Tunnel oder gar nichts“ ist nach wie vor am Rande der Erpressung. Der Bund entscheidet, ob er den Tunnel baut. Die BLS hätte nicht zustimmen müssen.

Das Interview führte Barbara Irlbauer.

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