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Juniorwahl: Die Starnberger Gymnasiasten setzten sich intensiv mit dem Ablauf der Europawahl auseinander – und stimmten mit 55 Prozent für die Grünen.

Auch Probeabstimmungen zeigen deutliche Trends

Grüne dominieren bei jungen Wählern: Dafür gibt es viele Gründe

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Bei Probewahlen im Landkreis wie bei der Europawahl: Der Großteil der jungen Menschen stimmte für die Grünen. Dafür gibt es viele Gründe – vom sozialen Wohlstand über politisierte Zweitwähler bis zu einem Video des Youtubers „Rezo“.

Landkreis – Absolute Mehrheiten sind in der Politik selten geworden. Die „Juniorwahl“ zur Europawahl am Starnberger Gymnasium dagegen war eindeutig: Von 197 Schülern stimmten 109 für die Grünen. Macht 55,3 Prozent. Die CSU ist mit 7,1 Prozent weit abgeschlagen – und mit 14 Stimmen gleichauf mit den Satirikern von „Die Partei“. Für junge Menschen im Landkreis stehen Klima- und Artenschutz an erster Stelle. Das zeigte auch die „U 18-Wahl“, an der sich das Gymnasium und die Mittelschule in Gilching, das Landschulheim Kempfenhausen sowie die Jugendzentren in Herrsching und Gauting beteiligten. 555 Jugendliche gaben ihre Stimme ab – 3 Prozent wählten die AfD, 6,5 die SPD, 11 die CSU, 20 die FDP und 32 die Grünen.

Deutschlandweit bekam die Umweltpartei bei der Europawahl sogar einen Prozentpunkt mehr – von den unter 30-Jährigen. Union (13 Prozent) und SPD (10) wurden abgestraft. Konkrete Zahlen für den Landkreis gibt es nicht. Doch die Tendenz dürfte ähnlich sein, schließlich ist die Region als Grünen-Hochburg bekannt. Für Professor Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing, liegt das an den überdurchschnittlichen Vermögens- und Bildungsverhältnissen. Sie würden auch eine hohe Beteiligung junger Wähler begünstigen. Münch vermutet, dass sich diesmal besonders viele Zweitwähler beteiligt haben. „Einige von ihnen ziehen sich normalerweise nach der ersten Wahl wieder zurück.“

Politik-Expertin: Nicht nur Umweltthemen haben die Jungen mobilisiert

Aber nicht in der derzeitigen politisierten Lage, in der Umweltthemen die jungen Massen mobilisiert hätten. Darüber hinaus nennt Münch auch die Debatten um Uploadfilter und Urheberrecht. Einen Einfluss auf den Wahlausgang schreibt sie außerdem dem Youtuber „Rezo“ zu, der die CDU in einem millionenfach angeklickten Video stark kritisiert. „Bei ihrer Reaktion haben die Unionsparteien ein blamables Bild abgegeben, über das die Jungen nur den Kopf schütteln können“, so Münch.

Erklärungen für das Wahlverhalten im Landkreis hat auch Claus Piesch, der Vorsitzende des Kreisjugendrings. „Mit Blick auf die Zukunft ist die Umwelt das wichtigste Thema. Das brennt ihnen unter den Nägeln.“ Die Jugendlichen, mit denen er zu tun hat, seien aber vielfältig interessiert und „auch sehr sozial orientiert“. Auch Gleichberechtigung liege ihnen am Herzen.

Eine Themenvielfalt kann der stellvertretende CSU-Kreischef Stefan Frey bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum erkennen. Der Klimaschutz sei gerade durch die „Fridays for Future“-Demos stark in den Fokus gerückt. „Dem müssen wir uns stellen. Aber Trends können sich auch wieder ändern“, sagt Frey und verweist auf andere europäische Länder, in denen Jugendarbeitslosigkeit die Debatten beherrsche. „Uns ging es noch nie so gut, das merkt man besonders im Landkreis.“

Jugendliche persönlich erreich: Schwierig laut CSU-Kreisvize 

Wie eine teilweise überalterte Partei wie die CSU die Jungen erreichen will? „Ich versuche, mich bei den Kommunikationsformen anzupassen“, sagt Frey, der bei Instagram und Facebook „sehr aktiv“ sei. Nichts gehe aber über den persönlichen Austausch. Aber das sei gar nicht so einfach.

Vor etwa einem Jahr habe er dem Starnberger Gymnasium angeboten, eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Demokratie und Bürgerrechte zu organisieren. „Ich habe aber keine Antwort bekommen.“ Frey hadert auch damit, dass kaum junge Menschen die politischen Abende von Ortsverbänden besuchen. „Es reicht ja nicht, auf der Straße zu sein. Das Engagement muss weitergehen“, fordert er.

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