Grünen-Ortsverband

Der Tunnel und die Identität

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Theorie und Stadtratspraxis prallen bei den Starnberger Grünen aufeinander. Das hinterlässt seine Spuren.

Neun Mitglieder des Ortsverbandes der Grünen sitzen am diesem Spätsommer-Mittwochabend auf der Terrasse des „Bayerischen Hofes“ in Starnberg. Man muss sich nur kurz umschauen und umhören, um zu verstehen, wo die Probleme der Stadt Starnberg liegen. Obwohl man genau weiß, dass der See nur wenige Meter entfernt liegt, sieht man nur die S-Bahnen, die unentwegt vorbeirauschen. Und auf der Straße neben den Gleisen brausen die Autos und Motorräder derart laut vorbei, dass man sein eigenes Wort kaum versteht.

Es muss sich was tun in Starnberg, darüber herrscht Einigkeit am Tisch. Nur wie, das wird intensiv diskutiert. Es geht – wie immer in Starnberg – um den B 2-Tunnel. Der bayerische Vorzeigegrüne im Bundestag, Anton Hofreiter, hatte noch einmal eine Anfrage an das Bundesverkehrsministerium gestellt. Ziel war zu verhindern, dass der Tunnel im Bundesverkehrswegeplan in den erweiterten Bedarf und damit auf das Abstellgleis geschoben wird. Die Antwort sei, so berichtete die Vorsitzende des Ortsverbandes Martina Neubauer, umgehend von der Bundesregierung veröffentlicht worden. Das wiederum habe die Tunnelbefürworter in Starnberg unter Zugzwang gesetzt. Hastig wurde eine gemeinsame Pressemitteilung von CSU, UWG und Grünen verfasst und versendet (wir berichteten).

Genau das trieb einen Teil der Starnberger Grünen auf die Palme. Und das aus ganz verschiedenen Gründen. Die einen machten in der Pressemitteilung einen Alleingang des Ortsvorstands aus. Die anderen sind hingegen höchst unzufrieden mit der engen Zusammenarbeit der Grünen im Stadtrat mit CSU, SPD und UWG, fürchten um das eigene, grüne Profil. Und überhaupt: Der Tunnel, er ist für die meisten am Tisch nur das kleinere Übel. Nun vehement für den Bau zu trommeln, das gehe gar nicht.

Martina Neubauer kennt die Argumente, die vorgebracht werden, gut: „Ich habe nach Veröffentlichung der Pressemitteilung jede Menge Rückmeldungen erhalten – bis hin zu persönlichen Beschimpfungen.“ Die Debatte hat Spuren hinterlassen. Sie spricht davon, dass in sechs Monaten ein neuer Vorstand gewählt werden muss. Und sie lässt durchblicken, dass noch längst nicht entschieden ist, ob sie dafür noch einmal kandidieren will. Anschließend wird darüber diskutiert, wie ein Vorstand arbeiten soll, wenn sich für jede Stellungnahme erst mit allen 30 Grünen im Ortsverband abstimmen soll.

Am Ende wird das Thema vertagt. Im Herbst oder Winter soll es eine Klausurtagung geben, bei der sich die Grünen mit der Verkehrsproblematik in Starnberg beschäftigen wollen. „Wir müssen da ganz dringend unser Profil schärfen“, sagt Stadtrat Dr. Franz Sengl.

Ein Thema wird dabei kaum eine Rolle spielen: die ortsnahe Umfahrung. „Die ist mausetot“, so Sengl, als darüber geredet wird, ob man noch einmal einen Flyer veröffentlichen möchte, der auf die Gefahren dieser Variante hinweist. Verschwendung von Zeit und Geld, meint der Stadtrat: „Das wäre, wie auf einem Toten rumzutrampeln.“

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