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Verkehr

100 Sekunden gegen den Stau in Starnberg

Mehr Grün statt Stau: Eine Neueinstellung der Grünen Welle in Starnberg soll den Verkehr besser fließen lassen. Bis es soweit ist, dauert es noch etwas.

Starnberg – Auf der B 2 in Starnberg soll Verkehr bald flüssiger laufen, und der Weg dort führt über die Grüne Welle. Deren Phasen werden von 90 auf 100 Sekunden verlängert, aber nur Stoßzeiten. Das bedeutet aber auch längere Wartezeiten, aber vermutlich weniger Stau auf der Hanfelder Straße. Zwar stellte Christian Probst vom Staatlichen Bauamt Weilheim die Pläne am Montagabend im Stadtratsausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität vor – mitzureden hat die Stadt aber nichts.

Seit Jahren tüfteln die Straßenbauer an Möglichkeiten, mehr Autos in kürzerer Zeit durch Starnberg zu schleusen – weil das ihr Auftrag für eine Bundesstraße ist. Sieben Ampeln sind an die Grüne Welle angeschlossen: alle zwischen der Söckinger Kreuzung und dem Ortsende am Landratsamt. Die Ampeln an der Weilheimer Straße gehören nicht dazu, dafür Fußgängerampeln an der Hauptstraße.

Derzeit dauert es tagsüber 90 Sekunden zwischen Grün-Ende und neuem Grün. Ein Fachbüro aus Essen hatte sich die Grüne Welle im Auftrag der Weilheimer Behörde genauer angsehen und Wellenbrecher gefunden. Basis für die Neuberechnungen waren jene Videoaufnahmen, die an zehn Knotenpunkten im September vorigen Jahre aufgenommen worden waren. Ein Ziel: die Staulänge zu messen. Die lässt sich heutzutage per Computer berechnen. Theoretisch: „Der tatsächliche Stau ist länger als der berechnete“, sagte Probst. Ein weiterer Beweis für die Überlastung der Kreuzung.

Test startet in einigen Wochen

Die Lösung der Planer ist eigentlich naheliegend: Stoßzeiten-Programme. Künftig soll morgens (6.30 bis 9.30 Uhr) und abends (15  bis 19.30 Uhr) ein 100-Sekunden-Takt gelten. Am Freitag startet das Programm schon um 12.30 Uhr. Das bringe „eine etwas höhere Leistungsfähigkeit“. Das Landratsamt muss die neuen Zeiten formal anordnen, wovon Probst auch ausgeht. In einigen Wochen soll die neue Welle am Tutzinger-Hof-Platz inklusive Hanfelder Straße – die Ampel an der Rheinlandstraße wird dann ins Grüne-Welle-Netz aufgenommen – getestet werden. Das „Grundübel dieser Kreuzung“, so Probst, werde man aber nicht auflösen: dass die Fahrbahn von zwei Spuren auf eine verengt wird.

Aus dem Ausschuss kamen diverse Vorschläge. So erkundigte sich Christine Lipovec (BMS) danach, ob man nicht die Fußgängerbedarfsampel automatisch auf Grün schalten könne. Sie fürchtet, dass viele – auch Schulkinder – auch ohne Grün losliefen, weil sie in Eile seien. Die Druckknopf-Ampel einfach so auf Grün zu stellen, kostet aber Zeit, die dem Durchgangsverkehr fehlt. Deswegen gebe es ja die Bedarfsampeln, sagte Verkehrsinspektor Jacob Eberle, damit nur bei Bedarf eines Fußgängers die Ampel den Verkehr auf der B 2 anhält. Dr. Klaus Huber (WPS) wollte je Richtung unterschiedliche Grünphasen. Die gibt es in Teilen, könne es komplett aber nicht geben, weil Fußgänger bei Grün für sie ja über beide Spuren gehen müssen. Die neuen Schaltungen werden Probst zufolge erlauben, alle Fußgängerampeln nach und nach für Sehbinderte umzurüsten – ein Thema, das auf der Liste des Projekts Starnberg barriefrei 2023 steht.

Bürgermeisterin ist unzufrieden

Bürgermeisterin Eva John ist mit dem Verwaltungsverfahren unzufrieden. Die Stadt werde mithin nicht gefragt. Sie gab zudem zu bedenken, dass die neue Schaltung zwar den Stau auf der Hanfelder Straße schneller werde abfließen lassen, zugleich die Straße aber attraktiver machen werde. Während Probst anmerkte, das Landratsamt wolle die Stadt beteiligen – es gab zwei Besprechungen –, verortet Stefan Frey (CSU) das Problem woanders: Würde die Bürgermeisterin ein besseres Verhältnis zur Kreisbehörde pflegen, würde sie mehr einbezogen. Frey hofft, dass der schnellere Abfluss des Verkehrs von der Hanfelder Straße dazu führt, dass weniger durch Wohngebiete abkürzen. Das glauben aber nicht alle. 

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