Der Blick über Starnberg Richtung Berg hat im wahrsten Sinn des Wortes seinen Preis. Überall im Landkreis sind die Grundstückspreise wieder deutlich gestiegen.
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Der Blick über Starnberg Richtung Berg hat im wahrsten Sinn des Wortes seinen Preis. Überall im Landkreis sind die Grundstückspreise wieder deutlich gestiegen.

Bis zu 4200 Euro pro Quadratmeter

Grundstückspreise in Region Starnberg auf Rekordhoch - „Ende der Preisspirale nicht in Sicht“

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Boden ist Gold: Diese Wahrheit gilt für den Landkreis Starnberg mehr denn je. Die Preise für den Grunderwerb sind seit 2019 um durchschnittlich 15,3 Prozent gestiegen.

Landkreis – „Die Kreisstadt ist immer noch das teuerste Pflaster.“ So lautet eine Erkenntnis von Dieter Sinning. Er ist Vorsitzender des Gutachterausschusses, der nun die aktuellen Bodenpreis-Richtwerte im Landkreis vorlegte. Die Untersuchung basiert auf 2019 und 2020 abgeschlossenen Kaufverträgen von unbebauten Grundstücken. In Starnberg kostet so manche Fläche direkt am See laut Sinning schon mal 4200 Euro – pro Quadratmeter.

Landkreis Starnberg: Preise für unbebaute Grundstücke steigt um 15,3 Prozent

Den Bereich am Almeidaweg beziffert der Bericht auf 2500 Euro. Es gibt noch teurere Einzelfälle. Aber viel entscheidender ist die Tatsache, dass die Bodenpreise landkreisweit in jeder einzelnen Gemeinde gestiegen sind, im Schnitt um 15,3 Prozent. „Ein Ende der Preisspirale ist derzeit nicht in Sicht“, kommentiert Landrat Stefan Frey die aktuelle Situation. Das mache die Suche, etwa nach bedarfsgerechtem Wohnraum, nicht unbedingt einfacher.

Um rund 21 Prozent und damit am deutlichsten kletterten die Preise in den vergangenen beiden Jahren in Berg und Andechs. Im Andechser Hauptort Erling zahlt man 850 Euro pro Quadratmeter. Gutachter Sinning findet: „Das ist schon viel für einen Ort ohne S-Bahn-Anschluss.“ Trotzdem gelte grundsätzlich: „In ländlichen Bereichen, wo die Infrastruktur schlechter ist, ist es günstiger.“ Also etwa in Meiling (im Schnitt 650 Euro) oder Unering (550 Euro). „Aber den ganzen westlichen Landkreis hat es nach oben gedrückt“, sagt Sinning – und begründet das auch mit dem dreispurigen Ausbau der A 96 bei Gilching.

Bodenpreise steigen: Landkreis Starnberg auch für Unternehmen immer attraktiver

Der Landkreis ist nicht nur als Wohngegend attraktiv, sondern genauso für Unternehmen. Der Gewerbegrund-Preis stieg im Schnitt um satte 21 Prozent. Den größten Einfluss darauf hat laut Sinning „höherwertiges Gewerbe wie Software-Entwickler oder Kanzleien. In solchen Bereichen wird viel investiert. Und dann zahlen die Leute auch höhere Preise“. Flächen für produzierendes Gewerbe seien relativ stabil geblieben.

Einen regelrechten „Verdrängungsmarkt“ beobachtet Sinning auf land- und forstwirtschaftlichen Flächen. „Beim Kauf von Waldgrundstücken merkt man manchmal: Das ist kein reiner Landwirt, da wird spekuliert.“ Boden ist eben Gold im Landkreis, auch wenn Bäume drauf stehen. Und so sorgen manche damit für die nächste Generation vor – „wenn sie Cash haben und keine Negativzinsen bei der Bank zahlen wollen“, so der Gutachter.

Starnberg: „Verdrängungsmarkt“ bei land-und forstwirtschaftlichen Flächen

Die große Frage, die sich Sinning und Kollegen alle zwei Jahre stellen: Wann endet der Auftrieb der Preise im Fünfseenland? „Ich warte schon länger darauf, dass die Kurve abflacht – auf eine Stagnation auf hohem Niveau“, sagt der Ausschussvorsitzende. Dass das einfach nicht passiert, sei verwunderlich, aber irgendwie auch nicht – so lange es keine attraktiven Alternativen zur Investition in den Boden gebe.

Außerdem mangle es an Flächen für günstigeren Wohnraum. Für Sinning wirken sich auch die explodierenden Preise im nahen München stark auf den Landkreis aus. „Wer in Nymphenburg 4000 Euro zahlen würde, für den sind 2500 Euro in Starnberg fast schon ein Schnäppchen.“

Starnberg: Größte Preissteigerungen in Berg und Andechs

„Andechs ist am stabilsten“, titelte der Starnberger Merkur 2019 in Bezug auf die Bodenpreise. Doch seitdem stiegen sie am Heiligen Berg mit am stärksten – um 21 Prozent. Knapp überbieten kann diesen Wert nur die Gemeinde Berg mit plus 21,2 Prozent. Dahinter folgen Seefeld (20,5), die Starnberger Ortsteile (19,6) und Wörthsee (19,1). In Gauting, der zweitgrößten Gemeinde im Landkreis, zahlt man in einem zentrumsnahen Wohngebiet im Schnitt 1500 Euro pro Quadratmeter.

Das ist so beachtlich, dass Dieter Sinning, Vorsitzender des Gutachterausschusses, die Summe im Gespräch heraushebt. Die Gemeinde sortiert sich, was die Preissteigerungen angeht, mit 16,7 Prozent im oberen Mittelfeld ein, neben Krailling (18,3), Feldafing (17,2) und Herrsching (16,3). Moderater teurer geworden ist der Grund in Inning (13,1 Prozent), Weßling (11,4), Starnberg Stadt (10,6), Pöcking (9,6) und Tutzing (8,7). Auch wenn die Preise in jeder Gemeinde kletterten, kann der Merkur heuer titeln: „Gilching ist am stabilsten.“ (plus 6,5 Prozent)

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