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Erinnerungen an den 19. Juli 2019 stecken in der Kartusche, die Landrat Karl Roth, Architekt Dominik Fahr und Kämmerer Stefan Pilgram (v.l.) am Freitag in die Betonbox legten. Der Landratsamtsanbau soll im Frühjahr 2021 bezugsfertig sein. 

Grundsteinlegung für Amtsanbau

Landrat findet es in der Behörde zu kuschlig

Der Grundstein für den Anbau ans Starnberger Landratsamt ist gelegt. Der Neubau soll im Frühjahr 2021 fertiggestellt sein und die Verteilung der Kreisbehörden auf mehrere Standorte beenden.

Starnberg – Für Karl Roth war es ein einzigartiger Tag in seiner Zeit als Landrat: Er durfte erstmals einen Grundstein legen, und zugleich war es sein letzter. Dafür ein hart erkämpfter: Sechs Jahre nach den ersten Gesprächen kann es mit dem Anbau ans preisgekrönte Starnberger Landratsamt endlich richtig losgehen. Roth war sichtlich stolz, das Vorhaben noch in seiner Amtszeit starten zu können.

Vor rund 150 Gästen, darunter Planer, Bürgermeister und Kreisräte, und begleitet von der Starnberger Stadtkapelle wurde der Grundstein ähnlich befüllt wie jener des bestehenden Landratsamtes 1985. Der Landrat legte eine Landkreis-Silbermünze hinein, Vize Georg Scheitz eine Mitgliederliste des Kreistages, der zweite Stellvertreter Tim Weidner einen USB-Stick mit den Ergebnissen des Klimadialogs. 1985 hatte man Daten zum Waldsterben in den Grundstein gelegt, der übrigens heute noch im Keller zu sehen ist. Euromünzen kamen in die Betonbox, Ausgaben der beiden Lokalzeitungen (zur Freude des Landrates mit Berichten über das Herrschinger Gymnasium), Baupläne, eine Mitarbeiterzeitschrift – und drei Reagenzgläser mit Erde, Luft und Wasser vom gestrigen Tage. Ihre Segenssprüche legten die beiden Pfarrer Dr. Andreas Jall und Dr. Stefan Koch dazu. Der Grundstein wird nicht im Grund verbuddelt, sondern soll später in einem Foyer sichtbar sein.

Landramt derzeit auf vier Standorte verteilt

Der Betrachter mag einen so teuren Anbau kritisch beäugen, doch Roth lässt sich das Projekt nicht schlechtreden. Beim Einzug in das anfangs als „japanisches Teehaus“ titulierte Gebäude 1985 zählte der Kreis 270 Mitarbeiter – heute sind es rund 550. Da werde es schon kuschlig, für den Landrat zu kuschlig. Erst mussten Container als Ergänzung herhalten, dann mietete der Kreis drei weitere Standorte in Starnberg an. „Das macht alles komplizierter“, sagte Roth, auch für die Bürger. Und: „Die Mitarbeiter haben auch oft das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören.“ Im Anbau sollen bis zu 160 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben. Roth lobte ausdrücklich Planer und seine eigenen Mitarbeiter wie Kämmerer Stefan Pilgram und Projektleiter Hans-Michael Lemmer.

Schon bei den ersten Besprechungen mit den Landratsamtsplanern Prof. Fritz Auer und Prof. Carlo Weber (†) 2013 war deutlich geworden: Es geht nur als optisch baugleiche Erweiterung. Dominik Fahr vom Büro Auer Weber Architekten bescheinigte dem Landkreis, er sei sich anspruchsvoller Architektur bewusst. Der Bau von 1985 (eröffnet 1987) sei immer noch modern. Mit dem Anbau werde es ein „Haus aus einem Guss“, die Unterscheidung zwischen Alt- und Neubau soll es nicht geben. Es gibt sie aber doch, in Details wie der Verglasung, die viel moderner sein wird. Wichtig für Fahr: Die Wärmeerzeugung ist CO2-frei (Grundwasserwärmepumpe), die Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt mehr Strom als der Bau verbraucht.

Kostenrahmen bei rund 18,5 Millionen Euro

Die beiden Pfarrer segneten den Grundstein und die Baustelle und rückten die Menschen, die im Haus arbeiten oder ins Haus zu Behördengängen kommen werden, in den Mittelpunkt. Wofür sie nicht bitten wollten, waren niedrige Baukosten. Jall: „Das ist nicht unser Geschäft.“ Der Landrat hingegen hofft, dass die noch ausstehenden Ausschreibungen in einer „hochpreisigen Bauhochkonjunktur“ den Kostenrahmen von derzeit 18,5 Millionen Euro nicht sprengen. Ein bisschen teurer wird es aber anscheinend, da es beim Baugrund Probleme gab. An einem speziellen Fund liegt das aber nicht: Auf dem Bauplatz existierte früher ein Sägewerk, die Arbeiter fanden beim Ausheben der Baugrube sogar noch ein altes Sägeblatt.

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