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Idyllisch direkt am Seeufer liegt das Gelände der geschlossenen Schön Klinik in Kempfenhausen. Hier sollen Wohnungen entstehen.

Grundstücksspekulationen

Der Traum vom leicht verdienten Geld

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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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Die Preise für Grundstücke am Starnberger See kennen nur eine Richtung – steil nach oben. Das weckt Begehrlichkeiten: Immer wieder kaufen Unternehmen große Areale auf und versuchen dann, eine lukrative Wohnbebauung durchzusetzen.

Landkreis – Die Schön Klinik in Kempfenhausen sorgte in der vergangenen Woche wieder einmal für Schlagzeilen. Da wurde der traditionsreiche Klinikstandort vor einem guten Jahr aufgegeben. Rund 200 Mitarbeiter verloren fast über Nacht ihre Jobs. Und quasi als Belohnung machte der Gemeinderat von Berg jetzt grundsätzlich den Weg dafür frei, auf dem Gelände des ehemaligen Klinikums nun Luxus-Wohnungen zu bauen. Er hat die Ausstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Bis zu 25 000 Euro soll der Quadratmeter Wohnfläche kosten, wenn die Neubauten stehen.

Einst ein Hotel, jetzt sprießt dort das Unkraut

Der Gemeinderat habe nach Darstellung des Berger Bürgermeisters Rupert Monn keine andere Wahl gehabt. Denn weil rund um die ehemalige Schön Klinik teils sehr umfangreiche Wohnbebauung besteht, hätten die Grundstückseigner nach § 34 des Baugesetzbuches das Recht auf Wohnbebauung ableiten können. Mit dem Bebauungsplanbeschluss hat sich die Gemeinde nun ein gewisses Maß an Einflussnahme gesichert. Das hat sich bereits auf die Reduzierung der ursprünglich geplanten Baumasse ausgewirkt.

Dr. Andreas und Sylvia Bienert wollen in der ehemaligen Diamantschleiferei Wohnungen schaffen.

Mit einer Bauleitplanung hat auch die Gemeinde Tutzing versucht, Auswüchse auf einem exponierten Grundstück in der Ortsmitte zu vermeiden. Doch dort geht seit Jahren nichts voran. Einst war das Hotel Seehof direkt gegenüber der heutigen evangelischen Akademie eines der ersten Häuser am Starnberger See, wenn man stilvoll absteigen wollte. Heute erinnert nichts mehr daran. Das Gebäude ist lange abgerissen, das Grundstück liegt verwaist da, das Unkraut sprießt im Sommer. Bei der Podiumsdiskussion des Starnberger Merkur vor der Bürgermeisterwahl hatte ein Tutzinger das Thema angesprochen. 

Wohnbebauung verspricht fette Renditen

Und damals wie heute gilt: „Es gibt einen rechtwirksamen Bebauungsplan, der eine Hotelnutzung vorschreibt“, sagt Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald. Die Münchner Grund hat das Areal erworben und versucht nun seit Jahren, dort eine Wohnbebauung durchzusetzen. Diese verspricht fette Renditen angesichts des Sahnegrundstücks in direkter Seenähe. Doch das sei mit der Gemeinde nicht zu machen, so Greinwald. „Ich gehe davon aus, dass sich die Grundstückseigentümer melden werden, wenn sie einen Vorschlag zu unterbreiten haben“, sagte sie gestern weiter. Und bis dahin bleibe alles so, wie es derzeit ist: „So schlimm schaut die heutige Grünfläche nicht aus.“

Heftige Debatten gibt es auch in Feldafing

Heftige Debatten gibt es auch ein paar Kilometer weiter an der Koempelstraße in Feldafing. Dr. Andreas Bienert aus München kaufte hier im Jahr 2013 die ehemalige Diamantschleiferei, ein leerstehendes Fabrikgebäude. Hier sollten nach seinem ursprünglichen Plan komplett Wohnungen entstehen. Noch 2016 lehnte der Gemeinderat das rundweg ab: „Dadurch würde die Möglichkeit geschaffen, dass auch im Umfeld in Größenordnungen Geschosswohnungsbau ermöglicht wird“, hatte Bürgermeister Bernhard Sontheim dazu gesagt.

Mittlerweile ist Bewegung in die Sache gekommen. Die Gemeinde schlägt nun einen Optionsbebauungsplan vor: Entweder Bienert nutzt den vorhandenen Baukörper und bringt darin Wohnungen unter oder er reißt das Fabrikgebäude ab und bebaut das Areal maßvoll neu.

Drei Gemeinden, drei unterschiedliche Lösungsansätze für das Problem, Spekulationen mit möglicher Wohnbebauung in Zaum zu halten.

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