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Gymnasium

Mehrheit wünscht sich G9 zurück

Landkreis - Die Bastion der G8-Befürworter bröckelt auch im Landkreis Starnberg. Die Mehrheit der Gymnasialdirektoren im Fünfseenland würde sich über eine Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium freuen. Sie schlagen aber eine „Überholspur“ vor. Die Opposition im bayerischen Landtag propagiert das G9 bekanntlich schon lange, jetzt fordert es auch die Junge Union.

Die SPD sieht sich bereits auf der Zielgeraden. Der CSU-Nachwuchs hat sich am vergangenen Wochenende klar gegen eine Wahlfreiheit von G8 und G9 positioniert und ein einheitliches neunjähriges Gymnasium in Bayern gefordert. Die Genossen freuen sich darüber: „Jetzt muss die CSU schnell handeln und das auch umsetzen“, forderte gestern der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Martin Güll.

Martin Liebl hätte nichts dagegen: „Ich stehe dem G9 positiv gegenüber“, sagt der Direktor des Landschulheims in Kempfenhausen. Im derzeitigen G8 beobachtet er „bei einer großen Zahl von Schülern Anzeichen von Überforderung“. Die Stoffabfolge sei in einzelnen Fächern und Jahrgangsstufen „sehr gedrängt“, moniert Liebl. Einem Parallelangebot von G8 und G9, das bekanntlich in einigen bayerischen Gymnasien bereits erprobt wird, erteilt auch der Kempfenhausener Schulleiter eine Absage: „Bei unsere Schulgröße und drei Ausbildungsrichtungen wäre das nicht machbar.“

In Gilching wäre das Nebeneinander von G8 und G9 zumindest theoretisch möglich: „Von der Größe her könnten wir beides organisieren, es würde uns aber vor sehr große Herausforderungen stellen“, sagt Peter Meyer, Chef des Christoph-Probst-Gymnasiums. Persönlich könnte er sowohl mit dem G8 als auch mit dem G9 leben. „Ich muss allerdings zugeben, dass die Verfechter des neunjährigen Gymnasiums durchaus gute Argumente besitzen“, gibt Meyer zu und nennt die Schlagworte „Entschleunigung“und „Reifegrad“. Mit dem dichten Programm der 11. und 12. Jahrgangsstufe hat seinen Worten nach auch in Gilching „eine nicht geringe Anzahl von Schülerinnen und Schülern Probleme, was sich in Wiederholungen der Jahrgangsstufe und längerfristigen Erkrankungen zeigte“, beobachtet Meyer. Bei der Einführung des neunjährigen Gymnasiums müsse aber auf jeden Fall eine „Überholspur“ für diejenigen Schüler angelegt werden, die ihre Gymnasialzeit schneller bewältigen wollen, fordert der Gilchinger Direktor.

Die Überholspur wünscht sich auch sein Kollege vom Tutzinger Gymnasium, Bruno Habersetzer. „Es sollte an jedem Gymnasium eine Variante für Flinkere geben, konkret könnte man an das Überspringen einer Jahrgangsstufe denken“, meint der Tutzinger Schulleiter und macht grundsätzlich klar: „Eine eins zu eins Rückkehr zum alten G9 kann es nicht geben, denn die Schule hat es mit einer ganz anderen Schülergeneration zu tun als zu den vermeintlich seligen G9-Zeiten.“ Mehr Lernzeit, wie sie die neue neunstufige Form des Gymnasiums vorsehe, findet Habersetzer „grundsätzlich gut“, die vielen Investitionen in das G8 will er aber nicht missen. Unter anderem hebt der Direktor dabei die Vorzüge neuer Unterrichtsformen, die individuelle Förderstunden, Mittagsverpflegung und Nachmittagsbetreuung heraus. Andererseits räumt aber auch er ein: „Das Lernpensum ist tatsächlich hoch und besonders in der Mittelstufe durchaus stressig.“

In Gauting sieht man es anders. Ginge es nach Sylke Wischnevsky könnte alles so bleiben, wie es ist. Der Leiterin des Otto-von-Taube-Gymnasiums sind acht Jahre bis zum Abitur genug: „Man hat ein funktionierendes System geschaffen“, sagt die Direktoren. Im Würmtal werde kein Bedarf gesehen, daran etwas zu ändern. Die Gautinger Schüler kommen demnach problemlos mit dem G8 zurecht: Die Übertrittsquote von der Grundschule aufs Gymnasium liege bei 80 Prozent, die Durchfallquote in allen Klassen des Gymnasiums bei lediglich zwei Prozent, lässt Wischnevsky Zahlen sprechen. Über die geforderte Rückkehr zum G9 oder die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 hat sich die Direktorin deshalb zuletzt auch nicht groß den Kopf zerbrochen. „Wir warten ab, was bei dem Entscheidungsprozess rauskommt“, so Wischnevsky.

Gleiches gilt für das Starnberger Gymnasium: „Die Exekutive hat abzuwarten“, drückt es Direktor Josef Partsch aus. Zunächst sei jetzt die Politik gefragt, „wir erwarten die Entscheidung mit Spannung“, sagt der Schulleiter, der seine persönliche Meinung für sich behält. Immerhin macht auch er klar: „Ein Nebeneinander von G8 und G9 wäre sehr schwierig.“

Gleiches gilt für das Westufer des Ammersees: „Aufgrund der mittleren Größe des Ammersee-Gymnasiums ist nur G8 oder nur G9 machbar, wenn man die bestehenden Ausbildungsrichtungen mit dem entsprechenden Sprachenangebot beibehalten will“, erklärt Schulleiter Alfred Lippl. „Eine Mischung der Formen wäre kostenintensiv und würde damit deutlich zu Lasten der Wahlmöglichkeiten gehen“, gibt er zu bedenken. Lippl sieht „berechtigte Gründe sowohl für das G8 als auch für das G9“. Wichtig sei bei allem das Konzept, das der jeweiligen Form zugrunde liege, die Bedingungen für das geplante G9 müssten klar formuliert sein. Lippl: „Ein Wechsel zum G9 nur um des Wechselns willen darf nicht die Lösung sein.“

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