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Vor allem Sand holt ein Spezialbagger seit gestern aus den Häfen am Starnberger See. Start war in Tutzing, bis Ende Oktober werden noch mehr als zehn weitere Anlegestellen und Häfen ausgebaggert.

Starnberger See

Hafen-Ausbaggern: Ein Fußballfeld voller Sediment

Mehr als 7500 Kubikmeter Sediment aus dem Starnberger See werden bis Ende Oktober ausgebaggert und an anderer Stelle wieder im See verklappt. Nicht alle, die ihre Häfen ausbaggern lassen wollten, dürfen sich an der ersten Aktion dieser Art seit sechs Jahren beteiligen.

Starnberg/Tutzing – Mehr als ein Dutzend Anrainer des Starnberger Sees lassen durch eine Spezialfirma ab dieser Woche ihre Häfen und Anlegestellen ausbaggern. Insgesamt geht es um mehr als 7500 Kubikmeter Sediment, also die Schicht am Seeboden. Das ist genug, um ein Fußballfeld rund einen Meter hoch aufzuschütten. An Land kommt aber nichts davon: Der Schlick, vor allem aus Sand, wird auf Höhe Berg an einer Stelle wieder im See verkippt. Auch diese Aktion, die erste seit sechs Jahren, hat der Starnberger Werftbesitzer Anton Dreher organisiert.

Vor fast 20 Jahren hatte er erstmals Hafenbesitzer zu einer gemeinsamen Baggerkampagne zusammengebracht, „damit nicht jedes Jahr einer baggert“. Vereinbart ist, alle fünf Jahre ausbaggern zu lassen. An dieser Kampagne beteiligen sich mehrere Segel- und Ruderclubs, Werften, die Bundeswehr mit ihrem Tauchstützpunkt in Percha, die TU München mit ihrem Gelände am Unteren Seeweg sowie einige Privatleute. Start diese Woche ist in Tutzing. Der Seesüden ist nicht betroffen – der See versandet vor allem im Norden und an Bacheinläufen. „Südweststürme bringen viel rein“, sagt Dreher, dessen Rambeck-Werft genau am Nordende des Sees liegt. Die Starnberger Bucht verflache sowieso und habe nur noch eine Wassertiefe von etwa 2,20 Meter. Die Strömung spült Sedimente in die Häfen – werden sie nicht ausgebaggert, „kommen wir eines Tages nicht mehr rein oder raus.“ Bei Dreher werden die Zufahrt und der Hafen ausgebaggert, rund 1500 Kubikmeter werden es sein, schätzt er.

Zwei Stellen zum Verklappen

Die Sedimente werden mit einem Ponton zu mit Bojen markierten Flächen auf Höhe Berg oder vor Bernried gebracht und dort wieder in den See gekippt. Aus gutem Grund: So überleben die Kleinstlebewesen im Seeboden. Dreher musste dieses Verfahren seinerzeit genau untersuchen lassen, daher weiß er: Die Sedimente fallen senkrecht nach unten und verteilen sich dort. Voraussetzung dafür ist, dass das Sediment nicht belastet ist. Fachleute untersuchten daher vor dem Baggern Wasser und Boden. Ist er belastet, darf er nicht verklappt werden.

Dieses Mal traf es die Seenschifffahrt, die ihren Hafen eigentlich recht bald ausbaggern lassen will. „Der Georgenbach schwemmt viel an“, sagt Betriebsleiter Ralph Schlemmert. Jedoch: Die Untersuchungen hatten ergeben, dass Material aus dem Schifffahrtshafen nicht verklappt werden darf. Wie die Schifffahrt nun weiter verfährt, müsse noch geklärt werden, erklärte Schlemmert.

Rund 300 Fahrten über den See

Die Arbeiten begannen am Montag beim Deutschen Touring Yacht-Club in Tutzing. Der fest auf einem Schwimmponton installierte Bagger holt ein bis eineinhalb Kubikmeter mit einer Schaufel vom Seeboden. Theoretisch könnte er bis zu acht Meter tief baggern, was am Starnberger See jedoch weder nötig noch zulässig sei, erklärt Helmut Mailhammer, Chef der beauftragten Firma aus der Nähe von Mühldorf am Inn. Die Sedimente werden auf dem Ponton zwischengelagert, 20 bis 30 Kubikmeter haben dort Platz. Dann fährt das Gespann zu den Abladeplätzen und lässt den Schlick langsam wieder in den See gleiten – rechnerisch werden es in der gesamten Kampagne rund 300 Fahrten. Die beiden Mitarbeiter der Firma können durcharbeiten. „Das Wetter ist uns ziemlich egal, außer bei Sturm“, sagt Mailhammer. Früher habe sein Unternehmen viel öfter solche Ausbaggerungen vorgenommen, doch würden sie vielfach nicht mehr genehmigt.

In Starnberg wird voraussichtlich ab Mitte des Monats gebaggert. Die Arbeiten sind vom Landratsamt genehmigt und müssen aus Naturschutz- und Fischereigründen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

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