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Straßenbau

Neue Straßen? Hanfeld sagt: "Nein danke!"

Hanfeld - Die Hanfelder wollen nicht für neue Straßen zahlen, die durch den Kanalbau nötig werden. Letztendlich entscheidet das aber der Stadtrat.

Der Dorfaufstand in Hanfeld geht weiter: Mit nur wenigen Enthaltungen und Gegenstimmen haben die Hanfelder in der Bürgerversammlung im voll besetzten Schützenheim fast alle Vorschläge zur Verbesserung ihrer Straßen nach dem Kanalbau abgelehnt. Lediglich Grüninseln, teils mit Querungshilfe, zur Temporeduzierung an den Ortseingängen fanden Zustimmung. Letztendlich entscheidet der Stadtrat, was umgesetzt wird.

Was die Mehrheit der Grundstückseigentümer in Hanfeld nicht will, liegt Bürgermeisterin Eva John inzwischen auch schriftlich vor – unterschrieben von 90 Bürgern. Sie fürchten die Rechnung, die ihnen nach Abschluss der Kanalarbeiten zusätzlich noch für den Straßenbau präsentiert werden soll. So rechnet Dr. Karl Keller, Sprecher des Arbeitskreises der Hanfelder Bürger, insgesamt mit einem Betrag von mehreren tausend Euro für sich persönlich. Er und seine Mitstreiter verweisen auf frühere Beschlüsse, dass eine Dorfverschönerung abgelehnt wird. In Hanfeld gilt nur die Sankt-Michael-Straße und der Abt-Hörl-Weg rechtlich als erstmalig hergestellt – für sie trägt die Stadt alle Kosten, so lange es keine Straßenausbaubeitragssatzung gibt. Bei allen anderen Straßen müssen die Anwohner mitbezahlen.

Die Hanfelder trauen aber dem Frieden nicht. Sie wiesen mehrmals darauf hin, dass das Landratsamt die Wiedereinführung der Satzung verlangt (wir berichteten) und der Ausgang des Klageverfahrens, das die Stadt dagegen anstrengt, nicht vorhersehbar sei. Alle Nebenstraßen werden bislang als nicht erstmalig hergestellt eingestuft, was bedeutet, dass Anlieger zu Herstellungsbeiträgen in Höhe von 90 Prozent der Gesamtkosten herangezogen werden. John bat die Hanfelder, dem Rathaus ihre Unterlagen zugänglich zu machen, aus denen ersichtlich sein könnte, wann Alm-, Hirtswies- und Jägerweg, Mamhofener-, Mühlthaler- und Hausener Straße erstmals Erschließungsfunktion bekamen. Voraussetzung dafür ist eine „gehäufte Bebauung“ an den betroffenen Straßen. Zusätzlich hat die Stadt ein Gutachten an die Fachhochschule München vergeben. Der Gutachter soll mittels technischer Untersuchung des Straßenunterbaus klären helfen, ob die Straßen erstmalig hergestellt wurden oder nicht.

Ingenieur Andreas Ott hatte im Auftrag der Stadt und des Abwasserzweckverbandes die Anregungen der Hanfelder aus der Dezember-Bürgerversammlung in seine Planungen aufgenommen. Montagabend versuchte er den Rest seiner Vorschläge zu verteidigen. Sie sollten einer langen Lebensdauer der neuen Straßen dienen, fanden aber keine Gnade vor den Augen der Bürger. Diese verwarfen fast alle Veränderungen und machten aus ihrer Sicht kostengünstigere Vorschläge. Ott warnte: „Ich werde das Rathaus schriftlich darauf hinweisen, dass ich das so nicht empfehlen kann und gegen einige Dinge Bedenken habe.“ So ging es vor allem um die Einfassung der Straßenränder nach der Neuasphaltierung. Ott hatte zweizeilige Granitsteinpflasterung empfohlen, die Hanfelder plädieren für einen einseitigen, angeblich weniger als die Hälfte kostenden Betonrinnenstein wo dieser zur Führung des Regenwassers unerlässlich ist.

Abgelehnt haben sie außerdem die Verschmälerung der Sankt-Michael-Straße, so dass dort automatisch neu eingeplante und im Dezember noch geforderte Parkplätze wieder wegfallen und Gehwege wie gehabt fortbestehen sollen. Die Hanfelder argumentieren, die Straße sei Umleitung, wenn die Umgehungsstraße gesperrt sei. Die Pflanzung von Bäumen zusätzlich zum Bestand wurde nun komplett abgelehnt, ebenso jegliche Pflasterungen an den Einmündungen der Nebenstraßen, am Schützenhaus, Maibaum oder Ortseingängen. Für das Umfeld des Maibaums kündigte Franz Heidinger einen eigenen Vorschlag des Brauchtumsvereins an. „Ich bitte darum“, sagte John, die zuvor jeden Punkt der geplanten Veränderungen an den Straßen einzeln hatte abstimmen lassen.

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