Der neue Vorstand des Tierschutzvereins Starnberg (v.l.): stellvertretende Vorsitzende Claudia Bläser, Schriftführerin Ute Schreyer-Hörauf, Vorsitzender Rainer Henkelmann und Schatzmeisterin Angela Gablenz.
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Der neue Vorstand des Tierschutzvereins Starnberg (v.l.): stellvertretende Vorsitzende Claudia Bläser, Schriftführerin Ute Schreyer-Hörauf, Vorsitzender Rainer Henkelmann und Schatzmeisterin Angela Gablenz.

Die Auswirkungen der Krise

Harte Zeiten trotz Millionen-Erbschaft für Tierschutzverein Starnberg

Die großzügige finanzielle Unterstützung zweier Verstorbener hat dem Tierschutzverein Starnberg im vergangenen Jahr das Überleben gesichert. Allerdings stellt die Corona-Krise Verein und Tierheim weiterhin vor große Herausforderungen.

Starnberg/Gilching – Eineinhalb Monate lang war das Starnberger Tierheim während des Corona-Lockdowns komplett dicht. Inzwischen dürfen Besucher vereinzelt nach Terminabsprache das Gelände wieder betreten, auch Vermittlungen sind begrenzt wieder möglich. Nach dem neuen Hygienekonzept arbeiten die Mitarbeiter nun streng getrennt in ihren Bereichen. Für die Nutzung der gemeinsamen Futterküche gibt es strikte Zeitpläne. Das schilderte das scheidende Vorstandsmitglied Holger Kapra in der Jahreshauptversammlung des Tierschutzvereins am Wochenende in Gilching.

Vergangenes Jahr hat das Tierheim insgesamt 870 Tiere aufgenommen, darunter 225 Katzen, 89 Hunde, 214 Kleintiere und 342 Wildtiere. 373 Tiere konnten vermittelt werden, 207 Tiere wurden ausgewildert. Das alles kostet: Allein im vergangenen Jahr gab das Tierheim 872 178 Euro aus. Größter Posten waren die Ausgaben für das Personal in Höhe von 443 317 Euro. Für Tierarzt und Tierkliniken kamen 128 000 Euro hinzu.

Katzenhaus: Neubau vorerst auf Eis gelegt

Dank einer sicher angelegten Millionen-Erbschaft sowie einem weiteren Geld-Vermächtnis belief sich der Gewinn des Tierschutzvereins 2019 zwar noch auf 1,1 Millionen Euro. „Wir brauchen keine Angst zu haben, nächstes Jahr nicht mehr zu existieren“, sagte Kapra. Aber: Die Erbschaften seien lebensnotwendig gewesen. In diesem Jahr rechnet der Verein mit einem deutlichen Verlust von rund 200 000 Euro. Verantwortlich dafür ist der Rückgang von Spenden. Auch schlagen die geringeren Vermittlungsgebühren und die um 80 Prozent gesunkenen Einnahmen bei den Pensionstieren zu Buche. Handlungsbedarf ist also nötig.

Um Kosten einzusparen hat der Verein auf verschiedene Projekte verzichtet. So ist der Neubau für das marode, hölzerne Katzenhaus erst einmal auf Eis gelegt. Arbeitskleidung müssen die Mitarbeiter nun selber waschen. Außerdem habe der Vorstand alle laufenden Verträge nach Einsparpotenzialen und besseren Konditionen durchforstet, sagte Kapra.

Schade findet er, dass sich die Gemeinden nur mit 60 Cent pro Einwohner an der Versorgung von Fundtieren beteiligen – zehn Cent steuert der Landkreis noch pro Einwohner hinzu. In anderen Landkreisen bekommen die Tierschutzvereine bis zu 1,20 Euro. „Wenn es uns nicht geben würde, müsste der Landkreis alles selber finanzieren“, sagte Kapra.

Auf 93 113 Euro beliefen sich im vorigen Jahr die Einnahmen aus Fundtierverträgen mit den Gemeinden. Knapp 110 000 Euro brachten die Beiträge der insgesamt rund 1500 Mitglieder. Spenden gingen knapp 207 000 Euro ein.

Im vergangenen Jahr konnte der Verein ein neues Wildtiergehege und zwei weitere Hundeausläufe bauen sowie weitere Boxen für Quarantäne-Katzen anschaffen. Alle drei Projekte sind dank Spenden möglich geworden. Endlich fertig ist auch die neue Energieanlage, die Wärme und Strom per Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärmekopplung sowie einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hundehauses für minimal drei Gebäude erzeugt. Zur Abdeckung von Spitzenlast bei der Wärmeerzeugung kommt ein Gasbrennwertkessel zum Einsatz. Mit der Inbetriebnahme der neuen fernüberwachten Anlage im Dezember konnten die beiden alten Ölheizungen abgeschaltet und der große Heizöltank nahe des Landschaftsschutzgebietes stillgelegt werden. Insgesamt vier Tonnen CO2 werden nun jährlich eingespart.

Rainer Henkelmann neuer Vorsitzender

Neuer Vorsitzender des Tierschutzvereins ist Rainer Henkelmann. Er wurde auf der Versammlung von den 40 anwesenden Mitgliedern bei zwei Enthaltungen gewählt. Der 64-Jährige wohnt in Gilching, ist selbstständiger Berater und Gutachter für die Europäische Kommission im technischen Bereich und kam einst als Igel-Betreuer zum Tierheim. Vor gut einem Jahr war er vom Vorstand beauftragt worden, die Umsetzung der neuen Energieanlage zu betreuen, die noch unter der Leitung des ehemaligen Vorsitzenden Thomas Fischer beschlossen worden war. Zu seiner Stellvertreterin wurde Claudia Bläser bestimmt, neue Schriftführerin ist Ute Schreyer-Hörauf. Schatzmeisterin bleibt bis zu den turnusmäßigen Wahlen in einem Jahr Angela Gablenz. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Karin Endesfelder-Angerbauer sowie Iris und Holger Kapra zogen sich aus privaten Gründen aus der ersten Reihe zurück.

Andrea Jaksch

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„Bavaria Weed“ ist das einzige Unternehmen in Bayern, das ab sofort medizinisches Cannabis in großen Mengen importieren und verarbeiten darf. Seinen Sitz hat die Firma in Herrsching, produziert und verpackt wird der Rohstoff in Leipheim bei Günzburg.

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