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Petrus und der Heilige Florian: Thomas Beigel (l.) und Bernhard Gawinski gehören zum brillanten Ensemble.

Kasbrettl und Heimatbühne

Ein Hauch Nockherberg in der Schlossberghalle

Starnberg – Das Kasbrettl der Kolpingsfamilie und die Heimatbühne kooperieren nach vier Jahren wieder in einem gemeinsamen Theaterstück. 

Die fulminante Premiere am Donnerstagabend zeigte „vorschriftsmäßig!?!“ als ein bestechendes Potpourri aus Spielszenen und Gesangseinlagen rund um Behördenwahnsinn und Lokalpolitik. Der Himmel soll es richten: Der grimmige „Schlossgeist“ (Max Wörsching) überbringt Starnberger Beschwerden, so etwa zu den bürokratischen Brandschutzauflagen im Pfarrzentrum. Mit wunderbarer Leichtigkeit deutet der Theater-Nachwuchs das dröge Problem um – in eine spritzige Eltern-Kind-Nerverei.

Im „erwachsenen“ Starnberg geht es nicht minder kindisch zu. Ein Immobilienhai (aalglatt: Andreas Weger) sülzt salbungsvoll-absurd über eine Villa. Nahtlos folgt darauf der „Hausmeister“ (Wolfgang Siebler) und beklagt den ungeordneten Zuzug nach Starnberg – doch er zielt auf ganz andere Leute, als man denkt. Viel belachte Sketche gibt es auch über die Beichtstuhlfrequentierung in der Kirche und die Neuerungen bei der Feuerwehr, die Jakob Baumgartner und Herbert Kraus in ein pointiertes Zwiegespräch packen.

Die Regisseure Max Wörsching, Wolfgang Siebler und Thomas Beigel schaffen es, quasi minütlich einen Gag unterzubringen, mindestens aber köstliche Süffisanz. Genauso geschickt wechseln die Szenenbilder. Umbaupausen gibt es keine, stattdessen bekommt das bewirtete und mit Tischen versehene Parkett während der drei Stunden Aufführungsdauer zwei Ess- und Trinkpausen.

Im kabarettistischen Glanz des Stücks sind die Gesangseinlagen die Edelsteine. Mal kommt die Musik aus dem Ensemble selber, etwa als die „Zwergenbande“ sich zum wunderbar tölpelhaften Stehlen eines Windrad-Stangerls Mut ansingt. Ansonsten sorgen fünf junge Live-Musiker, geleitet von Benjamin Keinert, für die Melodien bekannter alter Schlager. Diese bekommen neue Texte.

Eine regelrechte Hymne formuliert der Schlossgeist. „Starnberger sein“ (auf die Melodie von „Griechischer Wein“) spießt Missstände der Kreisstadt auf: Nachtleben, Einkaufsvielfalt, Immobilienerschwinglichkeit und Gestaltungskraft des Stadtrats. Zu diesem Gremium gibt’s noch die Paraderolle von Manfred Stark. Mit Falsettstimme brilliert er als „Starnbergs Königin“ (Schönheitskönigin von Schneizlreuth) und singt keck, die Wahl „allein verdank ich nur / Starnbergs edler Streitkultur“.

Da sind die Zuschauer baff. Ob sich hingegen der Himmel noch den Starnberger Wünschen annimmt? Petrus (Thomas Beigel) ist schon herzhaft genervt von den Anliegen der Stadt und genauso vom Heiligen Florian (richtig rechthaberisch: Bernhard Gawinski). Der nämlich will Erzengel Michael (derb-deftig: Markus Kreisl) das „Flammschwert“ wegsperren, so will es schließlich die neue himmlische Brandschutzverordnung. Dann kann das ja gar nicht mehr gut ausgehen für Starnberg – oder etwa doch?

Fazit: Ein Hauch von Nockherberg in der Schlossberghalle, nicht zu brav, nicht zu böse, genau richtig. Absolut sehenswert.

Weitere Vorführungen:

1., 2., 6., 7. und 8. Oktober jeweils um 20 Uhr, 3. Oktober um 17 Uhr, Schlossberghalle. Karten im Tourismus-Büro, Hauptstraße 1, Tel.: (0 81 51) 9 06 00.


Von Andreas Bretting

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