Belegte Semmeln und mehr bietet Markus Reiter seit dieser Woche in seinem Brotzeit-Wagen an der Petersbrunner Straße an. Es ist seine Antwort auf den Lagerkoller.
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Belegte Semmeln und mehr bietet Markus Reiter seit dieser Woche in seinem Brotzeit-Wagen an der Petersbrunner Straße an. Es ist seine Antwort auf den Lagerkoller.

Vom Kundenbetreuer zum Imbiss-Betreiber

Hauptsache gastfreundlich

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Markus Reiter musste einfach wieder raus, was tun, Menschen sehen und sie umsorgen – dann halt eben kulinarisch. „Ich habe irgendwann den kompletten Lagerkoller gekriegt. Und so langsam fehlt das Einkommen“, sagt er. „Von 100 auf 0“ habe Corona die Branche des 53-Jährigen aus Percha im vergangenen Jahr ausgebremst. Reiter arbeitete für eine Hospitality-Agentur, er wurde zum Beispiel als Betreuer gerufen, wenn ein großes Unternehmen Geschäftspartner oder Kunden aufs Oktoberfest oder zu Messen einlud.

Starnberg - Doch mit Veranstaltungen lässt sich bekanntlich schon länger kein Geld mehr verdienen. Hospitality heißt Gastfreundschaft – die praktiziert Reiter nun in anderer Form. Montags bis freitags (6.30 bis 14 Uhr) steht er in einem Brotzeit-Wagen an der Petersbrunner Straße, verkauft Butterbrezn, Kaffee, Krapfen, Salate, Schnitzel- und Leberkässemmeln oder auch mal ein Frühstücksmüsli im Glas.

„Starnbäcker“ nennt sich Reiter, andere sagen „Kiosk-Toni“ zu ihm, seit er im Winter 2019/2020 auf der Terrasse der Seestubn in Percha mithalf. An den ersten Tagen in dieser Woche schauten viele Bekannte auf einen Kaffee oder Snack vorbei, aber auch Angestellte der Firmen in der Nähe holten sich eine Brotzeit, berichtet Reiter. „Ich lerne stündlich dazu“, sagt er über seinen neuen Job. Man müsse ja erst mal herausfinden, wie viele Semmeln und Brezn man im Schnitt überhaupt loswird. Die Lage sei gut, gerade auch, weil seit dem Durchstich der Petersbrunner Straße (wir berichteten) mehr Verkehr herrsche. Der Starnbäcker backt nicht selbst, er belegt die Waren und richtet sie hübsch an. Grundkenntnisse hat er: „Freunde arbeiten in der Branche“, erklärt der 53-Jährige. Von deren Backwaren-Anbieter werde er beliefert.

Reiter will sein eigener Herr sein, er sei es gewöhnt, selbstständig zu arbeiten. „Deshalb war ich nicht erpicht darauf, in eine Marketing-Agentur zu gehen.“ Wie und wann es in der Hospitality-Branche weitergeht, ist nach wie vor unsicher. „Die Aussichten sind noch immer nicht rosig“, sagt der 53-Jährige, der in diesem Zusammenhang auch sein Alter als schwierigen Faktor anführt.

Statt Geschäftskunden einen angenehmen Aufenthalt zu bescheren, steht er nun frühmorgens auf, um Obstjoghurt oder Schinkensemmeln herzurichten. Eigentlich wollte er schon Ende 2020 starten. Den Standplatz an einer alten Halle der Firma Houdek hatte er sich über private Kontakte schon gesichert. Aber die Behörden-Genehmigungen hätten sich mit dem zweiten Lockdown kompliziert gestaltet. Deshalb wartete Reiter noch ab – bis der Lagerkoller nicht mehr auszuhalten war.  

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