Waldbrandgefahr
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In Starnberg wird über die Wiedereinführung einer Baumschutzverordnung diskutiert.

„Haus und Grund“ ist dagegen, der Bund Naturschutz dafür

Starnberg: Diskussionen um Baumschutzverordnung

Die Diskussion um die Wiedereinführung einer Baumschutzverordnung in Starnberg hat den Verein „Haus & Grund“ auf den Plan gerufen – er ist strikt gegen den Erlass. Der Bund Naturschutz hingegen ist dafür.

Starnberg – Der Haus- und Grundbesitzerverein Starnberg und Umgebung lehnt die Wiedereinführung einer Baumschutzverordnung für Starnberg kategorisch ab. Vorsitzender August Mehr: „Nach unserer Auffassung wäre es die erste Pflicht des Stadtrates, die Bürger von bürokratischen Bevormundungen zu entlasten und nicht neue Bevormundungen und Regeln aufzustellen. Die Baumschutzverordnung, wonach Bäume nur noch nach vorheriger Genehmigung durch die Stadt Starnberg gefällt werden dürfen, stellt eine solche Bevormundung dar, für die es keinerlei Anlass gibt.“ Die Immobilienbesitzer gingen höchst verantwortungsvoll mit ihrem Baumbestand um, betonte Mehr – und es seien auch keine groben Rodungen bekannt geworden. „Seit der Aufhebung der Baumschutzverordnung im Jahr 2015 hat sich Starnberg keineswegs in eine Wüste verwandelt, im Gegenteil: Starnberg ist grüner denn je!“

Der Aufwand stört den Verein am meisten. 380 Anträge habe es in einem Jahr der alten Verordnung gegeben, von denen 350 genehmigt wurden. Mehr: „Wir wissen aus unserer Beratungspraxis, dass oftmals vonseiten der Stadt Starnberg die Vorlage von Gutachten verlangt wurde, wonach der Baum krank oder gefährdet sei, um überhaupt zu einer Fällgenehmigung zu kommen. Solche Gutachten haben erhebliche Kosten verursacht, ganz abgesehen von dem ständigen bürokratischen Hin und Her bei solchen Fällen.“ Angesichts der Überlastung der Bauverwaltung empfindet Mehr die Idee einer Wiedereinführung als abwegig – dann bräuchte es noch mehr Personal, das die Stadt nicht hat. Der Verein rief die Stadträte auf, dem Vorschlag nicht zu folgen.

Irmgard Franken, Vorsitzende des Bund Naturschutz, wirbt für Baumschutzverordnung

Andere hingegen hoffen, dass sie genau das tun. Irmgard Franken, Vorsitzende des Bund Naturschutz, wirbt für die Wiedereinführung. Eine Schutzverordnung sei „ein Signal, dass ein Baum ein hohes Gut ist“, sagt sie, und von hoher Bedeutung für Stadtklima und bessere Luft. Gibt es eine Regel, dringt das eher ins Bewusstsein der Immobilienbesitzer. Und wenn man sich vor einer Fällung mit einem Fachmann beraten muss, ergeben sich durchaus Möglichkeiten für einen Erhalt. Jeder mit Grund und Boden habe Verantwortung für einen naturnahen Außenbereich und solle nicht Gärten zubetonieren. Auch wenn es ein kühles Frühjahr war, es werde wieder Zeiten geben, in denen man sich viele Bäume auch als Schattenspender wünsche.

Wie berichtet, hat die CSU im Stadtrat die Wiedereinführung der Baumschutzverordnung angeregt. Das Thema wurde im Bauausschuss bereits lebhaft diskutiert, derzeit bilden sich die Fraktionen eine Meinung – nach den Wortmeldungen erscheint eine Mehrheit gut möglich. Nach Zahlen der Stadtverwaltung wurden etwa 90 Prozent der Anträge genehmigt, in der Regel wurden Nachpflanzungen vorgeschrieben. Noch vor der Sommerpause soll das Thema erneut in die Gremien.

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