Florian Egginger empfängt als Nikolaus am nächsten Wochenende Kinder mit ihren Eltern im Pfarrhof von St. Benedikt in Gauting.
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Florian Egginger empfängt als Nikolaus am nächsten Wochenende Kinder mit ihren Eltern im Pfarrhof von St. Benedikt in Gauting.

Tradition in Corona-Zeiten

Hausbesuch beim statt vom Nikolaus: Wo Kinderaugen heuer zum Leuchten gebracht werden

  • Katja Brenner
    VonKatja Brenner
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Zu den Kindern nach Hause kann der Nikolaus heuer wegen der Corona-Pandemie nicht kommen, was auch für die Nikolaus-Darsteller im Landkreis schade ist. Mancherorts haben sie sich jedoch eine Alternative einfallen lassen.

Landkreis – Für die Kleinen ist er einer der Höhepunkte der Vorweihnachtszeit: der Nikolaustag, wenn ein als Heiliger Nikolaus verkleideter Mann mit Äpfeln, Nüssen und anderen Geschenken sie zu Hause besucht. In diesem Jahr ist aber auch das anders. Denn wegen der Corona-Pandemie haben die Nikoläuse im Landkreis die Hausbesuche abgesagt.

Vielerorts organisieren die Kolpingsfamilien die Besuche, zum Beispiel in Gilching. Jürgen Schulz, Vorsitzender der Gilchinger Kolpingsfamilie, ist selbst mehrere Jahre als Nikolaus verkleidet zu den Familien gegangen, mittlerweile ist der 53-Jährige noch als Reserve im Hintergrund dabei. Der Vorstandschaft sei die Entscheidung schwergefallen, dass der Nikolausbesuch heuer nicht stattfinden kann.

Viele Absagen: „Die Gesundheit geht vor“

„Wir bedauern das alle sehr“, sagt Schulz. Die Absage sei aber nötig gewesen, „um unsere Aktiven zu schützen, aber auch die Familien, in die wir gehen“. Pro Jahr besuchen die sechs bis sieben Gilchinger Nikoläuse insgesamt mehr als 80 Familien mit 250 Kindern.

Auch Christian Wiegand aus Starnberg, der sozusagen als freischaffender Nikolaus unterwegs ist, musste alle Buchungen absagen. „Die Gesundheit geht vor“, sagt er. Werner Pöllmann, pensionierter Postbeamter und seit über 40 Jahren in Herrsching als Nikolaus unterwegs, erklärt, dass die meisten Nikoläuse über 60 Jahre alt seien und somit zur Corona-Risikogruppe gehörten. Die Gefahr, sich durch Hausbesuche anzustecken, sei „viel zu groß“, sagt er. Außerdem würde ein voll besetztes Auto mit Nikolaus, Krampus und Fahrer schon gegen die Kontaktbeschränkungen verstoßen.

Ähnlich sieht es Andreas Weger, einer der drei Nikoläuse und Vorsitzender der Starnberger Kolpingsfamilie. Er und seine beiden Mitstreiter treffen in einem normalen Jahr jeweils auf etwa 20 Familien mit zwei bis fünf Kindern, hinzu kommen bis zu 150 weitere Mädchen und Buben in Schulen und Kindergärten. Auch wenn die meist zwei Tage mit Besuchen vollgepackt sind, sei es eine sehr erfüllende Aufgabe.

Viele Familien bestellten schließlich jedes Jahr den Nikolaus, sodass diese die Kleinen mit heranwachsen sehen. Das es heuer nicht so ist, „da blutet uns allen drei das Herz“, sagt Weger. Aber: „Ich will auch gesund bleiben. Ich habe Verantwortung gegenüber meiner Arbeit und meiner Familie“, sagt der 44-jährige Ingenieur. Und er gibt zu bedenken, dass man nicht jeden kenne, der einen bucht. Es könne also auch passieren, dass man in eine Querdenker-Familie komme, die „die Bude voll mit Gästen hat“. Das Online-Buchungstool der Starnberger Nikoläuse, über das man sich für Termine eintragen kann, wurde daher in diesem Jahr gar nicht erst freigeschaltet.

„Es ist ja alles dieses Jahr irgendwie anders“, sagt auch Martin Eickelschulte, IT-Unternehmer aus Starnberg und seit rund einem halben Jahrzehnt ehrenamtlicher Nikolaus. Dass die Besuche ausfallen, sei zwar schade – „aber es gibt Schlimmeres“, sagt er.

Alternativprogramme in Dießen und Gauting

Mancherorts haben sich die Nikoläuse jedoch eine Alternative zum Besuch daheim ausgedacht. Wenn der Nikolaus nicht zu den Kindern kommen kann, können die zu ihm kommen – selbstverständlich mit Abstand, auch die Geschenke werden kontaktlos übergeben. Für die Dießener Kolpingsfamilie ist Stefan Brachner im Einsatz. „Die Kinder haben zur Zeit unglaublich viele Einbußen, was soziale Kontakte und positive Erlebnisse anbelangt“, sagt der 45-jährige Familienvater. Wenigstens die Freude über den Nikolaus soll ihnen dafür zuteil werden.

Die Kinder und Familien können den Nikolaus am 5. und 6. Dezember jeweils von 17 bis 20 Uhr im Stephanshof links vom Marienmünster besuchen. Voraussetzung ist jedoch, sich vorher anzumelden und einen Fragebogen auszufüllen. Für Kinder über sechs Jahren besteht Maskenpflicht. Der Nikolausdienst ist gratis, um Spenden zugunsten des Caritas Baby Hospital in Bethlehem wird gebeten. Interessierte melden sich im Pfarrbüro unter z (0 88 07) 9 48 94, bei Stefan Brachner unter z (0 88 07) 9 47 00 22 oder per E-Mail an kolping@brachner.de. Die meisten Termine sind aber bereits ausgebucht.

Die Katholische Jugend Gauting hat hingegen noch ein paar Termine frei. Ihr Besuch beim Nikolaus ist ebenfalls am 5. und 6. Dezember, jeweils von 16 bis 20 Uhr, im Pfarrhof beziehungsweise im Pfarrgarten von St. Benedikt. Interessierte Familien können sich unter nikolaus@miniwecker.de anmelden.

Wer kommt, wird auf den wahrscheinlich jüngsten Nikolaus im Landkreis treffen. Unter dem Bart steckt nämlich der 22-jährige Florian Egginger. Er ist seit drei Jahren als Nikolaus mit dabei und möchte die Tradition aufrecht erhalten. „Wenn man das einmal gemacht hat, möchte man es nicht mehr missen“, sagt er und denkt an das Leuchten in den Augen der Kinder. Es sei für alle Beteiligten „eine schöne Erinnerung“. Die Eltern müssen die Geschenke natürlich vorher vorbeibringen, anschließend nimmt sich der Nikolaus 10 bis 15 Minuten Zeit für jede Familie.

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