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Ein erheblicher Teil der Investitionen in Schulen geht für die neue Turnhalle der Realschule in Herrsching drauf.

Haushalt 2017

Die Ruhe vor dem Sturm

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Landkreis – 574 Seiten stark ist der Entwurf des Haushalts 2017 der Kreisverwaltung. Was steht in der telefonbuchdicken Beschlussvorlage?

Die Zahlen sind schon gigantisch, die der Landkreis im Jahr bewegt. Im kommenden Jahr sind es rund 175 Millionen Euro. Dafür bekommen die Bürger aber auch einiges geboten. So stehen mittlerweile 522 Mitarbeiter im Stellenplan der Kreisverwaltung. Kein Wunder, dass diese schon längst nicht mehr nur im Landratsamt am Seeufer untergebracht werden können, sondern auf mittlerweile vier verschiedene Standorte verteilt sind. 

Kreisumlage soll um 0,3 Prozentpunkte steigen

14 neue Arbeitsverträge sollen im kommenden Jahr unterschrieben werden. Und weil das Leben im Fünfseenland teuer ist, steigen die Personalkosten auch 2017 wieder kräftig. Rund 1,5 Millionen Euro zusätzlich sind vorsorglich eingeplant. Darin eingerechnet sind die normalen Tarifsteigerungen, dazu kommen noch die Leistungszulagen, die um rund ein Prozent erhöht werden sollen.

Das Geld, mit denen Landrat Karl Roth und seine Mitarbeiter arbeiten, kommt zu erheblichen Teilen von den 14 Gemeinden im Landkreis. Diese zahlen die so genannte Kreisumlage dafür, dass der Landkreis für sie Aufgaben übernimmt. Wie viel jede Gemeinde nach Starnberg überweisen muss, legt die so genannte Kreisumlage fest. Diese soll laut dem gestern im Kreisausschuss vorgelegten Haushaltsentwurf im kommenden Jahr um 0,3 Prozentpunkte steigen.

Wofür will der Landkreis im kommenden Jahr sein Geld ausgeben?

Dafür bekommen die zahlreichen Bürgermeister, die im Kreistag sitzen, aber auch ein Zuckerl. Mussten die Gemeinden bislang die Beiträge für die gfw und den Tourismusverband selbst zahlen, übernimmt das der Landkreis ab dem kommenden Jahr, wenn die beiden Verbände verschmolzen sind.

Dass der Landkreis im kommenden Jahr dennoch mehr Geld zur Verfügung hat als heuer liegt daran, dass die Steuerkraft gestiegen ist – um immerhin 11,1 Prozent, ein Spitzenwert selbst im florierenden Oberbayern. Und ein Beleg dafür, dass es den Unternehmen und den Bewohnern im Landkreis Starnberg gut geht. Einsamer Spitzenreiter ist hier wieder einmal die Gemeinde Pöcking, deren Steuerkraft im Jahr 2016 nach Aussage von Landrat Roth um sensationelle 64 Prozent zugelegt hat.

Doch wofür will der Landkreis im kommenden Jahr sein Geld ausgeben? Insgesamt drei Millionen Euro fließen in Investitionsmaßnahmen an den weiterführenden Schulen. Ein erheblicher Teil des Geldes geht dabei für die neue Turnhalle der Realschule in Herrsching drauf. Eine Bundesliga-Arena für die Volleyballer will der Landkreis dennoch nicht finanzieren. „Förderfähig wäre der Bau einer Zweifelderhalle, dementsprechend übernehmen wir auch 90 Prozent der Kosten, die dafür anfallen würden“, so Roth. Mit anderen Worten: Wollen die Herrschinger eine standesgemäße Heimstatt für den „geilsten Club der Welt“, müssen sie den Differenzbetrag aus der Gemeindekasse bezahlen.

1,8 Millionen Euro werden in das Klinikum Seefeld gepumpt

Fünf Millionen Euro werden 2017 für Modernisierungsmaßnahmen am Landratsamt ausgegeben: das Dach wird erneuert, die Kältetechnik modernisiert und ein vergleichsweise kleiner Betrag wird bereits für Vorbereitungsarbeiten für die millionenteure Erweiterung des Landratsamtsgebäudes aufgewendet (wir berichteten).

1,8 Millionen Euro werden in das Klinikum Seefeld gepumpt – nicht eingerechnet sind in diese beachtliche Summe allerdings die Kosten für den Bau zusätzlicher Operationssäle, die für das Überleben des Krankenhauses dringend nötig sind (wir berichteten).

2017 ist die Ruhe vor dem Sturm auf die Kreditinstitute

Zudem soll im kommenden Jahr endlich die unfallträchtige Hauser Kreuzung an der Abfahrt nach Königswiesen auf der Staatsstraßen zwischen Gauting und Starnberg zu einem Kreisverkehr umgebaut werden. Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger hat sogar doppelten Grund zur Freude: Auch der weitere Ausbau der Münchener Straße zwischen der Einmündung der Planegger Straße und dem Ortsausgang Richtung Neuried hat den Weg in den Kreishaushalt gefunden. Das alles finanziert sich natürlich nicht so ohne weiteres. So erleichtert der Landkreis sein Sparkonto um drei Millionen Euro, weitere 11,2 Millionen Euro will sich Landrat Karl Roth von den Banken borgen.

Das würde bedeuten, dass die Pro-Kopf-Verschuldung jedes einzelnen Bewohners des Landkreises, die im Jahr 2015 noch bei 96 Euro gelegen hatte, schlimmstenfalls Ende 2017 bereits bei 339 Euro und damit deutlich über dem Durchschnitt der anderen Landkreise in der Region liegen würde.

Dabei sind die wirklich großen Brocken – Anbau Landratsamt, Neubau Gymnasium Herrsching, Neubau FOS/BOS und Neubau Klinik Seefeld – noch nicht einmal in Angriff genommen worden. Das Jahr 2017 ist also ein bisschen die Ruhe vor dem Sturm auf die Kreditinstitute.

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