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"Herbert und Schnipsi"

Kultur

"Herbert und Schnipsi" in Starnberg: Variationen zweier Schleifsteine

Starnberg - „Herbert & Schnipsi“ waren zu Gast in der Starnberger Schlossberghalle.  Bei „Juchhu, glei schmeißts uns wieder!“ war der Titel wirklich Programm.

Wenn man sich dem Phänomen „Herbert & Schnipsi“ als Kritiker nähert, schadet es vielleicht nicht, sich frühere Programme des bekannten Bühnen-Duos anzuschauen. Seit etwa 1982 sind der Niederbayer Hanns Meilhamer und die Tölzerin Claudia Schlenger mit Titeln wie „Weil wir uns net geniern!“ oder „Zwei wie du und ich“ recht erfolgreich – so lange hält manchmal keine Ehe, aber die Treue des Publikums schon. Im Fernsehen sind Schlenger/Meilhammer Dauergäste und „Herbert & Schnipsi“ längst zum Markenzeichen für alltagsbezogene Volkstümlichkeit geworden. „Juchhu, glei schmeißts uns wieder!“, am Mittwochabend vor etwa 200 Besuchern im großen Saal der Schlossberghalle kredenzt, war also die logische Fortsetzung dieser Volksnähe.

Das Rezept dabei wird nur unwesentlich variiert – „Schnipsi“ ringt mit Rock- und Beinlängen und sonstigen Figurproblemen, „Herbert“ kommentiert dies aus der Sicht männlichen „Feingefühls“, und zwischendurch wird mit Gitarre, Trompete und Quetschn ein bisserl Musik gemacht. Das Ganze bewegt sich eher auf dem Niveau kracherten Bauerntheaters, bietet aber einen Schuss Nostalgie und einige Seufzer unverbrüchlichen Zusammenhalts. „Herbert & Schnipsi“, das ist der ewige öffentliche Paar-Lauf einer offenbar auch privat funktionierenden Beziehung nach der Formel: begriffsstutziger Mann, unverstandene Frau. Woody Allen spricht da von der „Zärtlichkeit zweier Schleifsteine“ im ehelichen Abnutzungskampf.

Die Trumpfkarte dieses Konzepts ist seine Banalität: Was den beiden widerfährt, könnte jedem passieren – es sind sozusagen die Probleme „von Nebenan“. „Schnipsi“ regt sich zum Beispiel darüber auf, dass sich ein befreundetes Paar nach der Heirat gleich zerstritten hat, und will deshalb die als Hochzeitsgeschenk überreichten 300 Euro zurückhaben, während der betuliche Herbert zur Mäßigung tendiert, auch wenn sie seinen Geburtstags-Cognac mit verschenkt hat, ohne ihn um Erlaubnis zu fragen.

Über solche Alltagsszenen können die Leute immer wieder lachen, weil sie wohl an das eigene Leben und seine Fährnisse erinnern. Meilhamer/Schlenger bedienen diese geringe Fallhöhe zuverlässig, beherrschen sie doch vom gespielten Witz bis zur Hommage an Liesl Karlstadt und Karl Valentin alle Spielarten. Das „Juchhu, glei schmeißts uns wieder!“ im Titel ist wirklich Programm: flach gehalten bzw. bodenständig auch deshalb, weil der Mensch jegliche Abgehobenheit sofort wieder büßt. Hier spricht zweifellos auch die Lebenserfahrung. 

Thomas Lochte

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