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Hilfe für Mauersegler in Not - Neun neue Nistkästen

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Mit den selbst gebauten Nistkästen in der Hand: Sebastian Ludwig vom LBV, Feuerwehrler Michael Falk und Arzt Dr. Wolfgang Schweiger (v.l.) im Korb der Drehleiter. 
Mit den selbst gebauten Nistkästen in der Hand: Sebastian Ludwig vom LBV, Feuerwehrler Michael Falk und Arzt Dr. Wolfgang Schweiger (v.l.) im Korb der Drehleiter.  © Andrea Jaksch

Der Mauersegler-Bestand in Deutschland ist bedroht. Um zur Erhaltung der Art beizutragen, haben sich der Landesbund für Vogelschutz und das Klinikum Starnberg zusammengetan – und neun neue Nistkästen aufgehängt.

Starnberg – Knapp 13 Meter ging es mit der Drehleiter in die Höhe. Um neun Mauersegler-Nisthilfen an der Außenfassade knapp unter dem Dach des Klinikums Starnberg anzubringen, kam am Freitagnachmittag die Freiwillige Feuerwehr Starnberg dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) zur Hilfe. Bereits Anfang August hatte der LBV 30 Nisthilfen für Zaunkönig und Waldkauz sowie sechs Fledermaus-Nistkästen im Patientengarten des Klinikums angebracht. Eingezogen ist dort aber bis jetzt noch kein Vogel. Das brauche noch Zeit, erklärt Paul Wiecha vom LBV-Arbeitskreis Mauersegler und Schwalben. Jetzt kommen neun weitere Nistkästen für den Mauersegler an die Fassade von Gebäudeteil B dazu.

Die Initiative dafür gab Dr. Wolfgang Schweiger, leitender Arzt der Palliativmedizin. „Ich bin sehr interessiert an Naturschutz“, erklärt der Arzt, der selbst Mitglied beim LBV ist. Mit der Unterstützung von Horst Guckelsberger, dem Ehrenvorsitzenden des LBV-Kreisverbandes, habe er die Aktion vorbereitet. Anders als die 36 Kästen von der vorherigen Aktion, die auf Empfehlung des LBV von der Firma Schwegler angefertigt wurden, sind die neun neuen Eigenproduktionen. Für die war Christian Pelzner, Techniker in der Klinik, zuständig, wie Pressesprecher Stefan Berger stolz erklärt.

Der Mauersegler nistet bevorzugt an Hauswänden.
Der Mauersegler nistet bevorzugt an Hauswänden. © Foto: nabu/A. Limbrunner/dpa

Nötig seien die Nistkästen für den Mauersegler, da die Bestände des Vogels stark abgenommen haben, erläutert Guckelsberger. Den Vögeln fehle die Nahrung, weil es immer weniger Insekten gebe. Vor allem aber fehlt ihm der Raum zum Nisten. Die Vögel brüten gerne in Zwischenräumen von Mauern und unter Dächern – eine Möglichkeit, die sie vor allem bei Altbauten und Kirchtürmen haben. Bei neuen Häusern gibt es aber kaum noch Schlupflöcher. So wird es für den Zugvogel, der in der Zeit zwischen April und August in Deutschland nistet, zunehmend schwerer, einen geeigneten Ort dafür zu finden. „Zum Schutz der Mauersegler müssen wir die Population erweitern“, sagt Wiecha. Die Nistkästen dürften ruhig nah beieinander liegen, da Mauersegler gesellige Tiere seien, erklärt LBV-Ehrenvorsitzender Guckelsberger.

Rund 24 000 Kilometer legen die Vögel jährlich zwischen Afrika und Deutschland zurück. Das Beeindruckende daran: Sie bleiben durchgängig im Flug, sogar wenn sie schlafen. Während die eine Gehirnhälfte sich im Schlafmodus befindet, steuert die andere den Flug. Nur zum Nisten lässt sich der Mauersegler tatsächlich nieder. Zu dem Platz kehren die Vögel dann jedes Jahr zurück und bringen ihre ausgewachsenen Jungen mit. An sicheren Standorten wie den Nistkästen kann sich die Population dann ungestört über die Jahre hinweg vermehren.

Bis die Vögel ihr neues Heim aber beziehen, kann es ein bis zwei Jahre dauern. Das liegt auch daran, dass die Tiere jetzt bereits in Richtung Afrika unterwegs sind. „Man muss etwas Geduld haben und nicht gleich die Hoffnung verlieren“, erklärt Wiecha. Deshalb werden die insgesamt 45 Nisthilfen die kommenden Jahre erst mal unter der Beobachtung des LBV stehen. VON NADJA SAIED

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