Corona in Großbritannien: Johnson ins Krankenhaus eingeliefert - Queen spricht zu den Briten

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Johannes Bötsch bei seinem Einkauf am Samstagmorgen. Der 50-Jährige ist unterwegs für die Gruppe „Hand-in-Hand Starnberger See“ und bietet seine Hilfe älteren Starnbergern an.

Hilfe in der Corona-Krise

Anrufen, einkaufen, vorbeibringen

Überall im Landkreis organisieren sich ehrenamtlich Bürger, um Mitbürgern im Zuge der Corona-Krise zu helfen. Der Starnberger Merkur hat am Samstag Johannes Bötsch getroffen, der für die Gruppe „Hand-in-Hand Starnberger See“ unterwegs war.

Starnberg – Bereits nach dem ersten Klingeln nimmt Johannes Bötsch (50) den eingehenden Anruf entgegen. Für 8 Uhr morgens an einem Samstag keine selbstverständliche Reaktionszeit. Er legt das Handy zurück auf seinen Küchentisch und telefoniert über einen Kopfhörer im rechten Ohr, um die Hände freizuhaben für Kugelschreiber und Zettel. Nach einer schnellen Begrüßung schreibt er mit: „Käse, Salami …   so 150 Gramm?”, fragt er.

Die Frau am anderen Ende der Leitung kennt Bötsch nur per Telefon. Am Tag zuvor, bei ihrem ersten Telefonat, hat sie ihm ihren Namen gesagt, ihre Adresse und dass sie 64 Jahre alt ist. Damit ist sie Teil der Risikogruppe, für die eine Ansteckung mit dem Coronavirus zur ernsten Gefahr werden kann.

Zur Prävention in Selbst-Isolation

Deswegen versucht die Frau seit gut einer Woche, den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden. Und Johannes Bötsch will sie dabei unterstützen, indem er für sie einkaufen fährt. Die 64-Jährige sagt, sie sei zur Prävention in Selbst-Isolation gegangen. Bei Hilfsangeboten für Einkäufe von unbekannten Organisatoren wolle sie sich aber nicht melden, aus Angst vor Datenmissbrauch. Lieber wäre sie dann selbst weiter einkaufen gegangen, berichtet die Rentnerin.

Am Freitag hatte sie in der Zeitung vom Angebot des evangelischen Pfarramts gelesen. Sie rief an, um nach einem Einkaufshelfer zu fragen, und Bötsch meldete sich noch am selben Tag zurück.

Der 50-Jährige hatte zuvor im Internet Kontakt zu Nadine De March aufgenommen, einer Starnbergerin, die zwischen Angeboten von Helfern auf Facebook und telefonischen Anfragen von Hilfesuchenden aus dem Pfarramt vermittelt. Sie leitete ihm Namen und Telefonnummer der Rentnerin weiter.

„Sieht man die Bilder aus Italien, wird einem klar, dass das Virus uns alle etwas angeht”

„Ich finde toll, dass die Frau das Angebot nutzt. Viele Menschen in ihrem Alter scheinen die Hilfe beim Einkauf als Entmündigung wahrzunehmen, was sie nicht ist”, sagt Bötsch nach dem morgendlichen Telefonat. Es sollten alle auf ihre Weise dazu beitragen, das Coronavirus einzudämmen, sagt er. Die einen, indem sie helfen, die anderen, indem sie sich helfen lassen. Der Unternehmensberater und BLS-Stadtrat ist derzeit im Homeoffice. Er hat Zeit, und die will er nutzen: „Sieht man die Bilder aus Italien, wird einem klar, dass das Virus uns alle etwas angeht”, sagt er.

Zwei Zettel ist die Einkaufsliste lang geworden: Äpfel, Semmeln, Getränke, Studentenfutter, Paniermehl ... Im schwarzen BMW geht es zum Edeka an der Leutstettener Straße. Bötsch streift sich Einweghandschuhe über und schiebt einen Einkaufswagen vor sich her. Sein erster Halt ist die Obstabteilung. Er legt sechs in Plastik verpackte Äpfel in den Wagen: „Ich gehe mit der luftdichten Verpackung mal lieber auf Nummer sicher“, sagt er. Am Kühlregal nimmt er zwei verschiedene Käsesorten heraus: „Ich weiß ja nicht, welchen sie mag“, sagt Bötsch. „Ich hoffe, das finde ich bis zum nächsten Einkauf heraus.“ Von den sechs Regalen im nächsten Gang sind die drei unteren leer. Dort sollte das Paniermehl stehen.

Gelbe Markierungen markieren notwendigen Abstand

„Ich verstehe diese Hamsterkäufe nicht“, sagt Bötsch. „Es ist doch genug für alle da.“ Studentenfutter nimmt er nicht mit. Es gibt zwar welches, aber nur für fünf Euro: „Ich weiß nicht, wie preissensitiv die Dame ist.“ Auf dem Boden entlang der Kasse markiert gelb-schwarzes Klebeband einen Anderthalb-Meter-Abstand für Kunden in der Warteschlange. Bötsch zahlt bar, legt das Geld aber auf die Ablage.

Er kauft noch ein Brot beim Bäcker, wo der Kassenbon von einem jungen Verkäufer mit Einweghandschuhen über die Theke gereicht wird, und Zeitungen am Kiosk, wo eine improvisierte Glasscheibe auf dem Tresen die Verkäuferin mittleren Alters vor den Kunden abschirmt. Kurzum entscheidet Bötsch, noch beim Rewe in der Gautinger Straße vorbeizuschauen. Dort wird er fündig: Paniermehl und Studentenfutter gibt es, sogar das günstigere.

Es ist 10 Uhr, er möchte die Dame nicht warten lassen. „Am Ende denkt sie noch, sie hat den langsamsten Einkaufshelfer von allen abbekommen“, witzelt er. Am Ausgang kommt Bötsch eine gebückte Frau mit randloser Brille und weißem Haar entgegen. Er weicht großzügig nach rechts aus. „Es sind überwiegend ältere Leute in den Supermärkten unterwegs“, stellt er fest und lacht nicht mehr.

Nach Übergabe der Einkäufe nimmt Bötsch noch die Post mit

Bei der Dame angekommen, stellt Bötsch die Tüte unter das Vordach des Hauseingangs und wartet in vier Metern Entfernung. Die Tür geht auf, beide begrüßen sich mit Zurufen – zum ersten Mal persönlich. Die Frau legt einen Stoffbeutel mit dem Geld für den Einkauf und einem Brief unter das Vordach. Sie dankt und bittet darum, den Brief zur Post zu bringen.

Auch das erledigt Bötsch. Als der Brief eingeworfen ist, desinfiziert sich Bötsch die Hände mit Spray. Er hätte gerne für weitere Personen eingekauft, da er gerne helfe, sagt er. Und: „Zusätzliche Einkaufslisten wären für mich keine Mehrbelastung, sondern ein gemeinsamer Schritt zur Bekämpfung von Corona.“

von Alice Beckmann-Petey

Alles zur Corona-Lage im Landkreis Starnberg finden Sie in unserem Corona-Ticker.

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