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Unter diesen Planen lagern Erdaushub und Straßenaufbruch so lange, bis feststeht, wo und wie sie entsorgt werden müssen. Nachbarin Evi Liebl stinkt die Sache im wahrsten Sinn des Wortes. 

Nachbarin besorgt

Hilfe, unter diesen Planen lagert Sondermüll

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Hanfeld - Die Kanalarbeiten in Hanfeld haben begonnen – und damit eine schwere Zeit für Anwohnerin Evi Liebl. Direkt vor ihrer Haustür lagert nun nämlich die alte Fahrbahndecke.

Evi Liebl hat genau Protokoll geführt. Am 14. März kam eine Raupe und schob Humus und Erde zur Seite. Einen Tag später wurde die etwa 400 Quadratmeter große Fläche aufgefüllt und planiert, zwei Tage darauf brachten Arbeiter Bitumen auf. Dann herrschte drei Tage lang Ruhe am Ende des Hirtwieswegs. Drei Tage, in denen Evi Liebl im wahrsten Sinn des Wortes durchschnaufen konnte. Denn seitdem ist die Fläche unmittelbar vor ihrem Haus ein Zwischenlagerplatz für Sondermüll.

„Als ich mittags von der Arbeit nach Hause kam, lagen da schon sechs bis acht Lkw-Ladungen voll Teer“, berichtet die 55-Jährige. Dabei blieb es nicht. Unter zwei Planen lagern nun mehrere Tonnen des alten Fahrbahnbelags. Und in Evi Liebls Haus und die beiden Ferienwohnungen, die sie dort vermietet, zieht der Gestank. „Ich kann kaum noch ein Fenster öffnen“, sagt sie. „Und ich habe den ganzen Tag Kopfschmerzen von dem Zeug.“

Der Straßenaufbruch stammt aus der St.-Michael-Straße, wo die seit Jahren diskutierten Kanalarbeiten in Hanfeld begonnen haben. Auf einer Gesamtlänge von 1773 Metern werden die Straßen peu à peu aufgebrochen, ein neuer Schmutzwasser-, ein neuer Regenwasserkanal und eine neue Wasserleitung werden verlegt, anschließend die Straßen wieder hergerichtet. Knapp 4,5 Millionen Euro kostet die Maßnahme die Stadt und den Abwasserverband Starnberger See.

Dessen Geschäftsführer Norbert Impelmann hat Verständnis für Evi Liebls Klagen. „Ich kann verstehen, dass sie den Geruch nicht gerne vor ihrem Haus hat“, sagt er auf Anfrage des Starnberger Merkur. Aber: Da in dem Material mit Teer-Anteilen zu rechnen sei, schreibe der Gesetzgeber vor, dass Erdaushub und Straßenaufbruch zunächst im Baustellenbereich gelagert werden müssten.

„Das Material darf nicht sofort auf irgendeine Deponie gebracht werden“, erklärt Impelmann. Erst müssen Fachleute Proben nehmen – dann entscheide sich, wohin der Aushub gefahren und wie er entsorgt wird. Denn Teer gilt längst als gesundheitsgefährdender Sondermüll. Ein Ergebnis der Proben liegt meist nach einer Woche vor. Dann kommt der Sondermüll vor Evi Liebls Haus fachgerecht weg – und neuer Sondermüll von den nächsten Metern der Kanalarbeiten wieder hin. „Das ist ein wiederkehrender Rhythmus“, erklärt Impelmann. Bis Oktober sollen der erste und zweite Bauabschnitt in Hanfeld fertig sein.

Das Grundstück vor Evi Liebls Nase sei übrigens das einzige gewesen, dass sich für diese Zwischenlagerung angeboten hat. Denn das gehört der Stadt. „Wir haben niemand anderen gefunden, der uns ein Grundstück zur Verfügung gestellt hat“, gibt der Geschäftsführer des Abwasserverbandes zu.

Für Evi Liebl ist das kein Trost. Sie befürchtet sogar noch stärken Gestank, wenn erst mal Sommer ist. Und sie hofft, dass sie ihre Ferienwohnungsgäste davon nicht abschrecken lassen.

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