Ein Warnschild weist darauf hin, dass die Waschmaschinen nicht gleichzeitig betrieben werden dürfen.

Investitionsstau

Hilferuf aus dem Tierheim

Die Nachtspeicheröfen sind ausgefallen, die Industriewaschmaschine ist kaputt und nun soll auch noch eine neue Brandmeldeanlage installiert werden. Im Tierheim Starnberg ist die Not groß. Woher sollen die nötigen knapp 54 000 Euro bloß kommen?

Starnberg – „Na, wie geht’s euch so?“, fragt Thomas Fischer die Eichhörnchen, die auf den Bäumen umherspringen. Nur zwei von rund 900 Tieren im Tierheim Starnberg. Auch die fünf Welpen, die erst seit wenigen Tagen dort sind, bekommen eine kleine Streicheleinheit. „Alles was mit den Welpen passiert, alles was sie brauchen, geht auf die Kosten des Tierheims“, seufzt Fischer. Er ist seit zwei Jahren erster Vorstand des Vereins, der das bereits seit 60 Jahren existierende Tierheim betreibt.

Zum Jahresanfang fielen die neun Nachtspeicheröfen im Heim einer nach dem anderen aus. Die Kosten für die Erneuerung belaufen sich auf rund 15 000 Euro. In der letzten Woche sprühten aus der Industriewaschmaschine Funken. Zum Glück bemerkte es eine Mitarbeiterin des Tierheims rechtzeitig und zog den Stecker. „Schlimmstenfalls hätte da ein Feuer ausbrechen können“, sagt der Tierheimleiter. Er mag gar nicht daran denken, was hätte passieren können: „Unsere Tiere wären einen qualvollen Feuertod gestorben – sie können schließlich nicht aus den Käfigen fliehen.“ Doch auch so drücken weitere Sorgen: Kauft man eine solche Maschine neu, werden mindestens 8700 Euro fällig.

„Seit zwei Jahren betreiben wir extremes Marketing“

Und wie immer kommt eines zum anderen. Die funkenschlagende Industriewaschmaschine lenkte das Augenmerk darauf, dass im Tierheim eine Brandmeldeanlage fehlt. Installation und Anschaffungskosten belaufen sich auf weitere 15 000 Euro. Und damit immer noch nicht genug: Damit die neuen Geräte überhaupt zum Laufen gebracht werden können, muss die Stromkapazität erhöht und die Elektroanlage entsprechend verstärkt werden, was weitere Kosten von 15 000 Euro aufwirft.

Wobei letzteres eigentlich sogar die wichtigste Maßnahme ist: „Die Industriewaschmaschinen können momentan nicht gleichzeitig betrieben werden. Als erstes müssen die Leitungen ausgetauscht werden, damit die Sicherung nicht mehr rausfliegt.“

Was getan werden muss, ist also klar. Doch die Frage bleibt, wie soll das alles bezahlt werden? Insgesamt fielen allein im vergangenen Jahr im Tierheim Kosten von rund 700 000 Euro an. „Seit zwei Jahren betreiben wir extremes Marketing, um das Spendenaufkommen zu steigern“, erzählt Thomas Fischer. Das sei nötig, weil die Spendenbereitschaft sehr nachgelassen habe.

Man sehe das zum Beispiel an den Erbschaften: „Die Generation, die jetzt stirbt, ist noch mehr an den Tieren interessiert, aber mittlerweile auch nicht mehr, so wie es einmal war.“

Das Träumen hat Fischer dennoch nicht aufgegeben

Bis zum 31. Dezember des vergangenen Jahres bekam das Tierheim 60 Cent pro Einwohner von den Kommunen bezahlt. 2017 stieg der Betrag auf 70 Cent. „Wir sind dankbar dafür, aber eigentlich bräuchten wir 1,20 Euro, um tatsächlich etwas damit anstellen zu können. Ich habe 13 Gemeinden angeschrieben und um Spenden gebeten. Die Einzigen, die bis jetzt etwas gespendet haben, waren die Tutzinger mit 1000 Euro“, berichtet Fischer, der ebenfalls aus Tutzing kommt.

Seine Vereinsmitglieder helfen, wo sie können. Etwa über den monatlichen Mitgliedsbeitrag von zehn Euro. Doch es sind ja nicht nur die dringend nötigen Neuanschaffungen, die bezahlt werden müssen. Auch die 15 festen Mitarbeiter bekommen ein monatliches Gehalt. Umso glücklicher ist Thomas Fischer deswegen über die rund 20 freiwilligen Helfer, die den 15 Festangestellten zur Hand gehen. „Einige kommen einfach nur, um die Katzen zu streicheln und sie ein bisschen zu umsorgen, damit sich die Tiere wohlfühlen“, freut sich Fischer. Allesamt versuchen sie, es den Tieren auf dem 6300 Quadratmeter großen Areal so angenehm wie möglich zu machen.

Das Träumen hat Fischer dennoch nicht aufgegeben: „Am Besten wäre es, wenn wir einen leerstehenden Bauernhof finden würden. Dann könnten wir dort die Tiere unterbringen und nebenan eine Auffangstation errichten.“ Doch dies ist ein ferner Traum. Jetzt gilt es erst einmal, die nötigen Neuanschaffungen und Reparaturen zu finanzieren.

Wer den Verein und die rund 900 Tiere unterstützen möchte: das Spendenkonto bei der Kreissparkasse München Starnberg, IBAN: DE 2570 2501 5004 3005 6762, ist eingerichtet.

Von Antonia Pigl

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