Schwindel fliegt rechtzeitig auf

Im Haus Freudenberg hatte er kein Glück: Mehrfach vorbestrafter Hochstapler enttarnt

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
    schließen

Seine Geschichten machten den Leiter der Studien- und Begegnungsstätte Haus Freudenberg stutzig. Also recherchierte der zu dem Kursleiter in spe - und stieß auf ein Gebilde aus Lügen.

Starnberg – Das Wichtigste vorneweg: Zu Schaden gekommen ist niemand. Weder das Haus Freudenberg noch eine Einzelperson. „Wir sind alle mit einem blauen Auge davongekommen“, betont Thomas Meinhardt. Der 51-Jährige leitet die Studien- und Begegnungsstätte der Christengemeinschaft in Söcking – und wäre beinahe einem landesweit bekannten Betrüger auf den Leim gegangen.

Die Rede ist von Karl Zeretzke. Oder in diesem Fall: Charles de Serres. Unter jenem – wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, frei erfundenen – Namen hatte sich der Mann nämlich Anfang Mai bei Meinhardt vorgestellt. Als Teilnehmer eines Seminares war er zum Haus Freudenberg gekommen, um dort für vier Tage den Garten sowie das großflächige Anwesen zu pflegen. Da dies ohne Bezahlung geschah, bestand für Meinhardt und Co. kein Grund, die angegeben Personalien zwecks Überweisungen oder Ähnlichem zu überprüfen. „Und prinzipiell glaube ich den Leuten natürlich erst einmal, dass der Name, den sie mir verraten, auch ihr richtiger ist.“

So blieb Zeretzkes Pseudonym Charles de Serres zunächst unbemerkt. Als fleißiger Helfer und angenehmer Zeitgenosse fiel er vielmehr positiv auf. „Er war sehr sympathisch und auf Anhieb beliebt“, sagt Meinhardt. Einzig die zahlreichen Heldengeschichten von seiner Arbeit für Ex-US-Präsident Ronald Reagan oder seine Mitwirkung an der jüngsten Stadtgestaltung Roms machten den Leiter des Haus Freudenberg stutzig. „Das kam mir alles ein wenig übertrieben vor.“

Als Zeretzke nach Ende des Seminare anbot, Meinhardt künftig bei der Weiterentwicklung der Begegnungsstätte zu unterstützen und Sponsoren aufzutreiben, war dieser zunächst durchaus angetan. „Ich dachte, wenn nur die Hälfte seiner Geschichten stimmt, könnte er uns wirklich die eine oder andere Türe öffnen.“ Doch brachte eine Internetrecherche Zeretzkes Kartenhaus zum Einsturz. Meinhardt stieß auf einen Artikel der Wirtschaftswoche, in dem zahlreiche Versuche des bereits mehrfach vorbestraften Zeretzkes skizziert waren, wie er in den vergangenen Jahren unter verschiedensten Namen versucht hatte, sich in Institutionen zu schleichen und dort Geld abzukassieren. „Ich war geschockt“, betont Meinhardt – und alarmierte die Polizei.

Diese entlarvte den Hochstapler im Garten des Hauses letztlich anhand seiner Papiere, die auf den Namen Karl Zeretzke ausgestellt waren. Dieser zog in der Folge, ohne große Anstalten zu machen, von dannen. „Er hat das hingenommen, als wäre es ihm schon sehr oft passiert“, sagt Meinhardt. Eine Anzeige erwartet Zeretzke nicht. „Er hat zwar gelogen, aber niemanden geschädigt.“ Dass dies nicht so kam, sieht der Leiter als Glücksfall. „Wer weiß schon, was er unterm Strich im Schilde geführt hat.“

Auch interessant

Kommentare