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Analyse bei Fischgerichten: Patrick Janik, Andrea Reichler, Dr. Charlotte Meyer-Bülow, Stefan Frey, Kolumnist Jan Fleischhauer, Dr. Ute Eiling-Hütig und Robert Weiß vor Beginn des CSU-„Ascherdonnerstags“. 

Humor in „empörten Zeiten“: Jan Fleischhauer zu Gast bei der CSU Starnberg

Das typische Gehabe eines politischen Aschermittwochs, das Draufhauen auf den politischen Gegner, fiel beim „Ascherdonnerstag“ der Starnberger CSU aus – die CSU ließ sich ein bisschen selber hauen, denn der Kolumnist Jan Fleischhauer („Focus“, früher „Der Spiegel“) war nicht gekommen, um mit der CSU zu kuscheln. Sein Thema „Was ist konservativ?“ brachte manchen CSU-Spitzenkandidaten ins Grübeln.

Starnberg– Die CSU setzte bei dieser Veranstaltung schon immer mehr auf Denkanstöße denn auf Bierzelt-Polemik. Fleischhauer fügte dem ein gerüttelt Maß Humor hinzu, weil „eine Partei, in der nicht gelacht wird, kann ich nicht wählen“. Konservativ zu sein heiße nicht, alles bewahren zu wollen – dann wären die Grünen die konservativste Partei, weil sie in die Zeit um 1810 zurückwollten. Vielmehr beschrieb der erfahrende Journalist und Autor das Konservative als Haltung zur Welt, als heiteren Pessimismus. Allerdings stehe der eigentlich auf sachliche Kompromisse abzielende Konservative vor neuen Zeiten, einer „neuen Aufgeregtheit“, die Fleischhauer vor allem bei der Linken sieht, die ihre Deutungshoheit verloren habe. Auch in Medien, Kultur und Universitäten. Der Trend zur Moralisierung der Politik zeige sich an Debatten im Kleinen, etwa – konstruiert – der Breite eines Gehwegs. Wer gegen 20 Zentimeter mehr sei, sehe sich dem Argument „Wollt ihr euch am Weltklima versündigen?“ ausgesetzt. In diesen „empörten Zeiten“ gebe es Ruhepole – wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei der manche gar nicht mitbekommen, dass sie regiert. „Dafür lieben sie die Deutschen“, stellte Fleischhauer fest.

Er streifte die Angst der Deutschen vor Vergiftung durch Essen und Verstrahlung, sinnierte über Hypermoral und gab der CSU dann doch ein paar Tipps – abgesehen von jenem, humorvoll zu sein und unaufgeregt. Beispiel AfD: Deren Wähler seien mitnichten mit Grundrente oder Geld in anderer Form zurückzuholen. Er bezweifelt, dass es überhaupt möglich ist – und ob die Parteien das wirklich wollten. Der deutschen Linken hielt er vor, stets eine gewisse Volksverachtung an den Tag zu legen. „Wenn man Leuten sagt, dass sie im Grunde Trottel sind, werden sie einem das heimzahlen“ – das erklärt für Fleischhauer einen Teil des AfD-Erfolgs. Um sie zu stigmatisieren wie einst die Republikaner, sei sie zu groß. Er selbst verwende „kontaminierte“ Begriffe der AfD (wie Lügenpresse) grundsätzlich nicht mehr.

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