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„Ich heiße EMS Berg“: So erlebte das größte See-Elektroschiff Deutschlands sein erstes Jahr

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Von: Tobias Gmach

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Besuchten die EMS Berg nachträglich zum Geburtstag (v.l.): Bergs Altbürgermeister Rupert Monn, Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger, CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig, Schifffahrt-Betriebsleiter Markus Färber, Starnbergs Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl, Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und Schifffahrt-Geschäftsführer Michael Grießer.
Besuchten die EMS Berg nachträglich zum Geburtstag (v.l.): Bergs Altbürgermeister Rupert Monn, Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger, CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig, Schifffahrt-Betriebsleiter Markus Färber, Starnbergs Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl, Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und Schifffahrt-Geschäftsführer Michael Grießer.  © Photographer: Andrea Jaksch

1900 Betriebsstunden, 50 000 Fahrgäste und einmal mit etwas zu wenig Strom an Bord: Seit mehr als einem Jahr ist das Elektroschiff Berg auf dem Starnberger See im Einsatz. Zeit für eine erste Bilanz – aus ganz persönlicher Sicht der „EMS Berg“.

Starnberg – Darf ich mich kurz vorstellen? Ich heiße EMS Berg, bin 35 Meter lang, 8,20 Meter breit und das größte vollelektrische Schiff, das in Deutschland auf einem See herumfährt. Im Mai 2021 wurde ich getauft. Seitdem haben mich mehr als 50 000 Fahrgäste betreten, 1900 Betriebsstunden auf dem Starnberger See habe ich hinter mir – und eine abgebrochene Rundfahrt. Dazu aber später. Erst mal will ich erzählen, dass ich am Mittwochvormittag Besuch bekommen habe.

Elektroschiff auf dem Starnberger See: Erster Geburtstag

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker kam zum Werftgelände der Bayerischen Seenschifffahrt am Nepomukweg in Starnberg, um mit mir, meinen Leuten, seiner Entourage und Medienvertretern offiziell meinen ersten Geburtstag zu feiern. Nachträglich, versteht sich. Das Ministerium hatte die Zusammenkunft in den Sommer verschoben – bei der Organisation im Frühjahr sei die Corona-Situation im Mai noch nicht abzusehen gewesen, sagt die Presseabteilung.

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Bevor nun alle eine kleine Runde mit mir drehen durften, führte mein Chef, Seenschifffahrt-Geschäftsführer Michael Grießer, die Gruppe durch die Werft – in die Malerei, Zimmerei und Schlosserei. Und zur extra für mich installierten Trafo-Station. Schließlich hänge ich jede Nacht acht bis zehn Stunden am Ökostrom, damit ich tagsüber zehn Stunden fahren kann.

Meistens klappt das auch, aber einmal gab’s einen Zwischenfall, da wäre mir beinahe der Saft ausgegangen. Unser Starnberger Betriebsleiter Markus Färber formulierte das vorm Minister natürlich nicht so flapsig: „Der Wind war an dem Tag extrem stark, es waren viele Passagiere auf dem Schiff. Wir sind früher zum Hafen zurückgefahren, um die Reserve einzuhalten.“

In der Schaltzentrale: Kapitän Wolfgang Fischer mit Minister Füracker und Seenschifffahrt-Chef Grießer.
In der Schaltzentrale: Kapitän Wolfgang Fischer mit Minister Füracker und Seenschifffahrt-Chef Grießer. © Andrea Jaksch

Dass bei einem Elektroschiff vieles anders ist, weiß auch einer meiner sechs Steuermänner, Wolfgang Fischer: „Bei starkem Wind wird’s schon mal knapp.“ Mein Chef Grießer betonte, dass die Stromversorgung modular aufgebaut ist, dass man „Batterie-Racks“ nachrüsten könne. Und Minister Füracker ergänzte: „Wer Pionierarbeit leistet, braucht eben auch Frustrationstoleranz.“

Fahren lasse ich mich übrigens per Joystick, Geräusche hören und Vibrationen spüren die Fahrgäste nur, wenn ich schnell unterwegs oder gerade am Ein- oder Ausparken bin. „Aber auch die anderen Schiffe sind leise. Da fragen die Leute oft, ob sie mit einem Elektroschiff fahren“, erzählte Fischer den neugierigen Journalisten. Und: „Das Gasgeben fühlt sich anders an, weil es keinen Kupplungspunkt gibt.“ Außerdem sagte er – obwohl ich eine Sie bin: „Der zieht schon ganz gut.“

Starnberger See: Elektroschiff lässt sich per Joystick fahren

Laut dem Minister habe ich übrigens die 20-fache Ladekapazität eines BMW i4 und spare im Vergleich zu Diesel-Schiffen jährlich 130 Tonnen CO2. Aber ich verbrauche auch 36 000 Kilowattstunden Strom im Monat, allein die Energie-Infrastruktur hat eine Viertelmillion gekostet. Schmunzeln musste ich übrigens, als Füracker für ein Foto mit dem dicken Kabel posierte, das mich mit Energie versorgt.

Eine Schwester bekomme ich so schnell nicht, das nächste E-Schiff wird es „an einem anderen See“ geben, sagte Grießer. In Frage kommen Ammersee, Königssee und Tegernsee. Die Umrüstung einer ganzen Flotte, das Unterbringen der Batterien, das alles sei „nicht so einfach“, betonte unser Geschäftsführer. Er verfolge aufmerksam die Debatten über alternative Energiearten. Aber er sagte der 20-köpfigen Gruppe (bis zu 300 Leute können bei mir mitfahren) auch: „Wegen Corona müssen wir jetzt erst mal wieder Geld verdienen.“

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