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Landkreis Starnberg: Forderungen nach Impfpflicht werden lauter

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Von: Tobias Gmach

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Die Frage nach einer Impfpflicht treibt die Politiker und Mediziner im Landkreis um. © Jan Woitas/dpa

Gerade die, die in ihrem beruflichen Alltag ständig mit der Pandemie konfrontiert sind, sprechen sich für eine allgemeine Impfpflicht aus. Diesen Eindruck hinterlässt eine aktuelle Umfrage des Starnberger Merkur. Die Corona-Lage hat sich verschärft, es gibt vier weitere Todesfälle.

Landkreis - Landrat Stefan Frey hatte sich vor gut einer Woche klar geäußert: „Für jeden, der sich impfen lassen kann, sollte es eine Impfpflicht geben.“ Frey hatte gleichzeitig für Ausnahmemöglichkeiten plädiert und gegen eine berufsspezifische Impfpflicht argumentiert. BRK-Kreisgeschäftsführer Jan Lang, Dr. Bernhard Junge-Hülsing, Pandemie-Koordinator der Ärzte im Landkreis, und Prof. Florian Krötz, Chefarzt am Klinikum Starnberg und Pandemiebeauftragter der Krankenhäuser, sehen es ganz ähnlich.

Dr. Bernhard Junge-Hülsing
Dr. Bernhard Junge-Hülsing ist Ärztlicher Koordinator mit HNO-Praxis in Starnberg. © Privat

Lang: „Wir haben sämtliche Maßnahmen hinreichend ausprobiert – Masken, 3G, 2G, freiwilliges Impfen. Aber es hilft offensichtlich nur ein tatsächlich solidarisches Vorgehen“ – sprich die Impfpflicht für alle. Die stark belasteten Pflege- und anderen medizinischen Kräfte will Lang nicht ungleich behandelt sehen. Gleichzeitig betont er, wie wichtig die Impfung in ihrem Fall sei. Er spricht vom „Risiko durch eigenes Personal“, etwa in Altenheimen. Er verweist darauf, dass immer wieder Corona-Fälle „eingeschleppt“ werden.

Starnberger Chefarzt befürchtet Verschärfung der Personalnot in Kliniken

Der Starnberger Chefarzt Florian Krötz befürchtet eine Verschärfung der Personalnot in den Kliniken bei einer Impfpflicht für Berufsgruppen. „Das würde zu Kündigungen führen“, sagt er. Wenn anders keine ausreichende Impfquote erreicht werde, sei er für die allgemeine Impfpflicht.

„Für Bürger ab zwölf Jahren“ soll sie aus Sicht des ärztlichen Koordinators Bernhard Junge-Hülsing gelten. „Auch bei früheren Epidemien und Bedrohungen hat sich eine Impfpflicht bewährt“, sagt er und nennt Pocken und Polio. In seiner HNO-Praxis in Starnberg sei es übrigens gelungen, alle Mitarbeiter von der Impfung zu überzeugen.

Pöckings Bürgermeister Schnitzler: „Impfpflicht unausweichlich“

Das Pöckinger Gemeinde-Oberhaupt Rainer Schnitzler, gleichzeitig Sprecher aller Bürgermeister im Landkreis, dachte bislang, eine Impfpflicht brauche es nicht. „Aber es stellt sich wohl heraus, dass wir die Quote 80 oder 85 Prozent nicht erreichen.“ Um aus dem Lockdown-Kreislauf, der viele Menschen stark psychisch belaste, rauszukommen, sei die Impfpflicht „unausweichlich“. Auch wenn Schnitzler „noch mal eine massive Impfkampagne“ lieber wäre.

Rainer Schnitzler aus Pöcking ist Sprecher der Bürgermeister im Landkreis
Rainer Schnitzler aus Pöcking ist Sprecher der Bürgermeister im Landkreis © Privat

Claudia Aumiller, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, ist frustriert. „Ich habe heute wieder nur Stornierungen bekommen“, sagte die Chefin des Hotels Jakl Hof in Wörthsee. „Die Impfgegner machen unsere Geschäfte kaputt“, findet Aumiller. Sie sehe keine andere Möglichkeit mehr als eine Impfpflicht, um die Lage so zu kontrollieren wie etwa Portugal.

Matthias Vilsmayer (Freie Wähler) hälft Impfpflicht für „juristisch nicht durchsetzbar“

Skeptischer ist der stellvertretende Landrat Matthias Vilsmayer von den Freien Wählern, auch wenn so mancher Vertreter aus seiner Partei pro Impfpflicht argumentiert. Er hält sie für „juristisch nicht durchsetzbar“, auch weil die Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen meist sehr mild sind. Vilsmayer betont: „Ich hoffe auf eine Steigerung der Impfquote.“

„Schwierig“ fände die Einführung der verpflichtenden Spritze auch Ernst Papelitzky, Vorsitzender des FC-Bayern-Fanclubs Würmtal-Pentenried. Auch wenn er sagt: „Wegen der vielen Ungeimpften sind wir nun wieder soweit gekommen.“ Dazu gehören bekanntlich Joshua Kimmich und andere Bayern-Spieler. Dass die für Quarantäne-Zeiten auf Gehalt verzichten müssen, findet Papeltzky richtig.

Gar nicht äußern zu diesem „heiklen Thema“ möchte sich der Gautinger Polizeichef Andreas Ruch. Aber er stellt klar: Schon die 3G-Regel in Bussen zu kontrollieren, sei für die Polizei „ohne Unterstützung von geschlossenen Einheiten nicht möglich“.

Die Corona-Lage im Landkreis

Der gestrige Montag gehört zu den schwärzesten Tagen der Pandemie im Landkreis Starnberg. Es gab vier weitere Todesfälle und erneut Höchstwerte bei den Fallzahlen. Am Samstag waren es 86 Neuinfektionen, am Sonntag 56 und am Montag 69. In Summe sind es 32 Fälle mehr als vor einer Woche (+18 Prozent). Am stärksten betroffen sind Gilching, Gauting, Starnberg und Tutzing. Die höchste Gemeinde-Inzidenz derzeit hat Seefeld mit fast 800, die höchste Altersgruppen-Inzidenz haben weiter Kinder unter 14 Jahren mit etwa 740. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den ganzen Landkreis ist am Montag leicht gefallen auf 502,9, was aber nicht an den Neuinfektionen lag, sondern am Meldeweg zum Robert-Koch-Institut (RKI). Mit Nachmeldungen dürfte die Inzidenz heute bei 520 bis 530 liegen. Drei der vier Todesopfer sind an Covid-19 gestorben, der Krankheit durch das Virus SARS-CoV-2. Es waren ein 83-Jähriger im Krankenhaus Weilheim (vor zehn Tagen), ein 64-Jähriger im Herrschinger Krankenhaus und eine 88-Jährige im Altenheim Maria Eich in Krailling (beide am Donnerstag). Ein 82-Jähriger ist am Freitag im Klinikum Starnberg gestorben, mit Corona, nicht an Corona, wie das Landratsamt mitteilte. Über den Impfstatus ist nichts bekannt.

Die Pandemie trifft weiterhin die Jungen und die Alten. Acht neue Fälle wurden laut Landratsamt in Altenheimen registriert (darunter zwei weitere in Maria Eich, ein weiterer im Kraillinger Waldsanatorium). Aus Kliniken wurden zwei Fälle gemeldet, aus Kindereinrichtungen drei – und aus Schulen 35. Fünf davon stammen aus der Grundschule Pilsensee, in der es nun insgesamt 14 Fälle gibt.

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