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Ein Bücherkühlschrank, wie er zum Beispiel vor der Gautinger Insel an der Grubmühlerfeldstraße steht, inspirierte eine Gruppe Starnberger. 

Initiatoren vernetzten sich im Internet

In Starnberg gibt es bald Bücher für alle aus Kühlschränken

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In Starnberg soll es noch in diesem Jahr öffentliche Bücherschränke geben. Die Idee dazu kam von einer Gruppe, die sich im Internet vernetzte und das Projekt vorantrieb. Jetzt hat der Kulturausschuss des Stadtrats zugestimmt - aber auch ein paar kritische Töne geäußert.

Starnberg – In Wörthsee gibt es sie bereits, in Inning und Gauting ebenso. Dieses Jahr soll nun auch Starnberg folgen: Im Stadtgebiet soll es in Zukunft öffentlich zugängliche Bücherschränke geben. Die Werbetexterin und Lektorin Lilian Kura hatte die Idee Mitte Januar in die digitale Welt geworfen. Schnell stieß sie in einer Facebook-Gruppe auf große Begeisterung. Mittlerweile hat sich eine Gruppe aus sechs Frauen und zwei Männern gefunden, die das Projekt vorantreibt.

Die engagierten Starnberger haben sich ganz bewusst für ausrangierte Kühlschränke entschieden: „Die sind wetterfest und können problemlos draußen stehen“, sagt Kura. Außerdem sorge man so für eine sinnvolle Weiterverwendung. Damit sie als Bücherregal taugen, müssen die Kühlaggregate entfernt und Holzbretter integriert werden. Eine Starnberger Künstlerin soll sie dann individuell gestalten.

Derzeit ist die Gruppe noch dabei, passende Kühlschränke aufzutreiben. Die Liebe zu Büchern verbindet sie, sagt Kura: „Wir wollen sie vor dem Wegwerfen retten – und die Leute vor Langeweile und Verdummung.“ Gerade für Menschen, die sich nicht mal schnell ein Buch leisten können, sei die Idee gedacht.

Lesen Sie hier über ein ähnliches Bücherschrank-Projekt in Gauting

Das Konzept basiert auf Freiwilligkeit: Jeder kann Bücher reinlegen und sich bedienen. Ein verpflichtender Eins-zu-Eins-Tausch, wie es ihn bei ähnlichen Projekten gibt, ist laut Kura bisher nicht vorgesehen. Fix sind dafür schon zwei Standorte auf Privatgrund am Starnberger See. „Das wird eine tolle Sache für Badegäste“, sagt Kura voller Vorfreude. Die Seestub’n in Percha habe zugestimmt, genauso wie die Betreiber des Kiosk am Steg 1 in Possenhofen.

Der letztere Standort ist laut Kura „nur ein Ausläufer“. Die weiteren Kühlschränke sollen im Starnberger Stadtgebiet aufgestellt werden. Die Idee kommt bei den Kommunalpolitikern sehr gut an. Die UWG brachte zuletzt einen entsprechenden Antrag im Rathaus ein, auch die CSU versprach ihre Unterstützung. Nun hat sich der Kulturausschuss des Stadtrats mit dem Thema befasst – und einstimmig grünes Licht gegeben. Demnach beauftragte er die Verwaltung, der Initiative die unentgeltliche Nutzung von städtischem Grund für die Aufstellung von Bücherschränken zu ermöglichen. Geeignete Standorte sollen gemeinsam mit Vertretern der Initiative in nächster Zeit erarbeitet werden.

Stadtrat: Aber bitte nicht als Entsorgungsmöglichkeit ansehen

UWG-Fraktionschef Patrick Janik sprach in der Sitzung von einem „lobenswerten und unterstützenswerten ehrenamtlichen Engagement“, BLS-Chef Franz Heidinger von einer „hervorragenden Idee“. Katja Fohrmann (CSU) freute sich bereits auf „ein reges Geben und Nehmen“, Tim Weidner (SPD) sagte: „Ich wüsste keinen Grund, warum das in Starnberg nicht funktionieren sollte.“ Ganz ähnlich sah das Anton Summer (BMS), der jedoch gewährleistet wissen wollte, „dass die Schränke nicht als zusätzliche Entsorgungsmöglichkeit“ angesehen werden.

Kritische Töne äußerte Iris Ziebart (FDP). Die Idee sei zwar genial – „aber ich habe ein grundsätzliches Problem damit, ausrangierte Kühlschränke in den öffentlichen Raum zu stellen“. Wegweiser, Schilder, Mülleimer und Trafohäuschen würden sich jetzt schon negativ auf das Stadtbild auswirken. „Wir sollten gewisse Dinge lieber in einer Box zusammenfassen, damit nicht so viel Geraffel rumsteht.“ Einen ganz anderen Kritikpunkt hatte WPS-Chef Prof. Günther Picker: Es sei eine Vielfalt zu gewährleisten, forderte er – „nicht, dass wir nur CSU-Literatur da drin haben“. So weit wollte der Ausschuss nicht gehen, laut Beschluss ist jedoch eine Vielfalt „anzustreben“.

Bürgermeisterin Eva John sah die Angelegenheit insgesamt „vollkommen unproblematisch“. Letzten Endes gehe es „um zwei, drei vier Standorte“ im Stadtgebiet, die geeignet seien. „Das funktioniert in anderen Gemeinden auch.“

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