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Im Winter 2019 waren im Landkreis 99 Fälle von Influenza aktenkundig geworden.

Rollt die Grippewelle an?

Influenza: Arztpraxen sind voll

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Allein in der Praxis einer Weßlinger Ärztin sind es am Tag bis zu 20 Patienten. Mit Verdacht auf Influenza. Weitere Schulen wurden indes jedoch nicht geschlossen.

Landkreis – An so eine Entwicklung kann sich Dr. Felizitas Leitner nicht erinnern. Seit 1993 hat die niedergelassene Ärztin ihre Praxis in Weßling – dass derzeit bis zu 20 Patienten täglich mit Verdacht auf Influenza zu ihr kommen, ist für sie aber auch eine neue Erfahrung. Dabei handele es sich vornehmlich um Berufstätige und Schüler, sagt Leitner im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Am gestrigen Mittwoch sei auch ein Kind dabei gewesen, das eine weiterführende Schule im Landkreis besucht.

Derzeit und voraussichtlich bis Ende der Woche sind die Grundschulen in Weßling und Oberpfaffenhofen sowie die Mittagsbetreuung in Weßling und der Hort in Hochstadt wegen Influenza geschlossen (wir berichteten). Ob es dabei bleibt, ist offen. Der Leiter des Kreisgesundheitsamts, Dr. Lorenz Schröfl, sagte gestern auf Anfrage, dass derzeit keine weiteren Schritte geplant seien. Dennoch „schneien die Fallzahlen derzeit bei uns rein“, sagt Schröfl. Die Zahl der nachgewiesenen Influenza-Fälle im Landkreis habe bist Mittwochmittag „im hohen zweistelligen Bereich“ gelegen. Im Winter 2019 waren insgesamt 99 Fälle aktenkundig geworden, 2018 waren es 181 und 2017 exakt 117. In diese Statistik fallen aber nur die Patienten, bei denen die Grippeviren durch ein Labor ermittelt wurden.

Seit ein paar Tagen großer Andrang

Allgemeinmedizinerin Leitner hat auch bei dem Schüler sicherheitshalber einen Abstrich gemacht und ans Labor geschickt. Das Ergebnis erwartet sie heute. Bei allen anderen Patienten mit eindeutigen Symptomen sei das nicht erforderlich, sagt Leitner und verweist in dem Zusammenhang auch auf eine offizielle Empfehlung. Deswegen sei auch die Dunkelziffer in der offiziellen Statistik hoch, erklärt Amtsleiter Schröfl.

„Seit Mitte, Ende letzter Woche kommen vermehrt Patienten“, sagt Dr. Felizitas Leitner. Sie sind meist innerhalb weniger Stunden krank geworden, fühlen sich total schlapp, klagen über Gliederschmerzen und Fieber. Die Anzahl der Erkrankten sei zwar hoch, aber: „Ich habe nicht den Eindruck, dass die Grippe einen ungewöhnlich schweren Verlauf nimmt“, sagt Leitner. Nach ein paar Tagen Bettruhe seien die Patienten in der Regel wieder auf der Höhe.

Die meisten Betroffenen seien im Übrigen nicht geimpft. Ist es ratsam, sich jetzt noch impfen zu lassen? Das sei natürlich möglich, sagt Leitner. Sie gibt aber zu bedenken, dass es bis zu zehn Tage dauern kann, ehe der Impfschutz einsetzt – und der Patient in der Zwischenzeit trotzdem erkranken kann. Sie selbst und ihre Mitarbeiter sind geschützt. „Wir möchten ja nicht, dass sich bei uns jemand ansteckt“, sagt die Ärztin. Ansonsten sei das Wichtigste die Desinfektion der Hände. „Wir desinfizieren sogar die Türklinken regelmäßig“, sagt Leitner.

Noch kaum Fälle im Klinikum Starnberg

Im Klinikum Starnberg macht sich die Grippewelle derzeit noch nicht bemerkbar. „Im Moment ist noch Ruhe an der Front“, sagt Geschäftsführer Heiner Helbel. Erst zwei Fälle habe man heuer bislang gehabt. „Das kann aber auch ganz schnell kippen.“ Sollte die Influenza kommen, gibt es ein standardisiertes Verfahren an Maßnahmen. „In den letzten Jahren hat das wunderbar geklappt“, so Helbel. Betroffene Patienten werden auf einer Station isoliert.

Ein Problem sei jedoch, wenn sich Mitarbeiter durch den Patientenkontakt anstecken. Daher ergreift die Klinik jedes Jahr Gegenmaßnahmen. Schon im Herbst besteht das Angebot für die Klinik-Mitarbeiter, sich freiwillige im Haus mit einer Vierfachimpfung impfen zu lassen. Welches, so Geschäftsführer Helbel, gut angenommen werde. Das Personal sei zu einem hohen Prozentsatz geimpft.

Wegen der Grippe mussten schon zwei Schulen im Landkreis schließen.

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