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Partner für den Tunnelbau (v.l.): Herwig Ludwig, Christian Probst und Uwe Fritsch vom Staatlichen Bauamt Weilheim sowie Dr. Jürgen Busse, Stefan Frey und Dr. Thorsten Schüler vom Verein „Umweltbewusste Verkehrsentlastung“.

Verkehrsentwicklung

Ein Tunnel, viele Fragen

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Rund 80 interessierte Starnberger informierten sich am Dienstagabend aus erster Hand zum aktuellen Stand des B2-Tunnels. Rede und Antwort standen die Spitzen des Staatlichen Bauamts Weilheim.

Starnberg – Es waren bei weitem nicht nur Tunnelbefürworter, die den Weg in die Gaststätte Zur Schießstätte fanden. Auch ausgesprochene Tunnelgegner waren zum Infoabend des Vereins Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg gekommen, jenes Vereins, der sich seit sechs Jahren für die Realisierung des Projekts stark macht. Mit Amtsleiter Uwe Fritsch, Abteilungsleiter Christian Probst und Projektleiter Herwig Ludwig standen die entscheidenden Köpfe des Staatlichen Bauamts Weilheim Rede und Antwort.

„Wir dürfen die positiven Auswirkungen des Tunnels nicht unter den Tisch kehren“, sagte Fritsch und warnte gleichzeitig davor, Ängste zu schüren. Gegenüber den Starnbergern will er während der Bauphase in den nächsten Jahren offen mit Informationen umgehen. Eigens dafür haben die Weilheimer als erste staatliche Baubehörde mit Michael Meister einen Pressesprecher eingestellt. Fritsch ist überzeugt: „Dieses Projekt wird ein absoluter Gewinn für das ganze Stadtgebiet.“

Wie ist der aktuelle Stand der Planungen?Die Planungen für die sogenannte Zulaufstrecke Nord, also die Münchner Straße zwischen Ortseingang aus Richtung Percha und Bahnbrücke, sind nach Angaben Fritschs fertig und mit der Stadt abgestimmt. Vor zweieinhalb Monaten waren sie bereits dem Stadtrat präsentiert worden (wir berichteten). Die europaweite Ausschreibung ist für Mai, der Spatenstich für Juli vorgesehen.

Derweil ist die erste vorbereitende Baumaßnahme abgeschlossen. „Das Löschwasserbecken für das Finanzamt ist fertig und konnte letzte Woche übergeben werden“, sagte Abteilungsleiter Probst. Es fasst 150 Kubikmeter Löschwasser, die im Notfall auf dem Schlossberg zur Verfügung stehen. Die alte Zisterne hatte bekanntlich weichen müssen, da an ihrer Stelle Technikräume für den Tunnel entstehen.

Wie steht es um den Grunderwerb? Die Verhandlungen kämen voran, sagte Probst – musste aber einräumen, dass das Landratsamt in der vergangenen Woche den ersten Besitzeinweisungsbeschluss erlassen habe. Das bedeutet, dass das erforderliche Grundstück gegen eine Entschädigung enteignet werden darf. Es befindet sich nach Informationen des Starnberger Merkur in der Münchner Straße und ist nur wenige Quadratmeter groß.

Wie kompliziert wird der Tunnelbau und welche Referenzobjekte gibt es?Der Tunnel stelle eine technische und geologische Herausforderung dar, sagte Projektleiter Ludwig und nannte drei wesentliche Punkte: „Innerstädtisches Bauen mit begrenzten Platzverhältnissen“, was man von den Tunnelbauten in München und anderen Großstädten kenne; „drei sehr verschiedene Grundwasserhorizonte“ seien ebenfalls aus München, aber auch von der unterirdischen Erweiterung des Bahnhofs Zürich bekannt – „da muss man mit hoher Druckluft arbeiten oder mit einer Maschine, die mit hohem Druck zurechtkommt“; und schließlich der Baugrund mit Findlingen, durchlässigen Sanden und Seeton, was ebenfalls aus der Schweiz sowie aus den Niederlanden bekannt sei. Zudem liefere der zweite Elbtunnel in Hamburg wichtige Erfahrungswerte. „Wir haben jetzt einen Tunnelspezialisten dazu genommen, der auf schwierige Maschinenvortriebe spezialisiert ist“, sagte Ludwig. „Und wir leisten uns die besten Gutachter im deutschsprachigen Raum.“

Was ist mit dem Sicherheitskonzept?Notausstiege alle 300 Meter, Pannenbuchten alle 600 Meter, dazu Kommunikationseinrichtungen, Brandmelder und Löschwasseranschlüsse – „da gibt es keine Diskussionen, das ist gesetzlich geregelt“, sagte Projektleiter Ludwig, der sich im Drei-Monats-Rhythmus zum Jour-Fixe mit Vertretern der Starnberger Feuerwehr trifft. Die hätten jüngst den Einbau stationärer Brandschutzeinrichtungen gefordert. „Darüber können wir diskutieren“, sagte Ludwig.

„Wir versuchen, den Tunnel sicherer zu machen“, sagte der Feuerwehrreferent des Stadtrats, Franz Heidinger. Dabei gehe es auch um Aufstellflächen und die Einhaltung von Hilfsfristen. Heidinger: „Wir sind auf einem guten Weg mit dem Bauamt, aber wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten.“ Amtsleiter Frisch sagte: „Wir werden am Ende eine gute Lösung finden und ein sicheres Bauwerk nach den anerkannten Regeln der Technik bauen.“

Wie funktioniert das mit der Beweissicherung?Etliche Eigentümer sorgen sich um ihre Häuser, wenn daneben oder darunter der Tunnel gebohrt wird. Es gebe rund um die Tunnelstrecke einen sogenannten Beweissicherungskorridor, erläuterte Ludwig. Alle Anlieger, die darin liegen, würden spätestens in einem Dreivierteljahr angeschrieben. „Dann wird ein unabhängiges Büro die Beweise sichern.“ Also wie ist der Zustand des Gebäudes, gibt es bereits Risse etc. Auch jegliche Infrastruktur wie etwa Leitungen oder auch der Georgenbach würden berücksichtigt. Drei zeitliche Phasen dafür gibt es: „Weit vor dem Bau, während der Bauphase und nach dem Tunnelbau“, sagte Ludwig. „Wir haben kein Interesse daran, etwas zu verschleiern.“

Für den Verein kann es losgehen. Vorsitzender Busse: „Jetzt haben der Stadtrat und die Bürgermeisterin die Mittlerfunktion zwischen den Sorgen der Bürger und dem, was da läuft.“

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