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Vom Ski-Floh zur WM-Medaillenkandidatin: Vor fast genau zehn Jahren wurde Kira Weidle Landescup-Siegerin im Riesenslalom. Bei ihrem Besuch in unserer Redaktion konnte die 22-Jährige im Merkur-Archiv noch einmal ihre Kindheits-Erfolge nachlesen.

Interview mit Kira Weidle

„Eine Medaille kann man nicht planen“

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Kira Weidle vom Ski-Club Starnberg nimmt ab Montag in Åre/Schweden an ihrer zweiten Weltmeisterschaft teil – und das mit Medaillenchancen.

Starnberg – Es ist bereits ihr drittes Großereignis. Nach den alpinen Ski-Weltmeisterschaften 2017 in St. Moritz und den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in Südkorea startet Kira Weidle nächste Woche bei der WM in Åre/Schweden. Mit einem großen Unterschied: Fuhr die 22-jährige Starnbergerin bei den beiden vorangegangenen Events in erster Linie, um Erfahrungen zu sammeln, zählt sie nun sogar zum erweiterten Favoritenkreis auf eine Medaille – zumindest in der Abfahrt. Teamkollegin Viktoria Rebensburg sieht sie gar als Geheimfavoritin. Kurz vor ihrem Abflug nach Åre stattete die Skirennläuferin vom SC Starnberg am Donnerstag der Redaktion des Starnberger Merkur noch einen Besuch ab und sprach mit uns über die bevorstehende WM, ehe sie an diesem Samstag nach Schweden fliegt.

Wie ist die Vorfreude auf Ihre zweite Weltmeisterschaft?

Ich freue mich riesig darauf. Obwohl, so richtig WM-Feeling kommt bei mir noch gar nicht auf. Ich fühle mich eher so, als ob ich ganz normal zum Weltcup da hoch fliege.

In welchen Disziplinen gehen Sie an den Start?

Am Dienstag im Super-G und dann am kommenden Sonntag in der Abfahrt. Am Freitag davor wäre noch die Kombination, aber es steht noch nicht fest, ob ich da starte. Das wird spontan entschieden, das hängt wohl ein bisschen davon ab, wie die Abfahrtstrainings verlaufen. Aber zumindest habe ich auch meine Slalomski dabei. Beim Teamevent bin ich sicher nicht dabei, ich reise am 11. Februar wieder ab. Der Flug nach Hause ist schon gebucht.

Wie viel Paar Ski haben Sie denn für die WM dabei?

Die nehmen zum Glück die Serviceleute mit, die sind bereits in Åre zum Testen. Das sind sechs Paar Abfahrts- und vier, fünf Paar Super-G-Ski. Und noch zwei Paar Slalom-Ski, mehr habe ich da gar nicht.

Wie lang sind Ihre Abfahrts-Ski überhaupt?

2,18 Meter bei einem Radius von 50 Meter. Meine Super-Gs sind 2,09 und 2,12 Meter mit 40 Meter Radius. Und die Dinger sind auch sehr schwer, die wiegen so um die zwölf Kilogramm. Da staunen immer die Leute, wenn die meine Ski mal hochheben. Dafür braucht man schon die richtige Skitechnik.

Sie kennen Åre ja noch von vor zwei Jahren, als Sie bei der Jugend-WM Abfahrts-Bronze geholt haben. Ein gutes Omen?

Ich habe absolut gute Erinnerungen an Åre. Das war mir damals schon wichtig, dass ich eine Medaille hole. Und das Weltcup-Finale letztes Jahr war auch da oben.

Momentan hat es dort minus 13 Grad ...

Åre ist wettertechnisch immer etwas speziell. Aber das ist ja eine recht trockene Kälte. Es ist halt Winter in Skandinavien. Die Temperatur hört sich krass an, aber für den Schnee ist das perfekt. Ich mag es eh sehr gerne hart und griffig, aber nicht eisig.

Ihre Teamkollegin Viktoria Rebensburg hat Sie nach Ihrem vierten Platz in Cortina d’Ampezzo zur Geheimfavoritin in der Abfahrt ausgerufen. Und dann folgte in Garmisch gleich Rang drei. Spüren Sie einen gewissen Erwartungsdruck?

Nein. Meine eigenen Erwartungen an mich sind auf jeden Fall, in die Top Ten zu fahren. Platzierungen vorherzusagen, ist kaum möglich. Es geht so eng zu, da können so viele vorne reinfahren. Ich will einfach so entspannt skifahren wie bisher. Ich glaube, eine Medaille kann man sowieso nicht planen. Der Heim-Weltcup in Garmisch war schon ein bisschen die Generalprobe für mich. Da war ich doch etwas nervös. Das war das erste Rennen dieses Jahr, wo ich nicht ganz so entspannt war wie sonst. Schließlich will man da liefern.

Und das haben Sie mit Rang drei in der Abfahrt bravourös getan. Aber im Super-G läuft es noch nicht so rund. Woran liegt das?

Im Training läuft es eigentlich immer gut. Wir glauben alle, dass es eine Frage der Zeit ist. Skitechnisch habe ich es eigentlich drauf. Super-G ist die schwerste Disziplin von allen, weil die Geschwindigkeit ziemlich hoch ist. Der Grad zwischen Risiko, zu viel Risiko und Sicherheit ist einfach sehr schmal. Das kann auch schnell mal in die Hose gehen.

Sind Sie in Åre wieder wie bei Olympia in Pyeongchang mit Vicky Rebensburg auf einem Zimmer?

Nein, diesmal nicht. In Südkorea waren wir ja nur zu zweit. Jetzt steht noch gar nicht fest, wer alles nominiert ist. Bislang sind in der Abfahrt nur Vicky, Michaela Wenig und ich fix gesetzt. Am liebsten habe ich sowieso ein Einzelzimmer. Wenn es eines gibt, dann bin ich immer die erste, die hier schreit.

Gibt es im Weltcup-Zirkus eigentlich auch richtige Freundschaften?

Ja, klar. Auch international. Zum Beispiel die Italienerin Nicol Delgado. Mit der bin ich ja mehr oder weniger groß geworden, sie ist mein Jahrgang. Wir kennen uns schon seit Jahren aus der Jugendzeit. Und dann verstehe ich mich auch sehr gut mit einer Österreicherin, die aber gerade auf der Europcup-Schiene unterwegs ist, aber auf Fixplatzkurs in den Weltcup ist. Die werde ich dann nächstes Jahr öfter sehen. Und auch mit Stephi Venier aus Österreich komme ich super aus.

Kennen Sie das Quartier schon?

Ja, vor zwei Jahren bei der JWM und letztes Jahr beim Weltcup-Finale haben wir dort auch schon gewohnt. Das sind so eine Art Ferienhütten, ganz gemütlich. Da könnte man sogar selber kochen. Aber wir machen uns nur das Frühstück selbst.

Was gibt es in Schweden zu essen? Kötbullar? Elch? Rentier?

Sicher auch. Das Essen in Schweden ist nicht so besonders abwechslungsreich. Ich finde unsere Küche schon viel besser, einfach vielfältiger. Dort gibt es irgendwie immer Kartoffeln oder Stampf – und dann noch irgendein Stück Fleisch oder Fisch dazu. Die Schweden sind jetzt nicht so die großen Gemüsegriller oder vegetarische Liebhaber. Aber für die paar Tage werde ich es schon aushalten.

Werden Sie nach Ihren jüngsten Erfolgen im Weltcup in Starnberg schon auf der Straße angesprochen?

Nein, weniger, außer von denjenigen, die mich ohnehin kennen. Ich glaube, das ist hier sowieso nicht so extrem, weil ja in Starnberg sehr viele wichtige Leute wohnen. Herr Parsch (Josef Parsch, Direktor des Starnberger Gymnasiums; Anm. d. Red.) hat mich nach Garmisch angerufen und mir gratuliert. Den habe ich schon ewig, seit meiner Schulzeit, seit ich vom Gymnasium Starnberg aufs Internat nach Oberstdorf gewechselt bin, nicht mehr gesehen. Das hat mich sehr gefreut. Oder gerade war ich beim Dechant und habe mir ein, zwei Salate geholt. Die fiebern auch immer voll mit, da halte ich immer den ganzen Betrieb auf, weil alle zuhören.

Und in Åre vor Ort? Haben Sie dort Unterstützung von zu Hause?

Ja. Mama und Papa und mein Opa fliegen am nächsten Freitag hoch und bleiben bis Dienstag. Die Mama war eh noch nie in Schweden, der Papa ist beruflich öfters da oben. Die freuen sich schon drauf.

Was sagen Sie dazu, dass mittlerweile im Ski-Club Starnberg einige Talente sind, die in Ihre Fußstapfen treten könnten? Zuletzt Lucy Margreiter und Nora Brand, die deutsche Jugend-Slalommeisterinnen geworden sind?

Das ist schon cool. Den SC Starnberg kennt mittlerweile jeder. Die Arbeit wird absolut anerkannt. Auch ein Wolfi (DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier; Anm. d. Red.) und viele andere im DSV sagen, da geht richtig was vorwärts in Starnberg.

Haben Sie vor dem Start eines Rennens ein spezielles Ritual?

Nein, ich bin da eher der entspannte Typ. Du kannst mir auch noch vier Minuten vor dem Start einen Witz erzählen. So zwei Minuten davor, da bin ich dann schon sehr konzentriert. Ein, zwei Läufe von Starterinnen vor mir schaue ich mir am Monitor an. Ansonsten kriegt man von den Trainern immer einen detaillierten Kursreport.

Die Rennen in Åre beginnen ja relativ spät. Wie sieht da Ihr Ablauf aus, wann stehen Sie morgens auf?

Das kommt immer darauf an, wann Besichtigung ist. Wenn zum Beispiel um 8 Uhr Abfahrt am Hang ist, dann stehe ich spätestens um 6.30 Uhr auf. Dann gehe ich direkt zum Frühstücken oder mache es selbst und anschließend Warm-up-Programm.

Was gibt es denn für eine WM-Teilnehmerin zum Frühstück? Wohl kaum eine Wurstsemmel, oder?

Nein, es ist beim Rennen immer das Gleiche. Wir haben da so einen basischen Frühstücksbrei mit Haferflocken. Aber den pimpe ich immer noch mit ein paar Samen, Nüssen und Obst. Und zum Trinken gibt’s bei mir immer Tee, ich bin nicht so der Kaffeetrinker. Außer in Italien, Espresso liebend gerne.

Wie geht es für Sie nach der WM weiter, wenn Sie am 11. Februar wieder nach Hause fliegen?

Ich weiß noch nicht, was da genau geplant ist. Am 21. Februar geht es weiter nach Crans Montana. Dazwischen werde ich sicher ein paar Tage trainieren.

Dann wünschen wir Ihnen ganz viel Glück und hoffen, dass Sie am Tag X in Topform sind. Vielleicht klappt es ja tatsächlich mit einer Medaille ...

Ich sage immer, das ist nicht meine letzte WM. Wenn es in diesem Jahr nicht klappt, dann eben ein anderes Mal. Die nächste Weltmeisterschaft in zwei Jahren ist in Cortina d’Ampezzo.

Und die Tofana taugt Ihnen ja offenbar ganz besonders ...

Ja, da freue ich mich jetzt schon drauf. Das wird sicher cool.

Weidles WM-Programm

Montag, 4. Februar, 12.30 Uhr, 1. Abfahrtstraining;

Dienstag, 5. Februar, 12.30 Uhr, Super-G; 

Mittwoch, 6. Februar, 10.30 Uhr, 2. Abfahrtstraining; 

Donnerstag, 7. Februar, 10.30 Uhr, Abfahrtstraining Kombination; 

Freitag, 8. Februar, 11 Uhr, Kombination; 

Samstag, 9. Februar, 10.30 Uhr, 3. Abfahrtstraining; 

Sonntag, 10. Februar, 12.30 Uhr, Abfahrt.

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