Elektromontage ist ein Dienstleistungsbereich in den Werkstätten in Machtlfing.
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Elektromontage ist ein Dienstleistungsbereich in den Werkstätten in Machtlfing.

Allgemeinverfügung schreibt Wiederöffnung vor – Nicht alle sind begeistert

IWL fährt Produktion wieder hoch: Eltern in Sorge um Gesundheit ihrer Kinder

  • vonAndrea Gräpel
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Das Betretungsverbot in Werk- und Förderstätten für Menschen mit Behinderung ist aufgehoben. Nach der jüngsten Allgemeinverfügung dürfen damit auch die mehr als 180 Beschäftigten der IWL Werkstatt in Machtlfing an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Einige Eltern allerdings sind in Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder, die dort arbeiten.

Machtlfing – „Ich verstehe die Sorge“, sagt Martin Becker, Geschäftsführer der IWL Werkstätten, um sogleich hinzuzufügen, „aber ich weiß auch, dass wir gut mit der Situation umgehen“. Die Werkstätten der IWL hätten ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Das ändere nichts an der Tatsache, dass die Beschäftigten – würden sie im Wohnheim bleiben – nur mit maximal sechs Menschen zusammenträfen, in Machtlfing seien es dagegen fast 200, sagt ein Vater, der namentlich nicht erwähnt werden möchte. Vor allem bereitet ihm der Fahrdienst Sorge, nachdem er gelesen hat, dass sich ein Taxifahrer trotz Desinfektion und Maske im Wagen angesteckt habe. „Die Beschäftigten werden in Kleinbussen nach Machtlfing gebracht – aktuell nur durch FFP2-Masken geschützt.“ Der Fahrdienstleister arbeite mit Hochdruck daran, mehr Busse und Fahrer zur Verfügung stellen zu können, so Becker. Ziel sei, maximal sechs statt acht Personen in jedem Kleinbus zu befördern, um ausreichend Abstand halten zu können. Nach Ansicht des Vaters bleibe die Ansteckungsgefahr hoch.

Becker kann kein gesteigertes Infektionsrisiko erkennen. „Das Betretungsverbot kam ja fast einem Berufsverbot gleich. Das ist nicht das Mittel der Wahl“, sagt er. Nun könnten Menschen mit Behinderung wieder wie alle anderen zur Arbeit gehen. Becker freut sich darüber und verweist erneut auf das Hygienekonzept, das auf der Internetseite der IWL auch für jeden einsehbar sei.

Kein höheres Infektionsgeschehen in Machtlfing als anderswo

Das Infektionsgeschehen in Machtlfing sei nicht höher als anderswo. „Wir gehen offen mit allem um.“ Zudem handele es sich bei der Allgemeinverfügung nicht um einen Arbeitszwang. Behinderte Menschen, die zu einer Risikogruppe zählten, müssten nicht kommen. „Eltern oder Betreuern steht es frei, ein Attest vorzulegen.“ Die Fehlzeit werde als Krankheitsausfall behandelt und nicht vom Urlaub abgezogen. Die Regelung entspricht Beckers Meinung nach umfänglich dem Inklusionsgedanken.

Die IWL Werkstätten mit Sitz in Landsberg beschäftigen insgesamt 550 behinderte und 200 nicht behinderte Menschen. In Machtfling sind es mehr als 180 behinderte Menschen und 50 ohne Behinderung. Die Einrichtung in dem Andechser Ortsteil schreibt Erfolgsgeschichte. „Die Förderstätte ist gewachsen“, sagt Becker. Seit drei Jahren bemühen sich die Verantwortlichen deshalb um eine Erweiterung. Da an die Gebäude ein Landschaftsschutzgebiet angrenzt und im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nicht viel möglich war, verzögert sich der Spatenstich für eine neue Förderstätte. Aktuell sind Teile der Einrichtung in Containern untergebracht. Die verschwinden wieder, versichert Becker. Er hofft, dass die Bauleitplanung in diesem Jahr abgeschlossen werden und 2022 Baubeginn sein kann.

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