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Trophäen des vergangenen Jagdjahres: Jagdverbandsvorsitzender Hartwig Görtler, der für die Jagd zuständige Mann im Landratsamt, Holger Albertzarth, und Jäger-Vizevorsitzender Markus Ortner begutachten die Sammlung bei der Pflichthegeschau auf Gut Rieden. 

Pflichthegeschau

Jäger ziehen Bilanz: Die arme Sau und der böse Wolf

Landkreis – Die Jäger im Landkreis Starnberg haben sich am Wochenende zu ihrer Pflichthegeschau getroffen. „Wir haben den Fuchs, Gänse, Schwarzwild und sogar den bösen Wolf“, sagte Hartwig Görtler vom Jagdverband. Dabei wurde deutlich: Das Schwarzwild im Landkreis wird weniger.

Der Abschuss von Wildschweinen im Landkreis Starnberg ist 2016 nach zehnjähriger Steigerung deutlich zurückgegangen, und zwar um 34 Prozent auf 480 Tiere – obwohl Martin Fink von der Waldbesitzervereinigung bei der Pfllichthegeschau auf Gut Rieden am Samstag sagte: „Die Sauen werden immer mehr.“ Hartwig Görtler vom Jagdverband gab sich aber überzeugt: „Wir haben mit den Sauen kein Problem.“ Dies sei stark „überdramatisiert“ worden. Allerdings würden in manchen Revieren viele, in anderen nur wenige Sauen geschossen. Gegenüber dem Starnberger Merkur deutete Görtler an, einige Landwirte gäben wohlhabenden Pächtern den Vorzug.

Umstritten ist ein „Sauenfang“, den ein Pächter laut Görtler für den Landkreis Starnberg beantragt hat. Die Sauen würden dabei in Käfige gesperrt und erschossen. „Das ist die größte Tierquälerei eines Jägers“, warnte Görtler.

1544 Abschüsse beim Rehwild wurden im vergangenen Jahr gezählt. In einem Drei-Jahres-Zeitraum sind es rund 7000 Abschüsse. „Die Rehe müssen dort geschossen werden, wo der Verbiss auftritt“, sagte Görtler.

Die Zahl der erlegten Füchse im Landkreis ist stetig erhöht worden – zuletzt bis auf 611. Zuvor waren es 592, davor 420 Abschüsse. Dieser Trend müsse fortgesetzt werden, sagte Görtler, weil die Fuchsräude noch immer nicht vorbei sei. Er forderte die Jäger auf, auch Waschbär und Marderhund zu jagen. „Der Marderhund macht alles platt, was ihm im Weg steht – er hat weder vor dem Dachs noch vor dem Hund Respekt.“

Die Abschusszahlen bei den Gänsen sind gesunken. Man könne und müsse sie jagen, sagte Görtler, ließ aber Kritik an den Kommunen durchblicken. Die Jäger würden als „Feigenblatt“ genommen. Als Beispiel nannte Görtler die Gemeinde Herrsching. Er plädierte dafür, den Uferzugang für eine bestimmte Zeit zu sperren. Eine halbe Stunde würde für den Abschuss ausreichen, konkretisierte er am Rande. Wegen vieler Jogger, Schwimmer und Radler sei der Abschuss sonst nicht möglich.

Dem „bösen Wolf“ sollte man mit Ruhe und gezielter Planung begegnen, mahnten die Jäger. Ihr Vorsitzender Görtler war sichtlich bemüht, die Aufregung um den Wolf zu dämpfen, der nahe Münsing Schafe gerissen hat. Mit Ruhe und Besonnenheit sollte die weitere Vorgehensweise geplant werden, mahnte er. Er glaube nicht, dass der Wolf in der Region dauerhaft sesshaft werde.

Etwa 600 Jägergibt es im Landkreis Starnberg, wenn die eingelösten Jagdscheine der Maßstab sind. Der Kreisgruppe sind 350 Jäger angeschlossen. 160 Gäste waren auf Gut Rieden bei der diesjährigen Pflichthegeschau – für des Vorsitzenden der Jäger Hartwig Görtler „der harte Kern“. Lange Reihen mit zur Schau gestellten Trophäen dienten als Nachweis des erlegten Wildes.

Dabei wurden auch Bezüge zum Waldbestand gesehen. Martin Fink, der Vorsitzende des Starnberger Waldbesitzerverbands, bezeichnete einen angepassten Wildbestand als entscheidend. Markus Hildebrandt, neuer Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim, plädierte wegen des Klimawandels für einen standortgerechten Mischwald.

Starnbergs Vizelandrat Georg Scheitz dankte den Jägern: Für sie stehe immer die Hege im Vordergrund. Es sei wichtig, „dass man ein offenes Gespräch führt“. Mit Interesse zur Kenntnis genommen wurde deshalb eine personelle Änderung im Landratsamt: Markus Reichart, bisher Fachbereichsleiter Verkehrswesen, wird Nachfolger von Holger Albertzarth, Teamleiter für Gewerberecht, Jagd, Gesundheitsrecht und Tierschutz im Amt für öffentliche Ordnung. Albertzarth bestätigte nach mehr als vierjährigen Erfahrungen eine gute Zusammenarbeit mit den Jägern.     nz

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