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„Eine verunsichernde Zeit“: So gehen Jugendzentren mit der Pandemie um

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Von: Katja Brenner

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Wer ins Herrschinger Jugendzentrum Stellwerk will, muss klare Regeln beachten. Pädagoge Christian Kreilkamp (vorne) und Streetworker Jan Pleines heißen die Jugendlichen willkommen. Foto: rutt
Nur mit Maske und Kontaktdaten: Wer ins Herrschinger Jugendzentrum Stellwerk will, muss klare Regeln beachten. Pädagoge Christian Kreilkamp (vorne) und Streetworker Jan Pleines heißen die Jugendlichen willkommen. © Dagmar Rutt

Knapp ein Dreivierteljahr begleitet die Corona-Krise den Alltag der Menschen bereits. Für Erwachsene mag das eine verhältnismäßig kurze Zeit sein, für Jugendliche ist es gefühlt eine halbe Ewigkeit. Die Jugendzentren haben großen Zulauf.

Landkreis – „Die Herausforderungen für junge Menschen werden ja nicht weniger“, sagt Christian Kreilkamp vom Herrschinger Haus der Jugend Stellwerk. Der Mitarbeiter des Jugendzentrums (JUZ) ist froh, dass das Haus anders als im ersten Lockdown im derzeitigen Teil-Lockdown geöffnet bleiben darf, schließlich gehöre die Jugendpflege zu den kommunalen Pflichtaufgaben.

Im JUZ gilt ein klares Hygienekonzept, sprich permanente Maskenpflicht, Abstandsgebot, Einbahnstraßenregelung mit getrennten Ein- und Ausgängen und Kontaktdatenerfassung am Eingang. Seit der Wiederöffnung im Juli verzeichnet das Stellwerk dennoch einen Ansturm.

Großen Zulauf hat auch das Starnberger Jugendzentrum Nepomuk. Wie im Herrschinger Haus der Jugend sieht es sich in der gediegenen Lage, ein Haus mit viel Platz zu haben. Kleine Einrichtungen sind da in einer schwierigeren Situation.

Das Gautinger JUZ kann wegen der beengten räumlichen Situation nur zwölf Personen gleichzeitig einlassen. Damit jeder mal kommen kann, darf man nur anderthalb Stunden bleiben. Das stoße nicht bei jedem auf Verständnis, erklärt Britta Gürtler. Dem derzeitigen Ansturm „können wir eigentlich nicht gerecht werden“, sagt die Pädagogin. Zwar freut sie sich wie ihre Kollegen in Herrsching und Starnberg, dass das JUZ offen sein kann. Dass das Team aktuell „eigentlich nur Corona-Polizei“ sei, sei hingegen „für alle Beteiligten ätzend“. Das gelte nicht nur für die Einhaltung von Abstand und Maskenpflicht, manche Besucher hätten sogar schon versucht, Freunde durch ein geöffnetes Fenster heimlich einzulassen, um die Regeln zu umgehen.

Zu den räumlichen Erschwernissen kommt Personalknappheit. Von drei Vollzeitstellen sind im Gautinger JUZ derzeit nur anderthalb besetzt, das Team hofft auf Unterstützung ab Dezember. Ein Problem, das auch andere Jugendzentren im Landkreis kennen. In Krailling wurde der Jugendtreff Kraill-In schon Mitte 2019 geschlossen, Pöckings Jugendzentrum Q-Stall sucht ebenfalls Mitarbeiter und will im neuen Jahr wieder öffnen.

Die Gemeinde Gilching mit gleich zwei Jugendzentren hat sich hingegen im Teil-Lockdown bewusst zur Schließung der beiden Einrichtungen entschieden. „Mit dem Erlass des zweiten Lockdowns war die Vorgabe der Bundes- und der Staatsregierung verbunden, eine Reduktion der Kontakte aus Infektionsschutzgründen um 75 Prozent zu erzielen“, sagt Bürgermeister Manfred Walter auf Merkur-Nachfrage. „Um dies annähernd zu erreichen, haben wir uns deshalb dazu entschlossen, die Freizeiteinrichtungen Jugendhaus und Jugendtreff zu schließen.“ Das Infektionsrisiko dort sei nicht niedriger zu bewerten als etwa in einem Café oder einem Fitnessstudio, so Walter.

Das Angebot in den geöffneten Einrichtungen findet nur abgespeckt statt. Ausflüge oder gemeinsames Kochen – angesichts der Pandemie undenkbar. Was hingegen stattfinde, seien Gespräche. „Die Möglichkeit zu haben, irgendwohin zu gehen und mit jemandem zu sprechen, und sei es nur für zehn Minuten“, sei sehr wichtig, meint Kreilkamp. Für Jugendliche sei die Krise „eine verunsichernde Zeit“, sagt auch Kreilkamps Starnberger Kollegin und Nepomuk-Leiterin Theresa Eichinger. „Die Probleme der Eltern lassen die Jugendlichen nicht kalt.“ Zu den Unsicherheiten im Hinblick auf Corona kämen Sorgen wie etwa die, eine Arbeitsstelle zu finden, da Praktika kaum stattfinden könnten. Viele wollten von den Mitarbeitern auch wissen, was sie derzeit überhaupt dürfen, wie und wo sie dazu verlässliche Informationen im Internet fänden. Auch das Thema Verschwörungsmythen rund um Corona habe er schon besprechen müssen, sagt Kreilkamp. Dass Herrsching mit Jan Pleines seit diesem Sommer einen Streetworker habe, sei eine Bereicherung. „Der fängt natürlich auch noch mal einiges ab“, so Kreilkamp.

In der kalten Jahreszeit sind die geschützten Räume der Jugendzentren jedoch unverzichtbar. Im Hinblick auf Kontaktbeschränkungen seien sie „eine Grauzone“, so Britta Gürtler vom Gautinger Jugendzentrum, da naturgemäß mehr als zwei Haushalte aufeinandertreffen. Offen bleiben sollen sie dennoch. Nepomuk-Leiterin Eichinger: „Jugendliche brauchen einen Raum für Entwicklung und Zusammenleben, auch außerhalb der Schule.“

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