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Verbarg sein Gesicht: der Angeklagte mit seinen Verteidigern Florian Zenger und Philipp Müller.

Tausende Fotos und Videos gefunden

Eltern unter Schock: Gilchinger Jugendtrainer filmte Mädchen heimlich unter Dusche

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Allein die Vorstellung ist grässlich: Acht Jahre lang filmte ein Jugendtrainer heimlich Mädchen, in der Dusche, in der Umkleidekabine und auf der Toilette. Jetzt ist das Urteil gesprochen. 

Gilching – Der kleine Sitzungssaal im Amtsgericht München war brechend voll mit Mitgliedern des Sportvereins aus Gilching (Kreis Starnberg). Mit einem roten Aktenordner vor dem Gesicht bahnte sich der 45-jährige Angeklagte einen Weg durch die wartende Menge, vorbei an den Kameras der Fotografen. Hätten die Blicke ihn niederstrecken können, er hätte niemals seinen Platz erreicht. Mit schwarz gefärbten Haaren (früher war er blond gewesen) und frisch gewachsenem Vollbart in ähnlicher Tönung kauerte er sich in die Bank. Seine Verteidiger Florian Zenger und Philipp Müller schoben Wache.

Was die Staatsanwältin dann vorlas, war der Horror einer jeden Sportler-Mutter. Jahrelang hatte der IT-Experte die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen gefilmt. Mit Mini-Kameras, die er geschickt in Rauchmeldern, Seifenspendern oder Thermometern einbaute. In einem Bereich, in dem sich die jungen Frauen geschützt glaubten, richtete er die Kameras voll auf die zum Teil entblößten Körper. Später entfernte er die Kameras wieder und sah sich das Filmmaterial daheim an. Dabei befriedigte er sich sexuell. Das berichtete eine Kripo-Beamtin.

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Der Angeklagte selbst legte ein pauschales Geständnis ab. „Ja, es stimmt, was in der Anklage steht.“ Über seine Motivation erfuhren die Zuhörer nichts. Während der Befragung zu diesem Thema wurde die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen. „Die Technik hat mich fasziniert“, erklärte er noch knapp. Mit erheblichem Aufwand habe er an den Kameras herumexperimentiert. Und dann richtete er seinen Blick zum Zuhörerraum, zu den Vereinsmitgliedern und Müttern der betroffenen Sportlerinnen: „Ich möchte mich bei den Angehörigen entschuldigen. Der Sport hat mir immer viel Spaß gemacht. Es tut mir leid, dass ich Ihr Vertrauen missbraucht habe, ich bereue es“, entschuldigte er sich und versicherte, dass die Aufnahmen niemals über das Internet in die Öffentlichkeit gelangt, sondern nur für ihn gedacht seien. Jetzt liege alles bei der Justiz.

Lebensgefährtin dachte, er betrügt sie

Die Zuhörer, die schon früh am Montag vor dem Sitzungssaal ausgeharrt hatten, konnten die Entschuldigung nicht annehmen. „Es hat ihm Spaß gemacht und dann hintergeht er uns“, sagte eine der Mütter später auf dem Gerichtsflur. Wie es den Mädchen gehe und ob sie sich heute überhaupt noch in eine öffentliche Dusche trauten, wollten sie nicht sagen, verwiesen stets auf die abwesende Vereinsführung.

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Vermutlich wäre der 45-Jährige noch heute Trainer in Gilching und würde die Einradfahrerinnen heimlich filmen, hätte nicht seine Lebensgefährtin befürchtet, sie werde von ihm betrogen. Bei der Suche nach Anhaltspunkten stieß sie auf Festplatten und andere Speichermedien, die sie durchkämmte. Dabei fand sie nicht nur die Plattform, auf der er sich mit anderen Frauen verabredet hatte. Sie fand auch kinder- und jugendpornografische Dateien mit einer Gesamtspiellänge von mindestens 72 Stunden.

Das Material, das er von den Einradfahrerinnen gespeichert hatte, umfasste tausende Bilder und hunderte Videos. Im Umgang mit den jungen Mädchen hatte sich der Trainer nichts zu Schulden kommen lasse. Er galt als vorbildlich. Bei Turnieren oder Trainingslagern fuhr er stets vor, um die Quartiere herzurichten. Niemand konnte ahnen, dass er nur in Ruhe seine Kameras installieren wollte.

aw

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